Safura für Aserbaidschan im 2. Halbfinale des ESC.
Stand: 28.01.16 11:05 Uhr

Aserbaidschan: Safura

von Marco Lambrecht

Aserbaidschan schickte die junge Sängerin Safura mit dem Song "Drip Drop" zum 55. Eurovision Song Contest nach Oslo. Der Songtitel wäre auch ein treffende Bezeichnung für die Art und Weise, wie das Land seine Kandidatensuche organisiert hat. Tröpfchenweise informierte der zuständige Fernsehsender ITV die Grand Prix Fangemeinde über seine Pläne und hielt sie so geschickt bei der Stange. Seit Herbst 2009 wurden die Erwartungen geschürt, das fertig geschnürte Paket aber erst am 18. März 2010 der Öffentlichkeit präsentiert - zwei Tage vor dem offiziellen Bewerbungsschluss für den Contest.

Aserbaidschan: Safura - Drip Drop

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Start der Salamitaktik

Anfang September 2009 erklärte Zahra Badalbeyli, die für den Contest verantwortliche musikalische Leiterin beim aserbaidschanischen Fernsehen, dass ihr Arbeitgeber bereits ein umfangreiches internes Casting veranstaltet habe. In ihrem Interview auf der offiziellen Grand Prix Webseite eurovision.tv schränkte Badalbeyli aber gleichzeitig ein, dass die Entscheidung für Interpret und Titel nicht vor November fallen würde. Diese Einschätzung sollte sich nicht als besonders präzise erweisen.

Sechs Hoffnungsträger, aber kein Finale

Aserbaidschan: Safura © Dmitry Peretrutov Foto: Dmitry Peretrutov

Safura singt für Aserbaidschan.

Erst Anfang 2010 gingen die Verantwortlichen von ITV mit der nächsten Ankündigung an die Öffentlichkeit und setzten für den 2. Februar 2010 im Buta Palast in Baku ein Semifinale an. Mit Azad Shabanov, Elli Mishiyeva, Ulviya Rahimovas, Safura Alizadeh, Maryam Shabanova und dem Duo Milk & Kisses standen zwar die Kandidaten dieser Vorrunde fest, zur weiteren Planung herrschte aber weiterhin Stillschweigen. Aserbaidschans Delegationsleiter für den Contest, Adil Karimli, verkündete gegenüber der Presseagentur APA lediglich die Tatsachen: "Der Termin für das Finale ist noch nicht festgesetzt und die Anzahl der Finalisten ist ebenfalls noch nicht bekannt". Auf eine Begründung warteten die Medienvertreter vergeblich.

Zögernde Juroren

Im Semifinale qualifizierten sich nach dem Urteil einer Expertenjury drei Acts für die letzte Runde: Safura Alizadeh, Maryam Shabanova und Milk & Kisses. Damit standen aber nur die Interpreten fest, nicht aber die Songs fürs Finale. Diese veröffentlichte ITV erst kurz vor der Show am 2. März 2010. Von den fünf Liedern "Cancelled", "Don't Let The Morning Come", "Soulless", "Under My Skin" und "Drip Drop", die kurioserweise allesamt von schwedischen Komponisten stammten, sollten die Kandidatinnen jeweils drei interpretieren. Bei der Auswahl hinter den Kulissen fiel jedoch "Don't Let The Morning Come"in letzter Minute in Ungnade und so standen der Jury nur drei Acts und vier Songs zur Auswahl. Die Experten waren offenbar trotzdem überfordert: Zwar kürten sie Safura Alizadeh zur Gewinnerin, konnten sich aber nicht für einen Siegertitel entscheiden.

Die Kandidatin und ihr Song

Safura aus Aserbaidschan. © NDR Foto: Rolf Klatt

Safura aus Aserbaidschan.

Mit der Nominierung ließen sich die Verantwortlichen noch einmal bis zum 18. März 2010 Zeit, dann war es endlich amtlich: Safura Alizadeh sollte mit "Drip Drop", geschrieben von Stefan Örn und Sandra Bjurmann, den Eurovision Song Contest für Aserbaidschan gewinnen. Die 17-jährige Sängerin zählt in Oslo zu den jüngsten Teilnehmern, hat aber immerhin schon einmal einen Musikwettbewerb gewonnen: 2008 beendete sie Casting-Show "Yeni Ulduz" auf dem ersten Platz.

Das kreative Talent wurde ihr von kreativen Eltern quasi in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist Maler und ihre Mutter Pianistin und Modedesignerin. Bereits als sechsjährige stand Safura in selbst entworfenen Outfits auf der Bühne und träumte von einer Karriere als Sängerin. Später besuchte sie eine Musikschule und lernte Geige, das iranische Streichinstrument Kamancheh und Saxophon spielen. Bei ihrem ESC-Song "Drip Drop" kam allerdings keines ihrer favorisierten Instrumente zum Einsatz. Die Verantwortlichen in Aserbaidschan hatten sich für die dritte Teilnahme des Landes viel vorgenommen und einer modernen internationalen Pop-Produktion räumten sie die besten Siegchancen ein.

Das sahen die Wettbüros ähnlich: Bereits bevor sich Safura im zweiten Halbfinale für das Finale qualifizieren konnte, zählte sie bei den Buchmachern zu den Favoriten auf den Gesamtsieg. Die junge Sängerin war dem Druck gewachsen und zeigte im Finale eine starke Leistung, aber die Konkurrenz war einfach noch einen Tick besser. Am Ende hieß es Rang fünf für Aserbaidschan.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr

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