Stand: 25.02.14 12:00 Uhr

"Das Schöne fesselt mich nicht"

Plattenvertrag, Interviews, Fernsehauftritte - im vergangenen Jahr war im Leben von Madeline Juno viel los. Und es geht aufregend weiter. Bald kommt ihr erstes Album "The Unknown" in die Läden. Außerdem wartet noch ein besonderes Abenteuer auf die 18-Jährige: Am 13. März tritt die Sängerin aus dem Schwarzwald, die eigentlich Madeline Obrigewitsch heißt, beim deutschen ESC-Vorentscheid an. Im Vergleich zu ihren Songs, die vor allem traurig daherkommen, macht Madeline im persönlichen Gespräch einen sehr fröhlichen Eindruck. Im Interview verrät sie, wie sie sich ihr Lampenfieber abgewöhnt hat und weshalb es ihr manchmal schwerfällt, einfach nur glücklich zu sein.

Teilnehmer

Herzschmerz-Songs aus dem Schwarzwald

Wenn du mal ein Jahr zurückblickst: Wie hat sich dein Leben verändert?

Madeline Juno: Es hat sich schon sehr doll auf den Kopf gestellt. Die letzten vier Jahre waren ja sehr viel Studioarbeit, zur Schule gehen und ein ganz normales Leben führen - und trotzdem geheimerweise seinen Traum leben oder die Vorarbeit dafür leisten. Als dann "Error" herauskam, war das eine intensive Zeit mit vielen Fernsehauftritten und Reisen. Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich Stress habe und wenig schlafe, weil mir das zeigt, dass es voran geht. Außerdem ist es jetzt ein ganz anderes Zurück-nach-Hause-Kommen. Ich bin inzwischen ausgezogen und wohne in Mannheim. Und jetzt komme ich nach Hause und bin dankbar für die "Madeline-ohne-Juno-Zeit". Das war früher anders, da wollte ich nur weg.

Das Video zu deinem Song "Error" hat mittlerweile mehr als 1,2 Millionen Klicks auf YouTube. Ist das nicht unfassbar?

Juno: Es ist verrückt. Als ich das Video hochgeladen habe, dachte ich: Oh Gott, was ist, wenn es nur 100.000 Klicks bekommt? Dann sind meine Plattenfirma und mein Team vielleicht enttäuscht von mir, weil ich so schlechte Musik mache. Keiner will mehr mit mir zusammenarbeiten und ich sitze wieder in meiner kleinen Stadt und schreibe meine traurigen Songs, die niemand hören will (lacht).

So ist es glücklicherweise nicht gekommen. Bist du grundsätzlich jemand, der viel grübelt?

Juno:  Auf jeden Fall. Ich bin auch ein Mensch, der viel zu gerne Zeit in seiner Gedankenwelt verbringt. Das ist nicht wirklich gut für meinen Gemütszustand. Für mich sind aber diese negativen Gedanken inspirierend, die mich nachdenklich machen und nicht richtig loslassen. Das ist es, was mich antreibt, zu schreiben. Ich habe es bisher noch nicht geschafft, über das Schöne zu schreiben. Das fesselt mich nicht.

Aber so viele traurige Momente dürfte es in letzter Zeit nicht gegeben haben, oder?

Juno: Das ist richtig, deswegen klappt es mit dem Songschreiben im Moment auch nicht so gut (lacht). Ich sage mir zwar: Jetzt gib dir etwas Zeit, dein Album kommt erst noch. Ich weiß aber, dass das nächste Album keine vier Jahre Zeit hat und, dass ich in Schreibstress kommen werde. Aber es ist auch vollkommen in Ordnung, mal Phasen zu haben, in denen man sich nicht seiner Melancholie hingibt, sondern auch mal glücklich zu sein.

Vor Kurzem hast du gesagt, dass alles surreal für dich ist und an dir vorbeizieht. Konntest du das Ganze inzwischen realisieren?

Juno: Surreal war es in dem Sinne, dass alles dann doch recht schnell Fahrt aufgenommen hat - es kamen ganz viele Fernsehsendungen und Auftritte und viele Menschen, die den Song kannten, weil sie "Fack Ju Göhte" gesehen haben. Und man lernt Menschen kennen, die man sein ganzes Leben immer im Fernsehen gesehen hat. Und dann liegst du abends im Bett und checkst erst, was für fantastische Dinge gerade passieren. Mittlerweile ist alles zwar immer noch surreal, aber etwas routinierter.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.03.2014 | 20:15 Uhr