Stand: 28.04.16 16:15 Uhr

Anna Leyne: Die Frau hinter "Ghost"

Singer/Songwriterin Anna Leyne © Anna Leyne

Singer/Songwriterin Anna Leyne hat für Jamie-Lee den Song "Ghost" geschrieben.

Für Jamie-Lee hat sie den Text zum Song "Ghost" geschrieben. Auch an der Komposition war sie mit beteiligt. Damit hat die Singer/Songwriterin Anna Leyne jetzt schon zwei Siege für Jamie-Lee eingefahren - 2015 den ersten Platz bei der Castingshow "The Voice" und das Final-Ticket für den ESC in Stockholm. Auch Anna fährt nach Schweden: Als Backgroundsängerin wird sie mit Jamie-Lee auf der großen Bühne stehen. Die Zeit vor der Abreise verbringt sie noch in Ruhe in ihrem Studio in Nürnberg. Zeit, um mit ihr übers Heulen am Klavier zu sprechen und darüber, dass man manche Songs zwar schreiben kann, sie aber lieber von anderen singen lässt.

Als in Köln feststand, dass dein Song der deutsche Beitrag für den ESC wird, wen hast du zuerst angerufen?

Anna Leyne: Erst mal keinen, denn mein Handy ist explodiert. Ich wurde angerufen. Und dann als erstes meinen Freund. Der konnte leider nicht da sein. Wir haben uns erst mal angeschrien und uns wahnsinnig gefreut. Ich habe das erst gar nicht gecheckt, was das eigentlich bedeutet. Den Song hören jetzt alle!

Den Song hattest du schon 2015 für Jamie-Lees Auftritt bei "The Voice" geschrieben. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Leyne: DJ Thomilla, der bei "The Voice" im Team der Fanta Vier auch für die Produktionen der Songs verantwortlich ist, ist beim gleichen Verlag wie ich: Modernsoul/Universal. Modernsoul hat Thomilla und mich 2014 erstmals zusammengeschaltet und mich gefragt, ob ich Lust hätte im Team der Fantas als Songwriterin mitzumachen.

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Anna packt Hoffnungsschimmer in ihre Songs

Hattest du auch schon mal dran gedacht, beim ESC mitzumachen oder war das bisher eher nicht so dein Ding?

Leyne: Nein. Das ist eher ein Traum meiner Mutter, der da in Erfüllung geht. Aber ich habe mir den ESC trotzdem beinahe jedes Jahr angesehen, weil es einfach eine bombastische Show ist! Gerade in den letzten Jahren wurde audiovisuell ja ordentlich was aufgefahren und immer wieder war auch ein Song dabei, den ich klasse fand. Manche Dinge bekommt man oft nicht, weil man sie so sehr will, manche Chancen kommen gerade dann auf einen zu, wenn man eher entspannt mit dem Thema ist.

Du sagst, dass dein Songwriting von familiären Verbindungen nach Kanada profitiert. Was meinst du damit?

Leyne: Meine Mutter ist als Teenager zuerst nach England gegangen als Au Pair, dann nach Kanada ausgewandert und lange dort geblieben. Dort hat sie den Vater meiner großen Schwester kennen gelernt. Sie kam mit meiner Schwester zurück, die nur englisch gesprochen hat, nach Deutschland zurück. Zu Hause war also so ein deutsch-englisch-Mischmasch. Damit bin ich aufgewachsen. Da war die Sprache immer präsent. Ich hab gemerkt, dass sich das Texten auf Englisch für mich sehr schön anfühlt, weil ich nicht so viel drüber nachdenken muss wie beim Deutschen. Da ist es immer so viel lyrischer Wahnsinn, der da abgeht. Wenn ich versuche, deutsch zu texten, verfange ich mich zu sehr. Seinen eigenen Scheiß kann man ja immer schwer analysieren. Aber auf Englisch bin ich musikalischer, melodiöser. Ich kann andere Geschichten erzählen als im Deutschen.

Worum geht es denn bei Ghost?

