Alexey Vorobyov für Russland bei den Proben am 01.05.2011 © EBU Foto: Alain Douit
Stand: 15.05.11 03:20 Uhr

Russland: Alexey Vorobyov

von Patricia Batlle

Lange hat Russland sich mit der Wahl seines Kandidaten bedeckt gehalten. Der staatliche Sender Channel One Russia gab erst im März bekannt, wen er nach Düsseldorf schickt: Alexey Vorobyov. Nicht ohne Kalkül setzte der Sender seine Hoffnungen auf einen jungen Mann, der in Russland bereits bekannt ist, da es nach 14 Teilnahmen des ehemaligen Sowjetstaates beim Eurovision Song Contest 2008 ein national erfolgreicher Sänger war, der die ESC-Krone nach Moskau holte: Dima Bilan mit dem Titel "Believe". Bilan hatte zwei Jahre zuvor in Athen den fantastischen zweiten Platz erreicht. An diesen Erfolg konnte der diesjährige Teilnehmer Alexej Vorobyov nicht anknüpfen. Sein Titel "Get You" hat Europa nicht überzeugt und landete auf Platz 16.

Alexey Vorobyov für Russland im Finale des Eurovision Song Contests 2011 in der Düsseldorf-Arena © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Russland: Alexey Vorobyov - Get You

Für Russland sang Alexey Vorobyov den Titel "Get You" im Finale des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf.

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Lady Gagas Hauskomponist schreibt "Get You"

Alexej Vorobyov ergatterte 2008 und 2009 gute Platzierungen bei den nationalen Vorentscheiden, aber eben nicht das Ticket zur internationalen Teilnahme. Statt eines dritten Anlaufs im Vorentscheid wurde der am 19. Januar 1988 in Tula geborene Sänger intern bestimmt.

Den Song lieferte der international renommierte Künstler RedOne, bekannt als Hauskomponist von Lady Gaga. Der Marokkaner hat bereits für Stars wie Enrique Iglesias und Jennifer Lopez sowie für die New Kids on the Block und die Backstreet Boys Hits geschrieben. Er wuchs mit dem bürgerlichen Namen Nadir Khayat als jüngstes von neun Kindern in Marokko auf und gelangte als großer Fan der Rockmusik der Superstars Europe nach Schweden, wo er die nächsten Jahre lebte. Aktuell wohnt der Komponist und Produzent in Los Angeles.

Vorobyov: Erfolgreicher Volksmusikant

Selbst geübt im Songschreiben und Texten - es gibt mehr als ein Dutzend Singles des Künstlers - hat Alexey Vorobyov bei der endgültigen Fassung seines englischsprachigen Uptempo-Songs "Get You" mit Hand angelegt. Ein Lied, das vor Achtzigerjahreklängen à la Level 42 nur so strotzt. Ursprünglich wollte der Künstler zwar Profifußballer werden, weil er lange Jahre erfolgreich im Verein in Tula spielte. Als er jedoch als gelernter Akkordeonist zahlreiche Volksmusikwettbewerbe des Landes mit seiner Band "Uslada" gewann, entschied er sich endgültig gegen den Sport.

Vom Fast-Fußballprofi zum Fast-Stuntman

Von seinem sportlichen Elan profitierte die Bühnenshow in Düsseldorf - er tanzte gekonnt seine ambitionierte Choreographie bei beiden Auftritten im Halbfinale und Finale. Auch seiner nicht mehr jungen Schauspielkarriere nützte die sportliche Vorbildung. An rund zwölf actionlastigen Spielfilmen hat das Multitalent mitgewirkt und macht seine Stunts immer selbst. So springt er furchtlos aus dem 17. Stock oder aus dem brennenden Auto. An der Fernsehshow "Ice and Fire" gab er 2010 im Paarlauf mit der ehemaligen Weltmeisterin Tatyana Navka eine gute Figur ab - trotz gebrochenen Arms und lädierten Knies.

Erfolg über MTV-Soap

Begonnen hatte alles in der MTV-Soap "Dreams of Alice", in der Vorobyov in der Hauptrolle einen jungen Studenten namens Alex spielte, der sein Glück im Musikbusiness versucht. Eine recht autobiografische Geschichte, die sich über drei Staffeln erstreckte. Im wahren Leben zog Vorobyov 2005 mit 16 Jahren von Tula nach Moskau, nahm an der russischen Ausgabe von "X-Factor" teil und erkämpfte sich eine tolle Platzierung. Dafür erhielt er 2007 den MTV Russian Music Award "Discovery of the Year". Prompt nahm ihn die russische Universal unter Vertrag. 2008 beendete der Sänger, der sich landesweit für Aids-Aufklärung einsetzt, seine musikalische Ausbildung am Jazz College der russischen Hauptstadt und begann ein Schauspielstudium am renommierten Tschechow-Kunsttheater Moskau, jenem legendären Theater, wo unter anderem Anton Tschechows "Die Möwe" uraufgeführt wurde.

Alexey Vorobyov hatte in Düsseldorf keine Schwierigkeiten, das Halbfinale zu überstehen. Mit seinem eingängigen Song, der LED-glitzernden Bühnenshow und seinem charismatischen Lächeln konnte er das europäische Publikum überzeugen. Im Finale trug ihm das Rang 16 ein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2011 | 21:00 Uhr