Stand: 06.04.09 12:30 Uhr

Malena Ernman: "Ich bin nicht sehr opernhaft"

Malena Ernman tritt beim ESC für Schweden an © Malena Ernman. Photo: Alain Douit (EBU)

Malena Ernman ist eigentlich Opernsängerin. Für den ESC wagt sie den Sprung in ein anderes Metier.

Sie kleide sich umwerfend und singe zum Wiederauferstehen, schreibt das Londoner "Independent" über den Mezzosopran, den manche die schwedische Cecilia Bartoli nennen. In der Oper singt sie weibliche wie männliche Hauptrollen und tritt für Schweden beim Eurovision Song Contest an. Malena Ernman über das unopernhafte an ihr, Abba und ihre Vorliebe für Sport.

eurovision.de: Ihr Terminkalender ist so dicht gesteckt, dass Oper und Grand Prix schwer unter einen Hut zu kriegen sind. Wie kamen Sie darauf, am Melodifestivalen teilzunehmen?

Malena Ernman: Zuerst war es nur eine verrückte Idee, doch sie hat mir gefallen, weil meine Kinder und mein Mann mich dazu ermutigt haben, es einmal im Leben zu wagen. Mein guter Freund Frederik Kempe hat das Lied komponiert und mir dann angeboten. Ich bin noch immer vom Sieg beim Melodifestivalen überrumpelt. Ich möchte in Moskau gerne den Mix aus Klassik, Pop und Rock von "La voix" bringen und ein neues Publikum finden.

eurovision.de: Eine Herausforderung für jemanden, der bei der Oper drei Stunden auf der Bühne steht, beim Eurovisionsfestival haben Sie nur drei Minuten.

Malena Ernman: Das ist der große Unterschied zwischen Oper und Pop: drei Stunden ohne Mikro oder drei Minuten mit. Beides hat seine Schwierigkeiten. Ich war aber schon immer eine cross-over Künstlerin. Ich singe viel Jazz und Pop und Lieder aus "Cabaret" und habe mein Leben lang getanzt. Es ist also kein so großer Schritt für mich. Eigentlich passt es zu mir, den Sprung zum ESC zu wagen.

eurovision.de: Wie fühlt es sich an, in Abbas Fußstapfen zu treten?

Malena Ernman: Wunderbar. Ich bin mit Benny Andersson befreundet. Beim Melodifestivalen hat er mir viele SMS geschickt und mich angefeuert: "Du bist eine Wucht!" Das war eine tolle Unterstützung.

eurovision.de: Sie ähneln eher einer olympischen Triathletin als einer Opernsängerin. Wie halten Sie sich fit?

Malena Ernman: Danke! Ich bin oft im Fitnessstudio und laufe viel. Ich bin sportverrückt. Das sei nicht sehr opernhaft, sagen mir die Leute ständig. Daher mache ich das, weil ich innerlich gar nicht opernhaft bin.

eurovision.de: Das ist aber ihr Job, bei dem sich Ihre Kritiker mit Lob überschlagen ...

Malena Ernman: Ein gut bezahlter dazu. Ich nehme nur junge Rollen an und hoffe, den Job in 20 Jahren noch zu machen. Und weiter zu laufen und ins Studio zu gehen. Gesund zu bleiben.

eurovision.de: Sie kochen gern. Wer hat Ihnen das beigebracht?

Malena Ernman: Ich mir selbst. Die ersten dreißig Jahre meines Lebens hat mich Ernährung nicht so interessiert. Nun habe ich zwei Töchter, drei und sechs Jahre alt. Irgendwie muss man die ja füttern (lacht). Gesund zu essen ist wichtig, denn bei guter Ernährung erkrankt man seltener. So habe ich das Kochen entdeckt. Wir essen viel Lachs, auch die Kinder.

eurovision.de: Sie waren schon häufiger in Deutschland, treten gerade als Angelina in Rossinis "Aschenbrödel" an der Oper Frankfurt auf.

Malena Ernman: (auf deutsch) Ich liebe Deutschland und kann auch gut deutsch sprechen. Ich habe viel in Berlin gearbeitet, erst mit Daniel Barenboim an der Deutschen Staatsoper, dort hatte ich auch meine erste große Rolle mit Cecilia Bartoli. Ich bin auch in Frankfurt und München aufgetreten.

eurovision.de: Haben Sie als Kind nicht auch in München gelebt?

Malena Ernman: Ich war erst zwei Jahre alt, kann mich an kaum etwas erinnern.

eurovision.de: Was finden Sie typisch deutsch?

Malena Ernman: Etwas, das auch sehr typisch für Schweden ist: Deutsche sind sehr gut darin, Versprechen zu halten. Sie sind auch sehr pünktlich und essen häufig Würstchen. Schweden und Deutsche sind sich ziemlich ähnlich.

eurovision.de: Der ESC in Moskau steht an. Was erwarten Sie von Ihrem Aufenthalt dort und von Ihrem Auftritt?

Malena Ernman: Ich bin gespannt, weil Russland ein sehr interessantes Land ist und ich noch nie dort gewesen bin. Im Land gibt es interessante Entwicklungen und aufgeschlossene Menschen. Ich werde in Moskau noch besser auftreten als in Schweden – im neuen Kleid, natürlich. Ich freue mich darauf, die Leute aus der Popbranche zu treffen und ihnen etwas von meiner Opernkultur zu vermitteln.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 16.05.2009 | 21:00 Uhr