Leyne: Um Beziehungen, die so weitergeführt werden, aber eigentlich nur noch Staffage sind und Geister. Man führt die Beziehung, aber eigentlich ist sie schon tot. Es sieht nur noch wie eine aus.

Wie ist der Song entstanden - von der ersten Idee zum fertigen Text?

Leyne: Also Geschwindigkeit und Beat waren von den Produzenten vorgegeben. Am Klavier hab ich dann gemerkt, es geht für mich in eine schwere Richtung, also eine schwermütige Geschichte. Und es ist dann ein Beziehungsding geworden.

Was inspiriert dich mehr? Glücklich oder traurig sein?

Leyne: Ich schöpfe meine Kraft tatsächlich auch aus den traurigen Sachen und aus den schweren Zeiten. Wenn ich happy bin, dann hab ich auch manchmal Angst, weil dann hab ich überhaupt keine Lust mehr, einen Song zu schreiben. Aber man hat die Storys dann eigentlich schon geparkt. Das ist auch glaube ich das, was viele Leute anspricht. Ich hab immer Musik dann besonders gehört und war total dankbar, wenn es mir schlecht ging und hab dann aus Texten raus gehört genauso gehts mir. Und das wäre super, wenn ich das bei anderen Menschen schaffen könnte.

Wie holst du in glücklichen Zeiten die Traurigkeit aus dir raus?

Singer/Songwriterin Anna Leyne

Hier lacht sie, aber Anna Leyne schöpft viele musikalische Inspirationen vor allem aus traurigen Momenten.

Leyne: Wenn ich am Klavier sitze und spiele, muss ich manchmal heulen. Das rührt irgendwas in mir. Und dann kommen Erinnerungen und Bilder passend dazu. Wie wenn man durch den Frühling läuft und einen Geruch auffängt. Und auf einmal erinnert man sich an einen Frühling, den man mit jemandem hatte. Dann ist ein Bild da und dann sind Gefühle da. Und so ist das bei mir mit Musik.

Du singst selbst auch. Warum eigentlich noch für andere schreiben und nicht alles selbst veröffentlichen?

Leyne: Das mache ich schon auch. Ich mache grade mein Album. Das soll im Sommer produziert werden. Ich hab einfach auch viele Ideen, bei denen ich mir denke, das muss jetzt nicht unbedingt für mich sein, aber ich kann es mir für jemand anders vorstellen. Deswegen ist das völlig in Ordnung. Ich freue mich auch total. Ich sehe Jamie singen und denke: Wow, wie geil! Es ist so cool! Ich muss da gar nicht vorne stehen. Ich kann hinten stehen und zuschauen und genießen. Das hat auch was. Und die Musik, die ich für mich schreibe, ist dann auch einen Tick anders. Ich hab einen ziemlichen Hang zu R’n’B und Soul.

Die deutsche ESC-Teilnehmerin Jamie-Lee

Deutschland: Jamie-Lee - "Ghost"

Eurovision Song Contest

Jamie-Lee stellt mit ihrem Stil und Talent, beim ESC alles auf den Kopf. Mit der melodischen Pob-Ballade Ghost will sie für Deutschland den Sieg holen.

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Am 14. Mai wirst du in Stockholm deinen eigenen Song als Backgroundsängerin von Jamie-Lee performen. Was überwiegt vor dem Auftritt: Angst oder Stolz?

Anna Leyne

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Leyne: Erinnert mich bloß nicht da dran. Also wenn ihr auf der Bühne eine Silhouette seht, die so Palastwachen-mäßig umkippt, das könnte dann ich sein. Ne, das ist in dem Moment ausgeblendet. Ich höre dann nur auf mein In-Ear-Kopfhörer, meine Stimme. Es ist ja nur ein Song lang und danach kann ich mich dann drüber aufregen.

Was kommt nach dem ESC?

Leyne: Ich hab total Bock auf Urlaub. Einfach mal kurz an einen Strand setzen wäre total cool. Ich weiß aber nicht, ob ich es schaffe.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr