Stand: 12.05.2011 23:30 Uhr  | Archiv

Zauberhaftes zweites Halbfinale

von Ada von der Decken

Vorhang auf, Bühne frei hieß es am Donnerstagabend für die 19 Kandidaten des zweiten ESC-Halbfinales. Die Zuschauer fanden sich gleich beim ersten Song von Dino Merlin aus Bosnien-Herzegowina in einer Art Wanderzirkus wieder, in dem es bunt zuging. Der mit 48 Jahren älteste Kandidat des Abends wirkte wie ein in die Jahre gekommener Patriarch, der im Beisein seiner gesamten Zirkusfamilie wehmütig vergangene Zeiten besingt. Das Publikum mochte das.

Das Kontrastprogramm lieferte die jüngste Teilnehmerin Getter Jaani aus Estland. Die Zaubertricks der 18-Jährigen könnten genauso Teil einer Zirkusnummer sein: Zu Beginn verwandelte sie ein buntes Tuch in einen Zauberstab, womit sie dann ihre Tänzer in Bewegung versetzte. Wie eine quirlige Fee sprang die junge Estin zu ihrem Song "Rockefeller Street" über die Bühne. Klar, dass sie mit dieser Darbietung das Publikum verzaubern konnte.  

Moldau als Überraschungssieger

Zdob și Zdub für Moldau im zweiten Halbfinale © NDR Foto: Rolf Klatt
Mit riesigen Zipfelmützen tanzte die Band Zdob și Zdub aus Moldau über die Bühne.

Lange, spitze Zipfelmützen trugen die Jungs von Zdob și Zdub - ein bisschen erinnerten Sie bei ihrem Auftritt an Zwerge. Jedenfalls heizten die Moldauer, die schon beim ESC 2005 auf dem sechsten Platz landeten, mit ihrer peppigen Nummer "So Lucky" dem Publikum ordentlich ein. Um die Band kreiste eine Einradfahrerin und über die LED-Wand rauschten in verschiedenen Formationen massenhaft Zinnsoldaten bis jedem Zuschauer schwindelig wurde.

Der Schwede Eric Saade griff tief in die Trickkiste: Während seiner Pop-Nummer ließ er sich von seinen Tänzern in einen Glaskäfig sperren. Daraus befreite er sich aber sofort wieder, indem er eine Scheibe mit lautem Krachen zerschlug. Die Einlage hatte während der Proben immer wieder für Schwierigkeiten gesorgt: Die aus Spezialglas gefertigte Scheibe ließ sich nicht wie geplant zerstoßen. Schließlich wurde die Menge der Sprengladung erhöht. Der Trick klappte und konnte darüber hinwegtrösten, dass der 20-Jährige sein "I Will Be Popular" mit recht dünner Stimme performte. Trotzdem schaffte Saade den Einzug ins Finale.

VIDEO: Finale Überraschungen (6 Min)

Schillernd in jeder Hinsicht war der Auftritt der Österreicherin Nadine Beiler. Stimmgewaltig trug sie ihre Ballade "The Secret Is Love" vor. Sie zeigte, dass man beim ESC auch ohne Tanz und viel Tamtam eine packende Inszenierung hinlegen kann. Nach dem Motto "Diamonds Are The Girls Best Friend" stand die Tirolerin auf einem kleinen funkelnden Sockel im Diamantenschliff. Auch Mikrofon, LED-Wand im Hintergrund und sogar das Nasenpiercing funkelten was das Zeug hält.

Jedward: Gleiches Erbgut, gleiches Outfit

Jedward für Irland in der Kostümprobe im zweiten Halbfinale © NDR Foto: Rolf Klatt
Rot wie Lippenstift war das Outfit des schrillen Duos Jedward.

Der mit Spannung erwartete Auftritt von Jedward kam einem Besuch in einem Spiegelkabinett gleich. In einer beeindruckenden Show sprangen, turnten und rannten die zwei Knallfrösche umher - und das weitgehend synchron. Die eineiigen Zwillinge John und Edward aus Irland starteten zwar als letzter Act im zweiten Halbfinale. Dass ihre Show aber im Finale ganz weit vorne landen wird, steht nach dieser starken Performance außer Frage.

Neben Jedward war noch ein Zwillingspaar auf der Bühne: Die TWiiNS aus der Slowakei. Ihr romantisches Duett konnte sich beim Halbfinale allerdings nicht durchsetzen.

Jubel für Dana International

Dana International für Israel in der Kostümprobe im zweiten Halbfinale © NDR Foto: Rolf Klatt
Dana International schaffte es dieses Mal nicht ins Finale.

Als Dana International elegant über den Laufsteg schritt, löste sie Jubelstürme aus. Auf der israelischen transsexuellen Sängerin lagen hohe Erwartungen, hatte sie doch 1998 mit "Diva" die ESC-Krone geholt. Ihren Sieg wird sie in diesem Jahr allerdings nicht wiederholen können: Sie verpasste das Finale.

Als Laufsteg wurde die Bühne der Düsseldorfer Arena ansonsten nur noch von der Gruppe A Friend in London genutzt: Der dänische Frontmann Tim Shou rannte die Strecke gleich zwei Mal und war nach dem Auftritt sichtlich außer Atem. Offensichtlich lohnte sich der Einsatz. Am Samstag wird die Band im Finale singen.

Gesteigert hat ihren Einsatz auch Moderatorin Anke Engelke, sie lief im zweiten Halbfinale geradezu zur Hochform auf. Die Komödiantin sang ein schräges ESC-Medley mit ihrem Kollegen Stefan Raab, bei dem sich beide am Ende - herrlich übertrieben - die Zähne einschlugen. Die Wartezeit bis zur Verkündung des Ergebnisses überbrückte das Ensemble Flying Steps aus Berlin. Die Tänzer verbanden Breakdance, HipHop und House miteinander - bevor das Ergebnis feststand. Es war zum Teil überraschend: Auch Rumänien, Slowenien und die Ukraine schafften es als drei von zehn Acts ins Finale.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2011 | 21:00 Uhr

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