Stand: 12.05.13 21:30 Uhr

Warum Cascada nicht gut finden?

von Ivor Lyttle
Ivor Little in Malmö © Ivor Lyttle

Der in Deutschland lebende Ire Ivor Lyttle gibt seit 18 Jahren das Fanmagazin "Euro Song News" heraus.

Überall in Europa werden die Chancen von Cascada höher, besser, stärker eingeschätzt als in Deutschland. Ich als Ire, der seit vielen Jahren in Bremen lebt und arbeitet, empfinde das zunächst als eine Art "Prophet im eigenen Land"-Syndrom. Was man in Deutschland nicht wissen will: Cascada gilt neben Bonnie Tyler als der kommerziell erfolgreichste Act dieses ESC-Jahres. Sogar die populäre englische Illustrierte "OK Magazine" wird Natalie Horler mehr Zeilen in seinem Eurovisions-Photo-Special widmen als der eigenen Kandidatin Bonnie Tyler.

Natalie Horler ist ein gutes Aushängeschild für Deutschland

Ivor Lyttle

Ivor Lyttle, Jahrgang 1960, lebt in Bremen, kommt aus dem nordirischen Larne und ist beim Eurovision Song Contest für die Beratung der Kommentatoren zuständig. Lyttle gibt jährlich seit 18 Jahren die "EuroSong News", das Zentralorgan der europäischen Fanclubs des ESC, heraus. Seine drei Lieblingstitel sind: "Why Me?" von Linda Martin, "I treni di Tozeur" von Alice & Franco Battiato sowie "Aufrecht geh'n" von Mary Roos. In diesem Jahr hofft er auf ein gutes Abschneiden von Irland und Deutschland, tippt jedoch auf die Niederlande.

Auch die blödsinnige Diskussion mit den Plagiatsvorwürfen wurde nur in Deutschland warm- und damit hochgehalten. Ist das ein Schlechtreden der eigenen Vertreter? Ist es wieder wie früher, als es in Deutschland als unvorteilhaft galt, zum ESC zu gehen? Die schwedische ESC-Kommentatorin hat mir gestern gesagt, sie findet nicht, dass "Glorious" an "Euphoria" erinnert. Im Ausland ist die Reaktion auf die Nachricht, dass Cascada für Deutschland am Start ist, meist diese: "Wow - die treten an?". Es wird oft vergessen, was für eine Hammer-Sängerin und - im allerbesten Sinne - Bühnensau Natalie Horler ist. Auch in der Zeit der Integrations-Diskussion ist sie als Vertreterin für Deutschland ein gutes Aushängeschild. Eine in Deutschland geborene Engländerin, die Deutsch wie eine Rheinländerin und Englisch wie eine Eingeborene der Gegend unterhalb von London spricht. Ich kann nur vermuten, dass Cascada in Deutschland eher in den Dancehalls der Vorstädte, nicht in den coolsten Clubs populär ist. Nicht in den Zeitungen, die über Pop nur dann berichten, wenn er aus dem Underground kommt.

Cascada: Popmusik auf hohem Niveau

Natalie Horler ist beliebt, das ist nicht nur meine Annahme, das ist Tatsache. Hätte sie sonst das Televoting beim Vorentscheid in Hannover gewonnen? Ich muss neutral bleiben als Publizist und Berater der Kommentatoren hier in Malmö. Aber Cascada - das ist schon eine andere, höhere Liga.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr