Stand: 25.11.13 15:06 Uhr

Familiengeneralprobe

Die für den ESC 2014 verantwortliche Produzentin beim dänischen Sender DK, Pernille Gaardbo © DR

“Mit insgesamt neun Shows wird es vielfältige Möglichkeiten geben, den Wettbewerb zu erleben, bei den Parties teilzunehmen und die Shows live zu erleben”, sagt die Produzentin Pernille Gaardbo des dänischen Senders DR.

Eine Kleinigkeit musste noch kommuniziert werden, dann konnten die Eurovisionsverantwortlichen in Kopenhagen den Startschuss des Ticketverkaufs für das kommende Jahr bekannt geben. Aber war es wirklich eine Frage, dass man dem Wunsch zweier Nachbarn Dänemarks nachkommt? Natürlich nicht. Also: Wie in Düsseldorf 2011, als Belgien und die Niederlande durch einen Extrabeschluss für verschiedene Semifinals gesetzt wurden, wird es nun auch 2014 in Kopenhagen sein: Schweden und Norwegen werden nicht in der gleichen Qualifikationsrunde fürs Finale antreten. Die Schweden am Dienstag, 6. Mai, Norwegen zwei Tage darauf, am 8. Mai. Der Grund ist simpel: Man wollte beiden Fanzirkeln und sonstigen Unterstützern nicht zumuten, sich um die doch 2014 eher begrenzte Zahl an Eintrittskarten zu prügeln.

Die ehemalige Werfthalle wird nämlich – im Vergleich mit dem Parken 2001 und der Düsseldorfer Arena 2011 – lächerlich wenigen Menschen Platz zum Zuhören und Zugucken geben: 10.000. Das ist schon für die Refinanzierung der Events schwierig genug. Aber man wollte obendrein auf jeden Fall beide Halbfinals mit voller Hütte bestreiten – was schon deshalb ambitioniert ist, weil ja bei beiden Runden Dänemark nicht mit antritt. Bislang hat kein Gastgeber die Semi zum Status “ausverkauft” gebracht. Könnte sein, dass Kopenhagen es erstmals gelingen wird.

Weil aber, wie erwähnt, die Eintrittsgelder traditionell ein Gros der Erlöse mitbringen sollen, wird es im kommenden Jahr sogar eine weitere Neuerung geben: die “Familiengeneralprobe”. Das ist eine Weiterentwicklung des Vermarktungskonzepts. Und so war es einst: Da gab es eine Show – und gut war’s. Dann, ab 2004 in Istanbul, wurde eine Qualifikationsrunde eingeführt – auch die konnte ans Publikum herangetragen werden. Schließlich wurde  in Oslo auch die abendliche Generalprobe vor dem Finale dem Publikum angeboten: Wenn ich mich recht erinnere, war es ein Kollege von eurovision.de, der dafür den Begriff “Juryfinale” prägte – also für die Show, die die Juries sehen und von der aus sie werten müssen.

Jetzt gibt es eben ein neues Format – die Familiengeneralprobe. Das ist die allerletzte Probe vor dem Ding, was televotingmäßig zählt: also am Nachmittag vor den Semis und vor dem Finale. Das nenne ich kaufmännisch geschickt – und showästhetisch sehr pfiffig. Dass das dänische Fernsehen DR sagt, am Nachmittag, also zur Familienzeit, könnte auch für Kinder eine Karte erworben werden, mag zwar unter etliche Verführungsparagraphen fallen – ist aber erlaubt: Was hätte ich mich zu Kinderzeiten gefreut, wenn ich einen ESC für ein paar Mark hätte in der Halle sehen können. Auch als Vorabpackung, ehe denn das entscheidende Ding läuft.

Es sind also neun Shows, für die es Tickets gibt: Das ist schon einmal die erste fette Neuerung, mit der sich der ESC 2014 in die Geschichtsbücher eingraben wird.

P.S.: Sorry, natürlich waren die bedauernswerten Niederländer und Belgier in Düsseldorf in einem Halbfinale; Belgien scheiterte knapp am Grand Final, die Niederländer nicht. Es war im Gespräch, aus Gründen des Zuschauerinteresses beide Länder in je ein anderes Semi zu setzen. Ich bitte um Verzeihung für diese Missinformation.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr