Stand: 23.03.16 14:06 Uhr

Ivan will beim ESC nackt unter Wölfen starten

Der weißrussische ESC-Teilnehmer 2016 Ivan © LLC National music corporation

Ivan will Weißrussland beim ESC angeblich im Adamskostüm mit echten Wölfen an seiner Seite beim repräsentieren.

Die Performances der ESC-Künstler haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt - und natürlich auch die Outfits. Traten früher Männer und Frauen in mehr oder weniger gediegener bürgerlicher Abendgarderobe auf, wurde es mit den Jahren immer freizügiger. Die Idee des weißrussischen Kandidaten für Stockholm, Ivan mit Namen, sprengt allerdings alle bislang gekannten Grenzen: Er will nackt auftreten - und er will seine Drei-Minuten-Darbietung mit zwei echten Wölfen anreichern. So berichtet es die Internetplattform "Sputnik Deutschland".

Wörtlich heißt es dort: "Ivans Produzent Wiktor Drobisch zufolge braucht man eine Sondererlaubnis von den schwedischen Organisatoren des Gesangswettbewerbs, um die Wölfe auf der Bühne auftreten lassen zu können. Momentan werde mit der Eurovision-Führung intensiv verhandelt. 'Die Schweden zucken bis jetzt nur mit den Achseln. Ja, Sascha wird absolut nackt auf der Bühne sein. Und ja, es wird Wölfe geben', sagte Drobisch. Laut Drobisch identifiziert sich jeder Mensch mit irgendeinem Tier. 'Manchmal verdrängen wir es in uns, nicht jeder kann dem ins Gesicht sehen. Wir wollen, dass alle diese schmale Grenze zwischen Mensch und Natur spüren', fügte er hinzu."

Immer schon gab es mehr als nur Lieder

Man könnte sagen: Was für ein Quatsch. In Wirklichkeit geht es um Aufmerksamkeit, um die kostbarste Währung aller Entertainmentangebote. Klappern gehört, dieser Logik zufolge, zum Handwerk. Dass das Lied Ivans eher zu den schwächeren gehört, dass diesem Act in den einschlägigen Wettbüros nicht einmal Finalchancen eingeräumt werden, macht die Promotion für den Weißrussen, aus dessen Sicht, umso dringlicher.

Der ESC ist ja ohnehin immer reich an Accessoires auf der Bühne gewesen: Gießkannen, Alphörner oder Schubkarren aus der Schweiz, Eiskunstläufer aus Russland, Folklorekostüme aus Portugal, Norwegen oder Finnland oder Clownspüppchen auf Pianistenhänden wie bei Deutschlands "Theater" mit Katja Ebstein: Alles war erlaubt. Aber Tiere? Und pure Nacktheit? Das Foto von Ivan weist ihn aus als eine Sorte Mann, die ihn in das Fach "engelsgleiche Schönheit" sortiert - aber nackt, nicht einmal mit boxershortähnlichem Höschen, wie neulich beim schwedischen Melodifestival Samir und Viktor? So blank wie nur ganz privat möglich?

EBU sagt eindeutig: Nein

Ivan, Weißrusslands Teilnehmer beim ESC 2016 © LLC National music corporation

Nach der "Nackt-Diskussion" ist die ESC-Gemeinde besonders gespannt auf Ivans Bühnenoutfit in Stockholm.

In Wahrheit wird dies nicht der Fall sein. Dave Goodman, Pressesprecher des ESC bei der EBU, schrieb mir heute morgen: "No animals are allowed on stage at the Eurovision Song Contest. The costume for the Belarussian act is yet to be decided but he will not appear naked." Auf deutsch: Lebendige Tiere auf der ESC-Bühne sind nicht erlaubt. Und die Kostümfrage wird noch geklärt, aber auf jeden Fall wird der Mann nicht nackt auftreten dürfen.

Ich finde die Entscheidung richtig. Okay, kulturelle Konventionen ändern sich. Noch 1996 wirkte die Australierin Gina G. beim ESC in Oslo auf Delegierte aus Ländern wie Kroatien und Malta anstößig: Allzu luftig und freizügig sah das Kostüm der für Großbritannien singenden und tanzenden Frau aus. Aber nackt war sie eben nicht.

Zutreffend kühl sind die Worte aus Genf auch deshalb: Am Ende gäbe es auf der ohnehin schon dauerüberladenen ESC-Bühne noch eine Zoohandlung oder ein Peepshowstudio. Um es mal aus reinem Herzen zu sagen: Am Ende muss es um ein Lied gehen, nicht um ein ästhetisches Nichts, das mit Hilfe von sexualisierten Erwartungen und Schockmomenten aufgedröhnt wird. Ivan, der Weißrusse, wird für manche Zuschauer und Zuschauerinnen auch in knappen Textilien noch eine Verheißung sein.

Gut, dass Ivans Nackt-Idee durch eindeutige Worte kein Leben beschieden ist.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr