Stand: 06.03.2015 14:15 Uhr  | Archiv

Kopfschütteln und Respekt für Kümmerts ESC-Absage

von Jochen Lambernd

Das hat es beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest noch nie gegeben: Der nach mehreren Auftrittsrunden und Votings von den Zuschauern bestimmte Sieger verzichtet auf seinen Titel und lässt die Zweitplatzierte nach Wien fahren. Andreas Kümmert zeigte sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses am Donnerstagabend sichtlich mitgenommen: "Es ist momentan so: Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen", sagte der zerknirscht wirkende Sänger. "Ich geb' meinen Titel an Ann Sophie." Kümmert hatte das Publikum begeistert. Im Finale der Show entschieden sich 78,7 Prozent der Anrufer für ihn, wie der NDR am Freitag mitteilte. 21,3 Prozent stimmten für Ann Sophie.

VIDEO: Andreas Kümmert erklärt seinen Rücktritt (3 Min)

Der 24-jährigen Hamburgerin mit der gewaltigen Stimme blieb zunächst der leuchtend rot geschminkte Mund offen stehen. Sie wusste nicht, wie ihr geschah. In der Halle mischten sich Buh-Rufe mit Jubelschreien. Auch Moderatorin Barbara Schöneberger war völlig überrascht, sammelte sich aber schnell und ließ die neue Siegerin Ann Sophie mit ihrem Song "Black Smoke" noch einmal auftreten. Sie sei eine "gute und würdige Vertreterin Deutschlands zum 60. Geburtstag des Eurovision Song Contests", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

Nachrückverfahren besprochen

Wie in den Vorjahren hatte das Sendungsteam auch dieses Mal viele mögliche Szenarien wie Unfälle oder Erkrankungen durchgespielt. Falls ein Kandidat ausfallen sollte, war ein Nachrückverfahren besprochen worden. Moderatorin Barbara Schöneberger hatte somit "eine Entscheidungsgrundlage und -freiheit", wie der NDR mitteilte. Sie habe "in der Situation das einzig Richtige getan, denn Ann Sophie hat die Stimmen vieler Anrufer erhalten, sonst wäre sie nicht bis ins Finale durchmarschiert".

Zu viel des Guten?

Der "Voice Of Germany"-Gewinner Kümmert - geschwächt von Fieber - hatte sich bei seinen schlicht gehaltenen Auftritten sehr konzentriert und ruhig gezeigt. Für seine emotionalen Songs erhielt der 28-Jährige viel Applaus. Schon diese klare Unterstützung konnte der schüchtern wirkende Kümmert offenbar kaum fassen.

Die Reaktionen aus dem ESC-Umfeld:

Ann Sophie:

"Wenn sein Herz ihm das gesagt hat, dann ist das absolut das Richtige, was Andreas Kümmert getan hat. Ich freue mich natürlich riesig, dass ich jetzt nach Wien darf! Das ist ein Traum, der für mich wahr wird. Ich hoffe, Deutschland ist damit zufrieden, dass ich da jetzt hin darf. Ich habe großen Respekt vor Andreas und seiner Entscheidung und bin ihm auch dankbar.“ Und weiter: "Er sollte sich keine Vorwürfe machen, nur weil er sich selbst treu geblieben ist. Ich finde, man sollte es ihm nicht übelnehmen." Sie fordert die Journalisten auf, "Andreas in Ruhe zu lasssen".

 

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Andreas Kümmert auf der Bühne beim deutschen ESC-Vorentscheid. © NDR Foto: Rolf Klatt

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 05.03.2015 | 20:15 Uhr

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