Kurt Calleja aus Malta  Foto: Daniel D'Anastasi

Malta: Kurt Calleja

von Marco Lambrecht

Ganze drei Minuten dauert ein Lied beim Eurovision Song Contest. Für den Interpreten auf der Bühne verdammt wenig Zeit, um ein Millionenpublikum von seiner Kunst zu überzeugen. Aus Sicht des Zuschauers, der mit der Fernbedienung im Anschlag auf dem Sofa hockt, eine halbe Ewigkeit. Einige Acts beim Grand Prix haben es aber durchaus verdient, dass man ihnen volle drei Minuten Aufmerksamkeit schenkt.

Kurt Calleja auf der Bühne  Foto: Daniel D'Anastasi

Malta: Kurt Calleja - "This Is The Night"

Mit samtiger Stimme und glänzenden Augen wollte Kurt Calleja es 2012 wissen. Er lieferte allerdings keine Ballade, sondern einen Dance-Titel. Das Ergebnis: Ein enttäuschender Platz 21.

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Kurt Calleja aus Malta ist so ein Fall. Nicht etwa, weil sein Song "This Is The Night" das Zeug hat, europaweit auf Platz eins der Hitparaden zu landen, sondern weil der junge Sänger stellvertretend für all jene Musiker steht, die Jahr für Jahr bei den nationalen Vorentscheiden scheitern, die aber nie die Hoffnung aufgeben, dass irgendwann ihre Nacht auf dem Siegertreppchen kommt. So zum Beispiel Callejas Kollegin Claudia Faniello, die seit 2006 sieben Mal in Folge in der maltesischen Qualifikation den Kürzeren zog.

Päpstlicher Chorknabe

Aber zurück zu Kurt: Aufgewachsen ist der junge Malteser in Hamrun, einem Vorort der maltesischen Hafenstadt Valeta. Geboren am am 5. Mai 1989 schien Calleja sich bereits in jungen Jahren fürs Singen zu begeistern. Allerdings gesteht er in seiner Biografie ein, dass er nur in den Schulchor wollte, weil zuvor alle seine Freunde eingetreten waren. 2001 war er immer noch ein Chorknabe, was zur Folge hatte, dass er während eines Besuchs von Johannes Paul II. vor dem damaligen Papst auftrat. Aber selbst dieses Erlebnis ließ Kurt Calleja nicht erkennen, dass sein Leben der Musik gehört. Das änderte sich erst 2005, als der damals 16-Jährige auf Brian Cefai traf. Was der Heilige Vater nicht schaffte, gelang dem renommiertesten Tenor und Chorleiter Maltas. Er überzeugte seinen Schützling, dass er mit seiner Stimme Geld verdienen könne.

Der Weg zum Grand Prix

Der maltesische Sänger Kurt Calleja nach seiner Wahl zum ESC-Kandidaten für 2012.  Foto: Daniel D'Anastasi

Kurt Calleja lässt sich nach seinem Sieg beim maltesischen Vorentscheid feiern.

Wer auf Malta eine solche Karriere-Entscheidung trifft, der landet zwangsläufig bei der Qualifikation für den Eurovision Song Contest. Zunächst zog es Kurt Calleja 2008 jedoch nach Großbritannien. Dort trat der Sänger in Bars und Clubs mit so klingenden Namen wie Tiger Tiger oder Bada Bing auf, von denen man im restlichen Europa noch nie etwas gehört haben muss. Weil diese Engagements nicht zum Leben reichten, arbeitete der Exilant außerdem als Flugbegleiter für Ryanair.

Auch eine Art Höhenflug, aber um seine Karriere als Musiker voran zu bringen, ging Kurt Calleja zurück in seine Heimat. Als Sänger für diverse maltesische Fernsehsendungen gelang ihm schließlich der Sprung ins Showgeschäft. Im Duett mit Priscilla Psaila versuchte Kurt Calleja 2010 zum ersten Mal sein Glück beim maltesischen Vorentscheid. Leider landete der Song "Waterfall" in einem 20-köpfigen Teilnehmerfeld nur auf Platz zwölf.

Die Nacht von Team Calleja

Noch im selben Jahr traf Calleja auf den schwedischen Produzenten Johan Jämtberg. Mit dessen Komposition "Over And Over" trat er 2011 zum zweiten Mal an. Bei diesem Auftritt begleiteten ihn seine Brüder Kevin Paul und Christian als Gitarristen und seine Jugendfreundin Rebecca Spiteri am Schlagzeug. Gemeinsam freute man sich über den dritten Platz.

Beim dritten Anlauf 2012 schlug dann die große Stunde für Team Calleja. Als zweiter Produzent neben Jämtberg war noch Mikael Gunnerås hinzugestoßen. Kurt Callejas Band wurde zudem von der Backgrundsängerin Ylenia Vella und dem DJ Warren Bonello verstärkt. Eine verschworene Gemeinschaft fuhr nach Baku, aber für die Up-Tempo-Nummer "This Is the Night" fanden sich in Europa einfach nicht genug Televoter und Juroren, um den 26. Mai 2012 zu ihrer Nacht zu machen. Calleja & Co mussten sich mit Rang 21 zufrieden geben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 26.05.2012 | 21:00 Uhr

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