Stand: 15.07.15 12:20 Uhr

Eurovision Weekend: Deutsch-dänisches Fantreffen in Berlin

Ann Sophie probt auf der ESC Bühne in Wien. © Rolf Klatt / NDR Foto: Rolf Klatt

Hat in Berlin nicht nur ihren ESC-Song "Black Smoke" im Gepäck: Ann Sophie.

Der ESC findet ja seit vielen Jahren immer im Mai statt - und die Treffen der Fanclubs stets im Herbst, gelegentlich auch im Frühjahr vor den Vorentscheidungen. Das hilft, die Zeit zwischen den Vorentscheidungen, den Semis und dem Finale zu überbrücken. Dass der leidenschaftliche ESC-Fan jedoch auch im Sommer ein europäisches Get-together gern hätte, erkannten vor drei Jahren Berliner Fans - und riefen das Eurovision Weekend in der deutschen Hauptstadt Berlin ins Leben. Viele sind an dem Projekt beteiligt, Frank Lochthove ganz besonders stark.

Am Wochenende ist es wieder soweit: Freitag fängt das Programm an mit Karaoke, Sonntag geht das Wochenende mit einem Brunch im Berliner Sonntagsclub e.V. zu Ende - und dazwischen, auf dem "Pfefferberg" an der Nahtstelle zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, findet die Gala statt.

Drei Stargäste bei der Gala

Dieses Jahr gibt es drei Stargäste - und an denen merkt man, wie sehr sich dieses Eurovision Weekend im europäischen Reigen der Fantreffen etabliert hat, ja sogar in der A-Klasse spielt: Es hat große Klasse. Performen, singen, tanzen und Autogramme geben werden Ann Sophie aus Hamburg, DQ und Kirsten Siggaard aus Dänemark.

DQ singt für Dänemark beim ESC 2007. © NDR Foto: Rolf Klatt

Der Däne Peter Andersen gilt als eine der ersten Dragqueens der ESC-Geschichte.

Dass Ann Sophie zu Gast sein wird, zeigt vor allem, dass sie kämpferisch bleibt, dass sie nicht aufgibt, dass sie nicht resigniert hat nach den Tagen von Wien: Das freut mich besonders. Sie wird aus ihrem gesamten Repertoire vortragen und zeigen, dass sie Ende Mai krass unter Wert punktlos geblieben ist. Und Peter Andersen aus Kopenhagen, der als DQ die "Drama Queen" gibt, war die erste solistische Dragqueen in der ESC-Geschichte - 2007 im Semi von Helsinki auf der Strecke geblieben, aber dank der Fans in Europa immer noch tüchtig als Show-Act unterwegs. DQ gehört zu den heimlichen Erfolgsgeschichten des ESC: Was die Punkte und Ränge anbetrifft, erfolglos, aber bei Millionen Fans in Erinnerung geblieben.

Mein persönlicher Höhepunkt wird allerdings der Auftritt der Dänin Kirsten Siggaard sein. Dreimal trat sie beim ESC an, 1984 ("Det' Lige Det"), 1985 ("Sku' Du Spørg' Fra No'en?") und 1988 ("Ka' Du Se Hva' Jeg Sa'?"), als sie hochschwanger ins Rennen ging. Alle drei Acts - zweimal trat sie unter dem Namen Hot Eyes an, 1988 zusammen mit Søren Bundgaard, waren erfolgreich: ein vierter, ein elfter und ein dritter Platz sprangen heraus.

Dänischer Frohsinn in Berlin

Ich mochte die dänischen Beiträge der 1980er-Jahre immer - sie unterschieden sich etwa von den deutschen durch ihren Optimismus, ihre Fröhlichkeit, ihre Lust am Performen ohne Weltschmerz. Sehr viele andere ESC-Acts, vor allem aus unserem Land, verbreiteten stattdessen eher Melancholie und Traurigkeit.

Siggaard ist nicht mehr sehr viel unterwegs in Dänemark. Sie hat nach ihrer Schlagerkarriere viel Theater gespielt, Edith Piaf auf Dänisch interpretiert, in Revuen geglänzt und gilt heute als Ikone der dänischen Alltagspopkultur der 1980er-Jahre. Leider hat sie inzwischen ihre berühmte Zahnlücke eingebüßt - ich fand immer, dass ihr diese kleine "Macke" viele Punkte eingebracht hat, weil Makellosigkeit doch eher verschreckt als zur Sympathie einlädt.

Es ist sehr schön, dass den Berliner ESC-Fanfest-Veranstaltern gelungen ist, diese drei Künstlerinnen einzuladen - in Kooperation mit dem dänischen Fanclub. Es wird ein Brückenschlag zwischen den frühen 1980er-Jahren bis in die heutige Zeit werden. Eintrittskarten sind noch erhältlich, die besten Plätze nehmen jene ein, die sich zeitig einfinden. Ich wünsche viel Vergnügen und Sommerschwoof!

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr