Die albanischen Musiker Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko. © RTSH
Stand: 16.05.13 23:41 Uhr

Porträt

Albanien: Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko

Die Bühne rocken wollen in Malmö grundsätzlich natürlich alle Teilnehmer des Eurovision Song Contests. Bei Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko soll das aber nicht nur sprichwörtlich geschehen - die schlagen in der Tat härtere und rockigere Töne an als die meisten ihrer Konkurrenten. Mit wenig Erfolg: Nach dem Halbfinale muss das Duo wieder seine Koffer packen.

Die albanischen Musiker Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko. © RTSH

Albanien: Adrian Lulgjuraj & Bledar Sejko - "Identitet"

Die beiden Musiker wollen mit ihrem Song albanische Bürger ansprechen, die im Ausland leben. Sie singen von Zusammengehörigkeit und gemeinsamen Wurzeln.

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Rocken nur im Untergrund

Der albanische Musiker Bledar Sejko. © RTSH

Als Bledar Sejko in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, geboren wurde, stand Rockmusik noch unter Strafe.

Der 42-jährige Bledar Sejko ist, seit er sich für Musik interessiert, großer Fan der Rockmusik, auch wenn das nicht immer unproblematisch war: Im damals kommunistischen Albanien ist diese Musikrichtung verboten. Als Sejko zwölf Jahre alt ist, fängt er selbst an zu singen und Gitarre zu spielen. 1987, im zarten Teenageralter, nimmt er als Gitarrist an einem internationalen Musikfestival in der Türkei teil. Zwei Jahre später hat er sein Debüt beim "Festivali i Këngës", das heute als Vorentscheid für den ESC dient. In der Zeit von 1992 bis 2007 nimmt Sejko vier weitere Male am "Festivali i Këngës" teil, im Dezember 2012 mit großem Erfolg: Er gewinnt den Vorentscheid gemeinsam mit Adrian Lulgjuraj.

Der albanische Musiker Adrian Lulgjuraj. © RTSH Foto: Ergys Lubonja & Ilir Kaso

Adrian Lulgjuraj ist eigentlich Jurist, auf der Bühne wird er aber - nach eigenen Angaben - zur Bestie.

Der ist zehn Jahre jünger als Sejko und arbeitet hauptberuflich als Anwalt. Lulgjuraj fängt mit 13 Jahren an, sich für Rock'n'Roll zu interessieren. Als er seinen Abschluss in Jura macht, fängt er mit dem Singen an - und singt und singt. Er gibt Konzerte in Montenegro, Albanien, dem Kosovo und Mazedonien, nebenbei arbeitet er für die Fernsehshow "The Voice of Albania". Sich selbst beschreibt der Jurist so: "Ich mag meinen Job als Anwalt, aber auf der Bühne werde ich zur Bestie, zu einer anderen Person - wie Hulk."

Politisches Interesse und Engagement

Der Song, den Lulgjuraj und Sejko in Malmö präsentieren, heißt "Identitet" und richtet sich an die im Ausland lebende albanische Bevölkerung. Es geht um gemeinsame Wurzeln und Zusammengehörigkeit. Ein politisch motivierter Text, der - komplett auf Albanisch - der Feder Sejkos entstammt. Sejko ist ohnehin politisch aktiv.

1990 schließt er sich einer Studentenbewegung an, um den Kommunismus in Albanien zu stürzen. Das Land gilt bis dahin als letzte Bastion des Stalinismus in Europa. Mit den Studentendemonstrationen setzt jedoch ein Wandlungsprozess ein, im Dezember 1990 wird ein Mehrparteiensystem eingeführt, im Jahr darauf finden erste freie Wahlen statt. Ein weiterer Vorteil: Bledar Sejko kann nun ohne Probleme seine Hardrock-Band Megahertz gründen.

Albanien öffnet sich - auch musikalisch

Im Jahr 2003 möchte Albanien erstmals am Eurovision Song Contest teilnehmen. Die EBU lässt in dem Jahr, aufgrund neuer Regeln, jedoch nur ein neues Teilnehmerland zu - und gibt der Ukraine den Vortritt. Ein Jahr später kann aber auch Albanien beim Grand Prix mitmischen - und hat einen guten Start: Die damals 17-jährige Anjeza Shahini kommt im Finale auf Platz sieben. Nach dem fünften Platz in Baku ist das nach wie vor der zweitgrößte albanische ESC-Erfolg. Adrian Lulgjura und Bledar Sejko konnten das 2013 nicht ändern, für sie war im Halbfinale Schluss.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr