Pirates of the Sea aus Lettland © NDR Foto: Rolf Klatt

Lettland: Pirates of the Sea

Was war das 1979 in Jerusalem für eine spektakuläre Show: Mit verwegenen Bärten, Fellwesten und Lederstiefeln auf wilde Mongolen getrimmt, stürmte die deutsche Retortenband Dschinghis Khan mit ihren gleichnamigen Song auf Platz vier beim Grand Prix vor. Ausgedacht hatte sich das Schauspiel kein geringerer als Ralph Siegel. Wenn am 22. Mai das zweite Belgrader Halbfinale über die Mattscheibe flimmert, dürfte der Altmeister des Grand Prix gemütlich auf dem heimischen Sofa sitzen - und möglicherweise wird er sich bei der Startnummer zehn verwundert die Augen reiben: Fast dreißig Jahre nach Dschinghis Khan kopieren Pirates of The Sea das Siegelsche Konzept. Nur sind aus den deutschen Mongolen im Jahr 2008 lettische Freibeuter geworden und aus "Hu, ha, hu, ha" wurde "Hi, hi, ho, hi, hi, hey".

Passend zum schmissigen Refrain ihres Titels "Wolves Of The Sea" präsentieren Pirates of the Sea eine Choreografie, als würden sie an Bord einer Freibeuter-Galeone stehen - immer schön breitbeinig, damit der starke Seegang beim Grand Prix sie nicht über Bord wirft. Und wenn man schon bei Dschinghis Khan genau hingeschaut hat, darf natürlich auch die entsprechende Kostümierung nicht fehlen - statt Fellhemden tragen die Letten natürlich Plüschhemden und Augenklappe.

Die Piratencrew

Pirates of the Sea aus Lettland © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Pirates of the Sea aus Lettland.

Verantwortlich für die Kaperfahrt der Letten waren vier schwedische Komponisten: Jonas Liberg, Johan Sahlen, Claes Andreasson und Torbjorn Wassenius. Letzterer gehörte schon zum Team der sechs Tenöre von Bonaparti.lv, die 2007 mit "Questa notte" für Lettland zum Contest fuhren. Und Wassenius ist nicht der einzige der in Helsinki Gefallen an dem internationalen Wettstreit gefunden hat. Sänger Roberto Meloni hat Zylinder und Frack abgelegt und sich ebenfalls dem neuen Projekt "Pirates of the Sea" angeschlossen. Der auf Sardinien geborene Italiener lebt seit 2002 in Lettland. Ursprünglich arbeitete er als Italienischlehrer, doch bald verdiente Meloni seinen Lebensunterhalt als Musicalsänger in Produktionen wie "West Side Story" und "Les Misérables".

An seiner Seite sang mit Aleksandra Kurusova ebenfalls eine sprachbegabte Künstlerin. Die Fremdsprachenstudentin von der Lettischen Universität empfahl sich für die Seepiraten durch ihren Sieg bei der lettischen Version der Tanzshow "Let's Dance". Fehlt noch Janis Vaišļa: Der Produzent, Kameramann, TV- und Radiomoderator mimte quasi der Steuermann bei Pirates of the Sea, er verbrachte zwei Jahre seines Lebens auf einem echten Schiff und segelte um die Welt.

Freibeuter des Volkes

Beim lettischen Vorentscheid "Eurodziesma 2008" musste das martialische Trio gegen 20 Interpreten antreten. Im Finale arbeiteten sich Pirates of the Sea zunächst ins Superfinale vor. In der Runde der letzten Drei waren Meloni, Kurusova und Vaišļa dann nicht zu schlagen: Die Televoter wählten "Wolves Of The Sea" mit 6.507 Stimmen Vorsprung vor Aishas "You Really Got Me Going" und  7.648 Stimmen vor "Broken Lullaby" von Andris Ērglis zu ihrem eindeutigen Favoriten. Auf internationale Ebene reichte das Konzept allerdings nicht: Platz zwölf hieß es in Belgrad für die Piraten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 24.05.2008 | 21:00 Uhr