Stand: 12.02.13 18:11 Uhr

Finn Martin: Musikalischer Weltenbummler

Der Musiker Finn Martin. © EMI Music Germany Foto: Lennart Brede

Ist gern unterwegs: der Berliner Musiker Finn Martin.

Musik ist für den Berliner Finn Martin eine frühe Berufung gewesen. Schon mit 17 Jahren unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag, heute ist er erfolgreicher Solokünstler und professioneller Songwriter. Mit eurovision.de spricht er über seine Begeisterung von der Idee des Eurovision Song Contest, warum eine Zeit des Wandels angebrochen ist und die Demut und Wertschätzung, die ihn die Musik und das Reisen lehren.

Finn, du wirst gerne als "Weltenwanderer" betitelt. Ist das etwas romantisch dargestellt, oder fühlst du dich tatsächlich so?

Finn Martin: Nein, das stimmt schon: Ich liebe es zu reisen. So sammele ich die Inspiration für meine Songs. Alle Titel auf meinem Album sind wie Momentaufnahmen aus einem Reisetagebuch.

Wenn du reist hast du also immer eine Gitarre dabei?

Martin: Genau. Unterwegs bekomme ich Ideen - durch Leute, die man trifft, Orte, die man sieht, Dinge, die man erlebt. Beim Reisen lernt man, alles wieder in andere Relationen zu packen. Demut und Dankbarkeit zu empfinden, für die Dinge, die man hat. Oft denkt man beim Reisen ja zuerst an die schönen Seiten, aber man sieht auch vieles, was einen daran erinnert, wie gut man es selbst hat. Nach Hause zu kommen nach Berlin ist daher genauso wichtig für mich. Zu sehen, wie schön es hier ist. Reisen und Musik sind für mich die zwei wichtigsten Sachen, ein perfekter Kreislauf: Reisen inspiriert mich zu neuer Musik und Musik bringt mich an neue Orte.

Teilnehmer

Elektro-Avantgarde trifft Gitarren-Romantik

Und an welchen Orten sind die Songs zu deinem ersten Solo-Album, das im März 2013 erscheint, entstanden?

Martin: Das fing an auf einer Reise nach Indien, vor zweieinhalb Jahren. Da habe ich das erste Mal Songs geschrieben, die nicht mehr zu meiner Band Asher Lane passten. Ich habe gemerkt: Okay, das ist ein neuer Abschnitt. Auch auf einer Reise durch Neuseeland sind ganz viele Texte entstanden, später bin ich viel durch Europa gereist: Lissabon, London und Stockholm, wo auch ein großer Teil meines Albums produziert wurde. Das ist das große Privileg daran, Musiker zu sein: Ich kann so viel reisen, weil ich andere Musiker kennengelernt und wir uns ausgetauscht haben. Ich habe sie nach Berlin eingeladen und sie selbst überall in der Welt besucht. Diese Art von musikalischem Austausch ist ja eigentlich auch der Gedanke beim Eurovision Song Contest.

Wie unterscheiden sich deine Solo-Songs zu denen deiner Band Asher Lane?

Martin: Meine neue Musik ist eher eine Mischung aus handgemachter, akustischer Musik und elektronischer Popmusik. Mich beeinflussen die alten Erzähler der Folkmusik - Neil Young und Nick Drake zum Beispiel - genauso wie die neue, elektronische Pop-Avantgarde, also Acts wie M83.  

Als Weltenbummler wärst du für einen internationalen Wettbewerb wie den ESC ja gut gerüstet. Wärst du deshalb genau die richtige Wahl als deutscher Kandidat?

Martin: Das Tolle an dieser Situation ist eben: Meinen Song "Change" habe ich eben geschrieben, als ich gerade quer durch Europa gereist bin. Und egal, wo ich war - egal in welchem Land, egal vor welchem kulturellen Hintergrund - habe ich gemerkt, dass ein Wandel in der Luft liegt, gerade bei der jüngeren Generation. Diese Aufbruchstimmung wollte ich in diesem Song festhalten. Damals habe ich natürlich nicht zu hoffen gewagt, dass ich damit vielleicht mal beim Eurovision Song Contest antreten könnte. Aber genau deshalb wäre es wirklich ganz besonders für mich, mit diesem Song beim größten europäischen Musikwettbewerb antreten zu können.

Und was ist das genau für ein Wandel, den du wahrgenommen hast?

Martin: Wir alle streben nach positiver Veränderung, egal ob das im Privatleben ist, in der Liebe oder dem Beruf. In "Change" geht es darum, dass jeder einzelne den Mut haben kann, einzelne Schritte zu tun, um so eine positive Veränderung herbeizuführen. Bei mir ist es das Musikmachen, aber jeder hat für sich seine eigene Sache, über die er etwas verändern kann. Diese Message würde ich gerne für Deutschland mit Europa teilen.

Wie hast du von deiner Nominierung erfahren? Was war dein erstes Gefühl in diesem Moment?

Martin: Ich war gerade in London im Studio. Ich habe einen Anruf vom Management bekommen und von der Nominierung erfahren. Ich konnte es erst gar nicht glauben! Ich hab mich sehr gefreut, weil es wirklich eine Überraschung war.

Hattest du vorher schon eine Verbindung zum Wettbewerb?

Martin: Der Eurovision Song Contest war für mich immer ein Happening, wo man zusammen mit Freunden die Show guckt und eine gute Zeit hat. Was ich daran so spannend finde ist, dass es ein Spiegelbild der kulturellen und musikalischen Vielfalt ist, die wir in Europa haben. Man entdeckt Künstler und Musik, mit denen man sonst nicht in Berührung kommt, Aserbaidschan zum Beispiel. Das ist ja die große Kraft, die Musik hat - dass sie über Grenzen, über Sprachen und Länder hinaus alles verbinden kann.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.02.2013 | 20:15 Uhr