Stand: 09.08.16 10:28 Uhr

Protest gegen ESC-Auswahländerung in der Schweiz

Sängerin Rykka aus der Schweiz auf der Bühne. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Die Sängerin Rykka hatte viele Fans in der Netzwelt - in den Weiten der ESC-Welt ging sie trotzdem unter.

In der Schweiz ist das neue Verfahren für den nächsten ESC-Vorentscheid der Eidgenossen eigentlich schon seit Juni bekannt. Da war die kanadische Schweizerin Rykka gerade eben aus Stockholm wieder zurück in Zürich - enttäuscht, denn sie belegte mit "Last Of Our Kind" den letzten Platz im zweiten Halbfinale - verdienterweise. Im Hinblick auf die Beteiligung des Publikums durfte man sich allerdings nicht beschweren, denn Rykka hatte viele Freunde und Freundinnen aus der Schweiz in den sozialen Medien gefunden. Diese neue Öffentlichkeit wird nun also wie das Schweizer Fernsehen und Radio (SRF) berichtete für den nächstjährigen Vorentscheid bis zum Vorentscheidungsfinale ausgeschlossen.

Die neuen Bestimmungen

Der TV-Sender SRF gab zum neuen Verfahren bekannt:

  • Neu wird eine rund 20-köpfige Jury die eingereichten Songs bewerten. Die Plattform ist nicht mehr öffentlich einsehbar.
  • Die Quotenregelung pro Sprachregion ist aufgehoben. Neu spielt es also keine Rolle mehr, aus welchem Landesteil ein Song eingereicht wird.
  • Die Jury setzt sich aus Musikexperten zusammen: Produzenten, Personen aus der Musikindustrie, Musiker, Journalisten. Die Namen werden im Vorfeld bekanntgegeben.
  • Die Bewerbungen müssen zwingend einen Schweizer Bezug haben. Interpret, Komponist oder Texter (mindestens eine Person) müssen einen Schweizer Pass besitzen oder in der Schweiz wohnhaft sein.
  • Die voraussichtlich 20 höchstbewerteten Songs werden von den Interpreten der Jury beim Live-Check am 4. Dezember 2016 präsentiert - die Songs werden nicht veröffentlicht. Die Jury trifft eine Auswahl von sechs bis zehn Acts. Die Jury wird im Vorfeld kommuniziert.
  • Die sechs bis zehn Acts zeigen ihr Können am 5. Februar 2017 in der Liveshow. Via Televoting entscheiden einzig die Zuschauerinnen und Zuschauer, wer die Schweiz 2017 am ESC vertreten soll.
  • Die Entscheidungsshow ist neu an einem Sonntag auf SRF zwei zu sehen.

Mit anderen Worten: Erstens will man in der Schweiz den regionalen Proporz nicht mehr berücksichtigen - italienische, französische, deutsche und rätoromanische Sektionen. Zweitens will man dem Sachverstand - sofern man es so nennen möchte - der Internet-Community nicht mehr trauen. Alles soll im Geheimen bleiben. Und ich finde das auch verständlich, denn: Eine professionelle Jury kann Kandidaten und Kandidatinnen, die echtes internationales Potenzial haben, besser erkennen.

Das Tal der Tränen überwinden

Die SRF-Sprecherin Eva Wismer sagte gegenüber dem Nachrichtenportal 20 Minuten: "Diverse Feedbacks aus der Musikbranche haben gezeigt, dass qualitativ sehr gute Songs von Interpreten und Komponisten prinzipiell nicht gerne auf eine öffentliche Plattform geladen werden. Es macht keinen Sinn, starr an einem Konstrukt festzuhalten." Viele im Netz zeigen sich nun frustriert, weil sie sich als eurovisionär-schweizerische Öffentlichkeit nicht mehr wertgeschätzt fühlen. Aber: Hat die Wahl von Rykka wirklich ein besseres ESC-Ergebnis für die Schweiz gebracht? Eben.

Die Pointe ist ohnehin: Die Entscheidungsshow im Februar wird vollständig durch das Televoting bestimmt - nicht einmal mehr anteilig durch eine Jury. Man darf sagen: Die Schweiz ist in Sachen ESC auf einem richtigen Weg, um sich aus dem Tal der Dauerenttäuschungen herauszuträllern.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr