Stand: 30.04.11 16:00 Uhr

Insider-Tour durch die Altstadt

von Bernd Dicks
Rundgang durch die Düsseldorfer Altstadt © NDR

Der Ur-Düsseldorfer und Kabarettist Manes Meckenstock rubbelt an der Nase des Löwen am Stadtgründungsdenkmal.

An der Altstadt kommt eigentlich kein Düsseldorf-Besucher vorbei. Es lohnt sich allerdings zwischen den Besuchen an der "längsten Theke der Welt" auch mal mit halbwegs klarem Kopf durch die schmalen Straßen im Stadtzentrum zu gehen, denn es gibt viele Details und witzige Geschichten zu entdecken, die man anschließend bei einem Altbier seinen Freunden erzählen kann.

Experte für die Düsseldorfer "Dönekes" (Geschichten) ist unbestritten der Kabarettist und Düsseldorfer Urgestein in achter Generation, Manes Meckenstock. Bei seinen monatlichen Altstadtrundgängen unter dem Motto "Dorfschönheiten" präsentiert er sehr direkt, persönlich und immer witzig die wichtigsten und unnützesten Dinge, die man als Altstadt-Besucher wissen sollte.

Los geht's!

Die kleine Altstadt-Tour kann man ruhig an einem für ESC-Fans vertrauten Ort starten, dem Euroclub, bzw. Quartier Bohème auf der Ratinger Straße. Wer dort nach einer ordentlichen Partynacht aus dem Euroclub fällt und links in Richtung Rhein torkelt, darf sich eigentlich in guter Gesellschaft wissen. Denn die nur rund 350 Meter lange Straße zwischen Heinrich-Heine-Allee und Straße Altestadt ist schon seit dem 14. Jahrhundert für Lust und Völlerei bekannt.

Rundgang durch die Düsseldorfer Altstadt © NDR

Das traditionelle Türschild vor der Kneipe "Zum Goldenen Einhorn" auf der Ratinger Straße.

Viele Kneipen haben ihre für die damalige Zeit üblichen Tiernamen behalten, wie zum Beispiel die "Brauerei im Füchschen" oder die Gaststätten "Zum goldene Einhorn" und "Zur Uel" (Zur Eule). Warum Tiernamen? Für Altstadt-Experte Meckenstock eine klare Sache: Die Analphabetenquote war damals so hoch, dass die Wirte in der Regel Tierzeichen als Aushängeschild nutzten. Und so hängen auch noch heute Einhorn, Fuchs und Eule über den Türen der Kneipen.

Zwischen Puff und Punk

Und wenn man schon mal mit dem Blick über die Fassaden schweift, dürfte einem der Schriftzug über der Kneipe "Zum Goldenen Einhorn" sofort ins Auge stechen. Er ist der Beweis, dass auch schon früher das älteste Gewerbe der Welt sich gerne dort niederließ, wo Bier und Wein in Strömen floss. Mit der "Jode Seel" (gute Seele) wird nämlich einer wohltätigen Puffmutter gedacht, die einen Großteil ihrer Einnahmen zugunsten von Waisenkindern weitergab. Das Etablissement soll übrigens noch bis in die 70er-Jahre an gleicher Stelle geöffnet gewesen sein, erklärt Meckenstock.

Rundgang durch die Düsseldorfer Altstadt © NDR

Dankesschriftzug auf Plattdeutsch an "Die gute Seele Adele Schmitz" über der Kneipe "zum Goldenen Einhorn".

Wenige Meter weiter findet man das "Stone", auch "Ratinger Hof" genannt. Was heute den Charme einer etwas verranzten Diskothek hat, war in den 70er-Jahren eine der Wiegen des Punk. Im "Ratinger Hof" haben unter anderem Die Toten Hosen oder Marius Müller-Westernhagen regelmäßig Konzerte gegeben. Heute ist das "Stone" mittwochs, freitags und samstags aber immer noch ein beliebter Treffpunkt für Fans von Rock, Punk und ein bisschen Elvis.

Stucksteuer und Knochen-Tourismus

Aber zurück zu den Fassaden in der Altstadt. Manes Meckenstock weist gerne auf die heute noch erhaltenen Häuser aus der Gründerzeit Düsseldorfs hin. Die recht schlichten Bauwerke sollen früher viel pompöser gewesen sein, doch eine von Fürsten auferlegte Stucksteuer hat laut Meckenstock dafür gesorgt, dass die Hausbesitzer sämtliche Schnörkeleien wieder von den Fassaden klopften.

Eine gleichzeitig erhobene Torsteuer sorgte offenbar dafür, dass viele Hof- und Hauseingänge auf ein Minimum reduziert wurden, um möglichst kleine Steuerbeträge zahlen zu müssen. Beweise findet man in der Altstadt reichlich. Man darf sich an dieser Stelle aber ruhig fragen, was aus Düsseldorf geworden wäre, wenn es in den letzten Jahrzehnten eine Luxus-, Pelz- oder Kragen-Steuer gegeben hätte.

Besonders Wissbegierige sollten mal auf dem Weg von der Straße Altestadt zum Burgplatz den Begriff "Knochen-Tourismus" auf ihrem Smartphone googlen, um herauszufinden, warum in der Lambertuskirche Gebeine des Heiligen Apolinaris aufbewahrt werden und auf welch unorthodoxe Art sie dort hinkamen.

Der verzogene Kirchturm hat jedenfalls nichts damit zu tun, denn der soll laut Überlieferung nach einem Brand mit nassem Holz wieder aufgebaut worden sein und so seine sehenswert verdrehte Form bekommen haben. Alle Bemühungen den Turm wieder gerade zu bekommen seien gescheitert, erzählt Meckenstock "es heißt, dass erst eine Jungfrau in der Kirche heiraten müsse". Und das könne in der Rheinmetropole mit reichlich Schützen- und Karnevalstraditionen durchaus "eine Herausforderung" sein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2011 | 21:00 Uhr