Stand: 09.02.2017 10:20 Uhr  | Archiv

Feddersens-Kommentar: Wer löst das Ticket nach Kiew?

Helene Nissen, Yosefin Buohler, Axel Maximilian Feige, Levina und  Felicia Lu Kürbiß (von links, Fotomontage). © Brainpool Foto: Steffen Wolff
Helene Nissen, Yosefin Buohler, Axel Maximilian Feige, Levina und Felicia Lu Kürbiß singen um das Ticket nach Kiew.

Fünf junge Menschen proben seit dem Wochenende in den Kölner Brainpool-Studios, um Sieger des deutschen ESC-Vorentscheids zu werden. Vier werden es nicht schaffen, einer oder eine aber fährt Anfang Mai nach Kiew.

Die Aufgabe ist simpel: Bloß nicht Letzter werden. Nicht Deutschland wieder unangenehmen Ruhm in der ESC-Geschichte bescheren, einem Land, das zweimal hintereinander die rote Laterne mit nach Hause nahm.

Alle sind gut, aber wer wird perfekt sein?

Ich darf verraten: Axel Feige, Felicia Lu, Helene Nissen, Levina und Yosefin - alle waren in den Proben mehr oder weniger sehr gut. Ihre Lieder klangen eindrücklich, besser: Man hörte den Willen heraus, dass sie ihre Acts beeindruckend absolvieren werden. Alle sagten auf der Pressekonferenz gestern, dass sie für die erste Runde ein Lied ausgesucht hätten, das viel vom eigenen stimmlichen Vermögen zeige. Lieder von Adele und Robin sind dabei. Kein Wunder: Mit Schmachtfetzen kann man eine gute Figur abgeben.

Aber letztlich kommt es nicht darauf an, dass das televotende Publikum sagt: Oh, da hat jemand aber wirklich alle Noten getroffen und das auch noch furios - für den oder die rufe ich an. So funktioniert kein Musikwettbewerb: Perfektion im vokalen Fach wirkt im Zweifelsfall immer kalt und glatt. Um nur zwei Beispiele zu nennen, bei denen sich leicht erkennen lässt, wie sehr es nicht darauf ankam, makellos gesungen zu haben: Die Olsen Brothers 2000 oder auch Lena 2010 performten super, doch stimmlich war bei beiden nicht alles wirklich lupenrein. Aber machte das etwas, hat das irgendetwas daran geändert, dass sie die Sympathien der Televoter und Juroren erhielten? Eben. Nein, das spielt nämlich nicht jene Rolle, die Musikexperten gern erfüllt sehen: Perfektion bei den Tanzschritten, Modulationssicherheit bei der Textwiedergabe, reinste Tonwiedergabe …

Was das Publikum liebt, sind Figuren auf der Showbühne, die von ihnen entfernt sind und doch als nah fantasiert werden können. Sieger sind solche, die ihr Persönliches zeigen. Dass das auch gespielt sein kann, macht gar nichts: Es kommt auf den Eindruck an. Und über diese Fähigkeit verfügen nicht viele Künstler und Künstlerinnen. Sich vor der Bühnenöffentlichkeit auszuziehen, sozusagen - und Gänsehautmomente zu kreieren.

Gespielt wird auf dem Platz, wo sonst?

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Felicia Lu, Helene Nissen, Isabella Levina, Axel und Yosefin (v.l.n.r., Fotomontage). © Willi Weber/ Brainpool Foto: Willi Weber

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Wer dies heute Abend schaffen kann, ist offen. Damit möchte ich sagen, dass ich es wirklich nicht weiß oder ahne (ich habe zwar auf Axel getippt, aber die Abendform entscheidet). Es gibt unter dem Quintett zwei bis drei, denen ich zutraue, mehr als wunderbar das Mikrofon zu nutzen. Doch das hängt wiederum vom Abend selbst ab: In der Probe muss niemand toll sein, was zählt ist der Abend mit seiner Entscheidungssituation selbst.

Ich schätze, wer die schöne Tortur von drei Runden aushält, wer diese ewige Konkurrenz übersteht, wird siegen: Das Publikum mag es nämlich, wenn jemand mit jedem Auftritt immer besser wird. Mit dem selbstgewählten Coversong, dann mit den Liedern, den zweien, die zur Auswahl stehen.

Erstaunlich, dass diese ESC-Lieder bei jedem oder jeder verschieden klingen. Alles eine Frage des Arrangements. Wer die richtigen Entscheidungen trifft, wird auch in Kiew nichts falsch machen können. In diesem Sinne: 12 Punkte - dem oder der Besten.

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Tim Bendzko, Lena und Florian Silbereisen. © NDR/Sony Music/Christoph Köstlin, NDR/Universal music/privat, ARD/MDR/Thorsten Jander

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 09.02.2017 | 20:15 Uhr

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