Conchita Wurst singt auf der großen ESC-Bühne. © NDR/Rolf Klatt Fotograf: Rolf Klatt

Conchita: Siegreiche Diva mit Bart

Der Song, mit dem Conchita Wurst in Kopenhagen antritt, heißt: "Rise Like A Phoenix". Und der Titel ist Programm: Mit divenhafter Geste präsentiert die Sängerin am Finalabend die pompöse Ballade und unterstreicht so den Versuch, beim ESC auch international aus dem Nichts in den Pop-Olymp aufzusteigen. Es gelingt ihr. Conchita Wurst gewinnt den 59. Song Contest mit 290 Punkten. Der Titel "Erste Frau mit Bart beim Eurovision Song Contest" war ihr zuvor schon sicher.

Österreich: Conchita Wurst © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Österreich/Conchita Wurst: "Rise Like A Phoenix"

Eurovision Song Contest -

Beim 59. Eurovision Song Contest in Kopenhagen ging die Österreicherin mit ihrem Song "Rise Like A Phoenix" ins Rennen. Ihr Auftritt aus dem Finale im Video.

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Sexy Kleider, Gala-Frisur und High Heels: Alles typisch Frau, wenn da nicht der dichte, schwarze Vollbart wäre. Mit diesem provokanten Mix aus männlich und weiblich zieht Conchita Wurst die Blicke auf sich - mit voller Absicht natürlich. Denn weder Name noch Aussehen sind ein schwerer Schicksalsschlag, sondern frei gewählt. Im privaten Leben heißt die Sängerin Thomas Neuwirth. Als solcher tritt er bei der ORF-Castingshow "Starmania" 2007 zum ersten Mal auf die große Showbühne und erreicht den zweiten Platz. Vier Jahre später sorgt der 1988 geborene Österreicher dann richtig für Furore, jetzt als Conchita Wurst. In der ORF-Talentshow "Die große Chance" erreicht die Diva mit Haaren im Gesicht zwar nur den sechsten Platz, doch die spektakuläre Erscheinung macht den Mann, der schon als kleiner Junge gerne Mädchenkleider trug, in ganz Österreich bekannt.

Für Toleranz und Freiheit

Das Spiel mit den Geschlechtern wird ab sofort zum Markenzeichen. "Eigentlich ist es Wurst, wie man aussieht und woher man kommt. Einzig und allein der Mensch zählt", erklärt Conchita Wurst die Bedeutung ihres Nachnamens. Die Travestiekünstlerin will nicht nur musikalisch durchstarten, sondern setzt sich mit jedem Auftritt auch für Toleranz ein. Ihr Engagement ist persönlich motiviert. Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst hatte eine sehr schwere Zeit als schwuler Jugendlicher auf dem Lande. Mit der schillernden Kunstfigur setzt er ein Zeichen für die Freiheit jedes Einzelnen.

News

Conchitas Weg zur ESC-Kaiserin

Nominierung ohne Vorentscheid

2012 tritt Wurst beim österreichischen Vorentscheid für den ESC in Baku an. Mit großer Pose schmettert sie den Song "That’s What I Am" und verpasst als Zweite hinter den Trackshittaz nur knapp das Ticket nach Aserbaidschan. Doch ihr Auftritt macht Eindruck: Im September 2013 gibt der Österreichische Rundfunk bekannt, dass Conchita Wurst die Nation beim ESC 2014 vertreten wird - ganz ohne Vorentscheid. Das Lied kennt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Die Nominierung polarisiert. Im Internet formiert sich eine Protestgemeinde, die mit teils niederträchtigen und schwulenfeindlichen Beleidigungen reagiert. Für die Sängerin heißt das: Jetzt erst recht! Mit Unterstützung ihrer großen Fangemeinde will sie der Intoleranz die Stirn bieten.

Erste ESC-Frau mit Vollbart

Einen derart provokanten Act nach Kopenhagen zu schicken, ist natürlich eine Entscheidung mit Kalkül, denn eins ist sicher: Der pikante Geschlechtermix ist für die Journalisten ein gefundenes Fressen und Conchita Wurst in Kopenhagen in aller Munde. Zudem verspricht ein Auftritt von Männern in Frauenkleidern Erfolg: Die Sänger der slowenischen Gruppe Sestre im sexy Stewardessen-Outfit landen 2002 in Tallinn auf Platz 13 und 2007 in Helsinki schafft es die ukrainische Wuchtbrumme Verka Serduchka alias Andrej Danilko im verrückten Sternendress bis auf den zweiten Platz. Den größten Erfolg verzeichnet jedoch nach wie vor Dana International, die 1998 in Birmingham den Sieg für Israel holt, obwohl die Transsexuelle streng genommen gar nicht zur Kategorie "Männer in Frauenkleidern" gehört. Die Dragqueen Conchita Wurst hingegen schon. Als bizarre Kreuzung aus Kim Kardashian und Harald Glööckler setzt sie mit ihrem haarigen Diven-Look noch einen drauf und kommt außerordentlich gut an in Kopenhagen: sie holt die ESC-Krone.

Und auch nach ihrem Sieg ist die außergewöhnliche Sängerin gut im Geschäft. Sie arbeitet an einem neuen Album, bringt ihre Biografie "Ich, Conchita" raus und ist auch sonst viel unterwegs. Beim deutschen Vorentscheid 2015 in Hannover begeistert sie mit ihrem neuen Song "You Are Unstoppable". Und noch etwas ist neu: Die Sängerin trennt sich von einem Teil ihres Künstlernamens. Sie will nun nicht mehr Wurst heißen und nennt sich ab sofort nur noch Conchita.

Conchita Wurst

Bürgerlicher Name: Thomas Neuwirth
Geburtstag: 6.11.1988
Geburtsort: Gmunden
Land: Österreich
Sternzeichen: Skorpion
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Auszeichnungen

  • 2014: Ehrenbürgerschaft (Bad Mitterndorf)
  • 2015: Amadeus-Awards: Künstlerin des Jahres, Song des Jahres ("Rise Like a Phoenix"), Video des Jahres ("Heroes")
  • 2015: Romy für den "TV-Moment des Jahres"
  • 2015: Jean-Claude-Letist-Preis der Kölner Aids-Hilfe

Kopenhagen 2014

Stand: 10.03.15 11:48 Uhr