Stand: 14.10.15 14:44 Uhr

Congratulations, Cliff!

Cliff Richard beim Grand Prix 1968  Foto: UPI

Cliff Richard vertritt Großbritannien 1968 beim Grand Prix und belegt den zweiten Platz.

Wer, wenn nicht er, hätte, zumal vor eigenem Publikum, den 13. Eurovision Song Contest gewinnen sollen? Cliff Richard war, gemessen an der Konkurrenz seines Jahrgangs, die Prominenz schlechthin. Hatte schon Hits platziert, war als softer Beatmusiker mit seinen "Shadows" höchst erfolgreich - und dann wollte er die eurovisionäre Trophäe gewinnen. Es wurde an jenem Abend 1968 der Favoritensturz schlechthin: Cliff wurde trotz frenetischen Beifalls in der Royal Albert Hall von London nur Zweiter, geschlagen mit einem Punkt von der Spanierin Massiel und ihrem "La La La".

Exaltierte Bühnensprache

Diese Tragödie sollte sich fünf Jahren später in Luxemburg wiederholen. Wieder galt der in Indien geborene Brite als stark favorisiert, aber abermals sollte er nicht gewinnen, obwohl seine Bühnenshow - machen Sie mal die Beingymnastik während der drei Minuten zu "Power To All Our Friends", das ist nichts für Ungelenke! - spektakulär, exaltiert und einnehmend war: Gegen "Eres tu" der Mocedades aus Spanien und die Siegerin Anne-Marie David und ihrem "Tu te reconnaîtras" war kein Ankommen. Cliff nur auf dem dritten Rang.

Am Ende hat es ihm nicht geschadet. Cliff hatte die Jahre darauf noch Hits, er zehrte gewiss von den ESCs, die ihn in Abermillionen Haushalte trug und seinen Ruf als freundlichen und familientauglichen Entertainer aus dem beatlastigen United Kingdom festigten.

Cliff hat über den ESC hinaus Evergreens gesungen. "Livin' Doll", "Spanish Harlem" (auf deutsch: "Das ist die Frage aller Fragen"), "We Don't Talk Anymore", "Lucky Lips" und viele, viele mehr. Heute wird er 75 Jahre alt - und wir wünschen ihm herzlichen Glückwunsch.

Ein Gläschen Rotwein auf ihn

Cliff Richard salutiert © dpa - Report Foto: PA Hanson

Cliff Richard wird 75 - ein Prosit!

Möge er ein guter Christ sein, als der er sich seit langem versteht; möge er seine Reisen nach Barbados gesundheitlich weiter gut verkraften - und ebenso, dass man ihm vor einigen Jahren unterstellte (inklusive Hausdurchsuchung), er könne sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Viele britische Künstler eher libertärer Prägung nehmen Cliff übel, dass er so tut, als habe er immer das Leben eines so genannt "eingefleischten Junggesellen" gelebt, ja, sie lästern darüber, dass er ein Parfüm namens "Devil Woman" auf den Markt brachte. Aber wie dem auch sei: Cliff Richard mag privat leben, was er will und auch, wie er es möchte: Für uns, die Öffentlichkeit, bleibt und ist er eine ESC-Legende, der alle den Sieg 1968 gegönnt hätten - oder wenigstens den von 1973. Zwei Lieder, eine Legende: Cliff ist es wert, dass man auf ihn im Stillen heute Abend ein Gläschen Rotwein trinkt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 07.04.1973 | 21:00 Uhr