Stand: 31.03.15 16:46 Uhr

Die ESC-Festwochen haben begonnen

Emmelie de Forest auf der Bühne beim ESC 2013. © NDR Foto: Rolf Klatt

Viele ESC-Sieger der vergangenen Jahre lassen sich bei der Gala in London blicken - auch Emmelie de Forest.

Für das, was in London gefeiert wird, muss Folgendes vorausgeschickt werden: Am Ende des Entscheidungsprozesses im Führungszirkel des ESC siegte ein Konzept der britischen BBC. Der Sender erhielt den Zuschlag, eine Gala aus Anlass des bald beginnenden 60. Eurovision Song Contests in Wien auszurichten. Heute Abend findet die Show im Londoner Eventim Apollo Theater statt. Das Theater hat einer Fülle von Stars aus dem üblichen Popbusiness eine Bühne gegeben, Kate Bush, Elvis Costello, The Who, The Pretenders und Paul McCartney. Ein im Art-Déco-Style gebautes Stück Entertainment-Historie Londons. Es ist also keine riesige Halle, in der diese Gala gegeben wird, sondern eben ein Theater, wie es auch für den Song Contest einst üblich war.

Der Titel des Abends lautet "Eurovision Song Contest's Greatest Hits", und das mag ein bisschen umständlich klingen. Vor allem erleben wir eine eher schmale Auswahl aus jenem Reigen, den die Überschrift umreißt. Stars aus der Zeit vor 1973 sind nicht dabei. Immerhin: Anne-Marie David und Brotherhood of Man sind dabei - für jüngere ESC-Fans entstammen diese auch schon der Steinzeit dieses Events. Aktuelle Künstler und Künstlerinnen sind Emmelie de Forest, Lordi und Loreen - selbstverständlich ist auch Conchita dabei.

Conchita singt ihren neuen Titel "You are unstoppable". © NDR/Uwe Ernst Foto: Uwe Ernst

Darf bei einem Event wie diesem natürlich nicht fehlen: Conchita steht auch in London auf der Bühne.

Leider ist Nana Mouskouri, 80 Jahre alt, die nach meinen Informationen wenigstens im Publikum in der ersten Reihe als Überraschungsgast präsentiert werden sollte, doch nicht dabei, einer starken Erkältung wegen. Deutsches fehlt nicht völlig, Nicole und ihr "Ein bisschen Frieden" werden an die seligen Tage von Harrogate erinnern und eine Zeit, als beim ESC Osteuropa fern war und der klassische Schlager dominierte. Dass ein Land wie Aserbaidschan dereinst mal ESC-Mitglied werden könnte, wäre einem damals utopisch erschienen.

Nur Oldies but Goldies?

Ich darf offen sagen: Ich freue mich auf dieses Konzert, das in vielen Ländern in einer Aufzeichnung in den nächsten Tagen und Wochen bis zu den Eurovisionstagen in Wien ausgestrahlt werden wird, in der BBC am Karfreitag. Und trotzdem frage ich mich, ob gerade diese auf "Oldies but Goldies" getrimmte Zwei-Stunden-Show unfreiwillig ein Problem des ESC freilegt: dass dieser ESC, orientiert man sich stark historisch, unter seiner bald 59 Jahre währenden Geschichte erdrückt wird. Schon beim Oldiekonzert deutscher Prägung während des ESC in Düsseldorf 2011 beschlich mich dieses Gefühl. Damals in der Düsseldorf Arena wirkte das von einem Swingorchester unterstützte Grand-Prix-Singen wie aus einer fernen Zeit: schunkelig zum Mitgrooven und irgendwie wie aus einer Ära, die beim ESC nur selten Pop war.

Der ESC war einst nur Gegenwart

Petra Mede beim ESC in Malmö © NDR Foto: Rolf Klatt

In Malmö führte Petra Mede durch das ESC-Finale - nun moderiert sie mit Graham Norton die Jubiläums-Gala.

Nun ist es natürlich so, dass in allem, was wir im Leben tun, etwas vorher war: Geschichte wird nur vom Heutigen überlagert und durch nichts zum Verschwinden gebracht. Alles fußt auf dem, was in der Vergangenheit geschaffen worden ist. Der Erfolg des ESC kam zustande, weil man ihn nicht für möglich gehalten hat. Weil 1955, bei der Erfindung des ESC, niemand bei der European Broadcasting Union ahnte, dass dieses Festival einmal eine 60-jährige Geschichte haben würde. Er hatte nur Gegenwart. Das war kein schlechtes Rezept.

London wird heute Abend einen Ausschnitt dieser ESC-Geschichte zeigen. Wie es wird, weiß noch keiner. Petra Mede, ESC-Moderatorin von 2013, und Graham Norton, BBC-Kommentator, stehen für Witz und Schwung. Ob sie auch als Staubwedel fungieren, muss bis kurz vor Mitternacht offen bleiben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr