Eva Rivas aus Armenien bei der zweiten Probe. © EBU

Armenien: Eva Rivas

von Marco Lambrecht

Armenien gehört mit bisher vier Teilnahmen zu den Neulingen beim Eurovision Song Contest. Angesichts von vier Top-10-Platzierungen in Folge drängt sich auch die Bezeichnung Überflieger auf. Doch bei der Wahl von Kandidatin Nummer fünf, Eva Rivas, ist die armenische Hitmaschine ein wenig ins Stottern geraten.

Abgewendeter Eklat

Beim Vorentscheid in der Hauptstadt Eriwan sollten am 14. Februar 2010 eigentlich zehn Interpreten gegeneinander antreten. Die Sängerin Sonya verzichtete jedoch kurzfristig auf ihre Teilnahme und löste eine hitzige Debatte über die möglichen Motive aus. Das eine Lager zitierte gesundheitliche Probleme der Künstlerin, das andere verwies auf die auffälligen Ähnlichkeiten ihres Songs "Never" mit den türkischen Kompositionen "Bellimi Olur" von Izel und "Evlenmeliyiz" von Hadise.

Armenien: Eva Rivas - Apricot Stone

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Die Zuschauer entscheiden

Ohne Sonya und ohne weitere Zwischenfälle ging die Show schließlich über die Bühne und die armenischen Fernsehgewaltigen schüttelten sich zufrieden die Hände. Die Krise war abgewendet worden und mit Eva Rivas schien eine würdige Siegerin gefunden zu sein. Ihr Song "Apricot Stone" - ein Popsong mit unaufdringlichen folkloristischen Elementen - hatte in der Gunst der Juroren zwar nur auf Platz zwei gelegen, aber die Zuschauer an den Bildschirmen, die per SMS ihr Votum abgeben durften, sahen Rivas "Stein der Aprikose" mit überwältigendem Abstand vorn. 

Sieg oder Skandal?

Eva Rivas

Eva Rivas.

Allerdings hatten die Organisatoren die Rechnung ohne das Duo Emmy und Mihran gemacht. Kaum war die Entscheidung gefallen, erhoben die Favoriten der Jury schwere Vorwürfe. Eva Rivas ist in der russischen Stadt Rostow am Don geboren und hatte zunächst in Moskau an ihrer professionellen Musikkarriere gearbeitet - nicht in Armenien. Diese Fakten sind unbestritten, aber die Anklage ist deshalb nicht minder abstrus: Emmy und Mihran warfen ihrer 22-jährigen Konkurrentin vor, nicht die notwendige Popularität im Land zu genießen. Das SMS-Voting sei deshalb zweifelsohne manipuliert worden.

"Miss Talent" fährt nach Oslo

Das armenische Fernsehen sah sich also doch noch einem handfesten Skandal ausgesetzt, hielt aber standhaft zu seiner Gewinnerin. Nicht zuletzt, weil Eva Rivas Qualitäten unbestritten sind. Sie überzeugte als Sängerin im armenischen Chor ihrer Schule und als Solistin des Ensembles "Arevik", dem sie in Rostow von 1996 bis 2004 angehörte. Erstmals künstlerisch auf eigenen Beinen stehend feierte sie 2005 Erfolge als "Die goldene Stimme von Rostow" und beim "Fünf Sterne Festival" im russischen Sotschi. Und dann ist da noch ihr Erscheinungsbild: Bereits mit 13 Jahren nahm sie an ihrem ersten Schönheitswettbewerb teil. Mit damals schon 180 Zentimetern Körpergröße trat sie gegen die erwachsene Konkurrenz an und gewann den Titel "Miss Talent".

Eva Rivas

Eva Rivas.

Talent hat beim Eurovision Song Contest noch nie geschadet und mit "Apricot Stone" hatte Eva Rivas auch einen vielversprechenden Song am Start. Das zweite Osloer Halbfinale war schnell überstanden und im Finale geschah das Unvermeidliche: Eva Rivas sammelte mit einem frischen Auftritt fleißig Länderpunkte und mit Platz sieben beendete Armenien auch seine fünfte Teilnahme in den Top 10. Spätestens mit der Verkündung dieses positiven Endergebnisses waren in Eriwan alle vermeintlichen Skandale in Vergessenheit geraten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr

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