Stefan Filipovic aus Montenegro © NDR Foto: Rolf Klatt
Stand: 24.04.08 10:37 Uhr

Montenegro: Stefan Filipović

Einen Tag nach dem Überraschungssieg von Lordi in Athen, am 21. Mai 2006, war die Bevölkerung von Montenegro zu einer historischen Abstimmung aufgerufen: Mit knapper Mehrheit stimmte sie damals für die Unabhängigkeit von Serbien. Und das bedeutet für den ESC: Ein weiterer Künstler vom Balkan findet sich im Teilnehmerfeld. Zwei Jahre später findet der 53. Eurovision Song Contest dank Marija Šerifovic, der serbischen Siegerin von Helsinki, in Belgrad statt, und die Montenegriner schicken mit Stefan Filipović ihren eigenen Kandidaten ins Rennen. Keine leichte Aufgabe für den 21-Jährigen, denn sein Rocksong "Zauvijek Volim Te" - auf Deutsch "Ich liebe dich für immer" - war am 20. Mai im ersten Halbfinale der Eröffnungssong des Wettbewerbs.

Skandalöse Vorgeschichte

Stefan Filipovic tritt für Montenegro zum ESC 2008 an.

Stefan Filipovic tritt für Montenegro zum ESC 2008 an.

Es war in diesem Jahr bereits der dritte Versuch für Stefan Filipović, sich das begehrte Grand Prix Ticket zu sichern. Der Student der Musikakademie von Cetinje verpasste im vergangenen Jahr beim Vorentscheid "MontenegroSong 2007" nur knapp als Zweiter hinter Stevan Faddy den Sieg. Als Serbien und Montenegro noch eine gemeinsame Qualifikation ausrichteten, landete 2006 sein Titel "Za nju" auf dem vierten Rang. Aber selbst ein Sieg wäre bedeutungslos gewesen: Damals ging die Gruppe No Name aus dem Vorentschied "Europjesma - Evropesma" zum zweiten Mal als Gewinner hervor und zum zweiten Mal kam es zum Skandal. Die montenegrinischen Punktrichter hatten die favorisierten serbischen Kandidaten geschlossen mit null Zählern bedacht, während die serbischen Jurymitglieder durchaus ausgewogen geurteilt hatten. Konnte 2005 der Streit zwischen den beiden Parteien noch beigelegt werden, zog sich das ehemalige Serbien-Montenegro 2006 kurzfristig vom Contest zurück.

Favoritensieg

Die Karriere von Stefan Filipović, der am 18. Januar 1987 in Montenegros Hauptstadt Podgorica zur Welt kam, begann bereits im Kindesalter. Der Sänger nahm an unzähligen Festivals teil, aber obwohl dabei einige Siege heraussprangen, gönnte er sich als Teenager eine künstlerische Pause. Erst 2006 meldete er sich mit dem Sonderpreis "Bester neuer Künstler" beim prestigeträchtigen Budva Musikfestival zurück - dort gewann 2004 keine geringere als Marija Šerifovic. 2007 hieß der Sieger bei der 14. Ausgabe des Wettbewerbs schließlich Stefan Filipović.

Mit diesen Lorbeeren ausgestattet und als Zweiter des Vorjahres ging Filipović am 27. Januar beim Vorentscheid "MontenegroSong 2008" als haushoher Favorit an den Start. Und die Televoter enttäuschten ihn nicht: Seine fünf Konkurrenten waren bei der Abstimmung, bei der nur der Kandidat und nicht der Song zur Wahl standen, absolut chancenlos. Seinen Beitragstitel  "Zauvijek Volim Te" verdankt Stefan Filipović dem Urteil einer Expertenjury. Die Juroren des montenegrinischen Fernsehens berieten sich hinter verschlossenen Türen und entschieden sich für eine rockige Nummer - obwohl Stevan Faddy in Helsinki mit dem gitarrenlastigen Stück "Ajde kroci" bereits nach dem Halbfinale die Koffer packen musste. Montenegrinischer Balkan-Rock und die Startnummer eins im ersten Halbfinale - die Aussichten schienen nicht besonders rosig. Und tatsächlich verpasste Montenegro mit Stefan Filipović die erste Finalteilnahme am ESC.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 24.05.2008 | 21:00 Uhr