Kommentar

Stand: 04.04.18 09:34 Uhr

Trauer um schwedische ESC-Teilnehmerin Lill-Babs

Die schwedische Sängerin Lill-Babs lächelt in die Kamera © picture alliance/IBL Schweden Foto: Karin Törnblom / IBL Bildbyrå

Lill-Babs war Schwedens ESC-Kandidatin von 1961. Im Alter von 80 Jahren ist sie gestorben.

In jüngerer Zeit war sie nicht mehr so ganz im Mittelpunkt des schwedischen Showbiz, aus der Erinnerung war sie damit noch längst nicht verschwunden. Lill-Babs, wie Barbro Margareta Svensson liebevoll genannt wurde, musste ohnehin nicht bedauern, weniger zu arbeiten, die meisten Jahre ihres Lebens gehörte sie zu den prominentesten ihres Fachs überhaupt. Dass sie im Alter eher zu Interviews eingeladen wurde, versteht sich von selbst. Sie, die am 9. März 1938 in Järvsö, Mittelschweden, geboren wurde, war, so wird berichtet und so sagte sie es selbst, "geboren, um auf der Bühne zu stehen". Nun ist sie im Alter von 80 Jahren gestorben.

Ein Teenageridol für alle

Mit 15 wurde sie als Sängerin entdeckt, blond und tanzbegabt, außerdem, darauf kam es an, mit einer erfrischenden Stimme ausgerüstet. Ende der 50er-Jahre sang sie schwedische Coverversionen von Titeln wie "Che sera, sera", das im Original von Doris Day stammt, und "Kiss Me Honey Honey Kiss Me". 1960, mit Anfang 20, schaffte sie ihren ersten Nummer-Eins-Hit, das vom späteren Abba-Manager Stikkan Andersson geschriebene "Är du kär i mig ännu, Klas-Göran?", ehe sie, nun ein Teenagerstar des Landes, 1961 für den Eurovision Song Contest nominiert wurde. Den Sieg des Melodifestival des Jahres holten sich zwar Siw Malmkvist und Gunnar Wiklund mit dem Lied "April, April" - aber mit dem Ausflug nach Cannes an die Côte d'Azur wurde Lill-Babs beauftragt. Sie erreichte einen für sie und ihr Publikum nur enttäuschenden 14. Platz - Drittletzte mit zwei Punkten.

Karriere in Deutschland

Lill-Babs beim Grand Prix d'Eurovision 1961

Barbro "Lill-Babs" Svensson war in den 1960er-Jahren auch in Deutschland ein Star.

In den 60er-Jahre kam sie, wie so viele ihrer skandinavischen Kolleginnen wie Siw Malmkvist, Gitta, Wencke Myhre, Ann Louise Hansson, Lill Lindfors oder Anita Lindblom, in die Bundesrepublik, um den hier dringenden Bedarf nach neuen und frischen Stimmen zu befriedigen: Lill-Babs wurde auch hierzulande eine gewisse Zeit ein echter Faktor im Schallplattenverkaufsgewerbe. In den 70er-Jahren war sie wieder auf heimischen Bühnen tätig, spielte in Musicals - und war eine beliebte Frau im schwedischen Fernsehen.

"Herzblatt"-Moderatorin in Schweden

In den frühen Neunzigern machte sie TV-Shows, unter anderem die in Deutschland durch Rudi Carrell bekannte Sendung "Herzblatt", die unter Barbro "Lill-Babs" Svenssons charmanter Moderation "Vem tar vem?" hieß. Sie war einer der beliebtesten Stars in ihrer Heimat, ihre warmherzige, wenig divenhaftige Ausstrahlung mag hierzu eine Menge beigetragen haben. Sie war im besten volkstümlichen Sinne eine populäre Figur, die nicht nur vom konservativen Publikum ihres Landes, sondern auch von den weltgewandten jungen Leuten geliebt wurde.

Lill-Babs ist am Dienstag, wenige Wochen nach ihrem 80. Geburtstag gestorben. Sarah Dawn Finer, Melodifestival-Teilnehmerin von 2007 und 2009 sowie ESC-Comedian in der Rolle der Lynda Woodruff, sagte schwedischen Zeitungen gegenüber zum Tod ihrer Kollegin: "Tack för den du var och för det du gav. Det fanns ingen som du" - "danke für das, was du warst und was du uns gabst. Es gab niemanden wie dich". Sie war eine Große, sie ruhe in Frieden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 28.04.2018 | 19:05 Uhr