Stand: 28.01.09 17:00 Uhr

Mary Roos: "Ich verfolge nach wie vor den ESC"

von Matthias Stelte

Sie ist seit 50 Jahren erfolgreich im Musikgeschäft - das gelingt nur wenigen Künstlern. Mary Roos erfreut mit ihrer unverwechselbaren Stimme ihre Fans auch heute noch. Zwei Mal vertrat die Wahl-Hamburgerin Deutschland beim Eurovision Song Contest: Im Interview mit eurovision.de vom 28. Januar 2009 erinnert sie sich an ihre Erlebnisse.

eurovision.de: Frau Roos, sie sind vor wenigen Tagen 60 Jahre alt geworden, seit 50 Jahren stehen sie auf der Bühne. Denken sie manchmal darüber nach sich zurückziehen?

Mary Roos beim Grand-Prix-Vorentscheid 2006 © NDR Foto: Uwe Ernst

Mary Roos: Nein, warum? Ich habe nach wie vor viel Spaß daran, auf der Bühne zu stehen. Auch in diesem Jahr habe ich noch viele Fernsehauftritte und Konzerte in der ganzen Republik. Ich freue mich darauf! Und in wenigen Wochen erscheint mein neuestes Album.

eurovision.de: Schauen wir einmal kurz in die Vergangenheit. Insgesamt haben sie ja fünf Mal am deutschen Grand Prix Vorentscheid teilgenommen und zwei Mal am internationalen Finale. Wie wichtig waren die Grand-Prix-Teilnahmen für ihre Karriere?

Roos: Die waren schon sehr wichtig für mich. Damals war es ja auch so, dass die drei Erstplatzierten von den teilnehmenden Ländern eingeladen wurden und man reiste durch die Länder und stellte sein Lied vor. Die Lieder wurden gespielt und gerieten nicht wie heute oftmals gleich wieder in Vergessenheit.

eurovision.de: Was ist ihre stärkste Grand-Prix-Erinnerung? 

Roos: Ich denke sehr gern an meine erste Teilnahme 1972 in Edinburgh. Wir waren alle eine große Familie. Alle Künstler wohnten im gleichen Hotel und ich erinnere mich, wie wir abends im Hotelflur gemeinsam Musik gemacht haben. Daran denke ich gerne zurück.

eurovision.de: Kommt es heute noch oft vor, dass sie Leute oder Fans auf ihre Grand-Prix-Lieder ansprechen?

Roos: Ja, natürlich kommt das vor, viele Fans möchten sie hören. Ich singe beide Lieder nach wie vor sehr gern - es sind ja zwei wunderschöne Songs.

Mary Roos beim Grand Prix d'Eurovision 1972

eurovision.de: Der Grand Prix hat sich seit ihrem Auftritt 1972 bis heute stark verändert. Wie sehen sie den Wettbewerb heute?

Roos: Heute steht die gesamte Show im Mittelpunkt. Bei meinem ersten Auftritt 1972 gab es noch ein Orchester, man musste auf die Bühne und singen. Vor allem das Lied stand viel mehr im Mittelpunkt. Heute wird Halbplayback gespielt, es gibt Tänzer auf der Bühne, Trickkleider - man muss sich irgendwie abheben von der Masse und eine Show machen. Das war früher anders. Ich finde es nur schade, dass die Lieder so schnell in Vergessenheit geraten - ich weiß gar nicht mehr, wer im letzten Jahr gewonnen hat.

eurovision.de: Und schalten sie heute ab?

Roos: Ich verfolge auch nach wie vor den Eurovision Song Contest. Der wird ja jedes Jahr eher länger als besser. Dabei finde ich es sehr wichtig, dass Liedgut ausgewählt wird, das tauglich ist und auch nach dem Wettbewerb weitergespielt wird. Darauf sollte stärker geachtet werden.

eurovision.de: In den 1970er-Jahren haben sie auch in Frankreich Karriere gemacht. Wie kam es dazu, dass eine deutsche Schlagersängerin in Frankreich für ausverkaufte Hallen sorgte?

Roos: Meine Plattenfirma hat mich gefragt ob ich nicht Lust hätte, ein Musical in Frankreich zu singen. Es hieß "Un enfant dans la ville". Ich habe ja gesagt, obwohl ich noch gar kein französisch sprach. Ich habe mir meinen Text in Lautschrift aufgeschrieben und dann auswendig gelernt. Insgesamt habe ich dann fünf Alben in Frankreich herausgebracht. Derzeit plane ich auch einer CD mit meinen alten französischen Liedern.

eurovision.de: 1976 hatten sie einen Gastauftritt in der Muppet Show. Wie ist es dazu gekommen? 

Roos: Die Show wurde ja anfangs in New York gedreht und dann in London. Ich sollte in London in der Show auftreten. Dann rief mich Jim Henson an und wollte mit mir essen gehen. Er sagte: "Ich kannte sie ja gar nicht. Ich würde gerne einen Sketch umschreiben und sie dort mitspielen lassen". Dann schrieb er den Sketch um und in der Nacht musste ich den neuen Text schnell lernen, am nächsten Tag wurde gedreht. Es wurde live gedreht und ich habe live gesungen.

Aber das war einfach, denn die Szene hat sich aus dem Gespräch mit den Puppen ergeben. Man spielt eher mit den Puppen als dass man lange überlegt, was man zu sagen hat. Die Muppet-Show war ein organisiertes Chaos - und es hat sehr viel Spaß gemacht, dort mitzuspielen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 05.05.1984 | 21:00 Uhr