Vanilla Ninja vertraten die Schweiz beim ESC 2005 © NDR Foto: Klatt

Schweiz: Vanilla Ninja

Nach der Schmach des letzten Platzes im Halbfinale 2004 wollte man in der Schweiz in diesem Jahr offenbar auf Nummer Sicher gehen, und so verpflichteten die Unterhaltungschefs der verantwortlichen schweizerischen Fernsehanstalten das Quartett Vanilla Ninja. Die jungen Frauen sind europaweit bekannt, ihre Hit-Single "Tough Enough" hielt sich in Deutschland lange in den Charts. Doch in der Schweiz regte sich heftiger Widerstand gegen die Nominierung der Band. Der Grund: Vanilla Ninja stammen aus Estland, sie leben in Deutschland und singen auf Englisch. Den Bezug zur Schweiz konstruierte man über ihren Produzenten. David Brandes, der unter anderem Chris Norman, Wolfgang Petry und Gracia produzierte, wurde in Basel geboren und ging in der Schweiz zur Schule. Dass er dennoch die deutsche Staatsangehörigkeit hat, erwähnten die Verantwortlichen nicht.

Vanilla Ninja treten für die Schweiz an © NDR Foto: Rolf Klatt

Die schweizerische Musikszene zeigte sich empört über die Entscheidung. Die Wahl einer estnischen Band sei ein Schlag ins Gesicht aller schweizerischen Musiker, schrieb die Boulevard-Zeitung "Blick". In der Redaktion des Blattes gingen zahlreiche empörte Leserbriefe ein, in den Internetforen wurde leidenschaftlich diskutiert. Florian Kohler, verantwortlicher Redakteur beim Fernsehsender DRS, versuchte die aufgebrachten Gemüter zu besänftigen. "Die wirklich erfolgreichen Künstler haben sich nicht beworben, und damit waren Vanilla Ninja die mit Abstand vielversprechendste Bewerbung." Es folgte ein Hinweis auf Céline Dion, die als Kanadierin den Eurovision Song Contest 1988 für die Schweiz gewann. Damit war der Streit beigelegt, und die Nation freundete sich langsam mit Vanilla Ninja an.

Die vier jungen Frauen, namentlich Lenna, Katrin, Piret und Triinu, wuchsen in der estnischen Hauptstadt Tallin auf. Seit ihrer Kindheit musizierten sie im Kirchenchor, an der Geige, am Saxophon oder am Klavier, nahmen an Talentwettbewerben teil und traten beim estnischen Vorentscheid 2003 an.

In Kiew traten Vanilla Ninja mit dem Titel "Cool Vibes" an. Auch bei dieser Entscheidung hatte die Schweizer Öffentlichkeit im Vorfeld kein Mitspracherecht gehabt. Mit der Rock-Ballade konnte die Girlband in Kiew zwar nicht Céline Dions Erfolg für die Schweiz wiederholen. Mit ihrer professionellen Show und einem eingängigen Titel landeten die jungen Estinnen aber immerhin im oberen Mittelfeld und ersangen sich sowohl im Halbfinale als auch im Finale einen achten Platz.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 21.05.2005 | 21:00 Uhr

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