Stand: 20.02.2017 11:24 Uhr

Falsche Bilder auf Petitionen gegen Hundetötung

Eine Hand zieht brutal am Nacken eines Hundes (Aufnahme: Rumänien im August 2009) © dpa Foto: Db Etn
Mit Bildern wie diesem machen Tierschützer auf das Töten von Hunden in der Ukraine aufmerksam.

Es sind Bilder von gefangenen, gequälten und getöteten Straßenhunden in der Ukraine, die derzeit im Netz kursieren und sich rasant über die sozialen Netzwerke verbreiten. Tierschützer und -freunde kritisieren damit die Praxis der Hundetötungen in der Ukraine. Besonderes Augenmerk legen sie dabei auf die Hauptstadt Kiew, in der im Mai der Eurovision Song Contest stattfindet. Der konkrete Vorwurf lautet: Die Stadtverwaltung habe die Tötung der Hunde angeordnet, um das Stadtbild für den bevorstehenden ESC zu verschönern. Die Flut an derartigen Bildern ist groß. Doch Vorsicht ist geboten: Nicht jedes Bild stammt tatsächlich aus der Ukraine oder direkt aus Kiew.

Animal Rights Switzerland/France arbeitet mit falschen Bildern auf Petitionen

Der Schweizer Unterwasserfotograf und Tierschützer Kurt Amsler setzt sich mit der Tierschutzorganisation Animal Rights Switzerland/France für einen sofortigen Stopp der Tötungen ein. Die Organisation hat Petitionen gegen die Tötung der Hunde in der Ukraine an die European Broadcasting Union (EBU), als Veranstalter des Song Contest, den Norddeutschen Rundfunk (NDR) sowie Vitali Klitschko, Kiews Bürgermeister, gerichtet. Darin heißt es unter anderem, es lägen Beweise vor, dass für den ESC die gleiche Strategie angewendet werde, wie 2012 zur Fußball-EM: das Töten der Straßenhunde durch Erschlagen, Erhängen, Erschießen oder Vergiften.
Untermauert werden die Petitionen auch mit Hundebildern. Doch diese stammen nicht aus der Ukraine, sondern wurden bereits 2009 in Rumänien aufgenommen.

Ursprünglich stammen die Bilder aus Kronstadt (Brasov) in Rumänien. Dort starteten im August 2009 Maja Prinzessin von Hohenzollern, der Europäische Tier- und Naturschutz Verein (ETN) sowie der französische Honorarkonsul und seine Frau eine Rettungsaktion von Hunden aus einer Tiertötungsstation. Der ETN folgte damit einem Hilferuf rumänischer Tierschützer.

Illegale Hundefänger in Kiew aktiv

Tierärztin Dörte Röhl © PETA Deutschland e.V.
Dörte Röhl ist Fachreferentin der Tierschutzorganisation PETA und beschäftigt unter anderem mit der Situation der Straßenhunde in der Ukraine.

Die Praxis der Tötung von Straßenhunden in der Ukraine ist unstrittig. Tierschützer kritisieren das zu Recht. Der Vorwurf, die Stadt Kiew habe den Auftrag erteilt, zum ESC die Straßen von den Tieren zu befreien, ist jedoch derzeit nicht haltbar. "Über direkte Kontakte vor Ort haben wir die Auskunft erhalten, dass es keine entsprechende Anweisung der Stadt gibt. Wir behalten das Ganze natürlich weiter im Auge und würden reagieren, falls sich ein entsprechender Verdacht doch bewahrheiten sollte", erklärte Lea Schmitz, Pressereferentin des Deutschen Tierschutzbundes e. V. bereits im Januar. Das bestätigt auch Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA: "Von einem befreundeten Tierschutzverein, deren Mitarbeiter sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage verschaffen konnten, haben wir erfahren, dass aktuell tatsächlich Hunde in Kiew getötet werden. Es ist richtig, dass vor allem im Bereich des Veranstaltungsortes für den ESC vermehrt 'Streuner' getötet wurden. Diese Hundetötungen sind allerdings keine von der Stadt angeordneten Tötungen - sondern durch sogenannte illegale Doghunter ausgeführt worden." Beide Organisationen weisen darauf hin, dass in Kooperation mit der Stadt und Tierkliniken bereits seit 2012 Kastrationsprogramme laufen.

Die EBU wird sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen. "Es ist ein legitimes Thema, das wir beim Head-of-Delegation-Treffen im März in Kiew erörtern werden. Und wir werden hierüber auch mit Jon Ola Sand (Generaldirektor des ESC) von der EBU sprechen", erklärte Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator und verantwortlich für den ESC in Deutschland.

Weitere Informationen
Zwei Hunde liegen auf einem Gehweg vor einem Geschäft in der Ukraine. © PETA Deutschland e.V.

Hundetötungen in Kiew: Kein offizieller Auftrag

Die Tierschutzorganisation PETA engagiert sich seit Jahren im Kampf gegen Hundetötungen. Im Interview berichtet die Fachreferentin und Tierärztin Dörte Röhl über die Situation in Kiew. mehr

Streunende Hunde in der ukrainischen Stadt Evpatoria (Aufnahme vom 30.3.2011) © dpa/picture alliance Foto: Pavlishak Alexei

ESC kein Grund für Hundetötung in Kiew

Tierschützer laufen Sturm: Straßenhunde sollen in Kiew wegen des ESC getötet werden. Einige Petitionen wurden schon verfasst. Doch ist der ESC tatsächlich der Anlass für diese Praxis? mehr

 

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

2017

Ukraine