Belgien: Tom Dice © VRT Fotograf: Bart Muschoot

Belgien: Tom Dice

von Marco Lambrecht

Als 1956 der Eurovision Song Contest im Schweizerischen Lugano seine Premiere feierte, gehörte Belgien zu den Ländern der ersten Stunde. Heute wünscht man sich zwischen Ostende und Lüttich die gute alte Zeit zurück, als nur eine Handvoll Nationen am Contest teilnahmen. Seit die European Broadcasting Union 2004 das Semifinale einführte, um mehr Ländern die Teilnahme am Contest zu ermöglichen, bekommen die Belgier einfach kein Bein mehr auf den Boden. Fünfmal in Folge fand das Finale ohne ihre Beteiligung statt. Diese Durststrecke konnte der junge Musiker Tom Dice in Oslo endlich beenden.

Tom Dice hält seine Gitarre und singt.

Belgien: Tom Dice -Me And My Guitar

Das offizielle Video von Tom Dice: "Me And My Guitar"

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Belgischer Wunschkandidat

Die Entscheidung für den 20-jährigen Liedermacher fiel bereits im November 2009. Da hatte die anhaltende Erfolglosigkeit bei den Entscheidungsträgern bereits Spuren hinterlassen. Statt einen kostspieligen Vorentscheid zu organisieren, setzte das belgische Fernsehen zum zweiten Mal in Folge auf die Minimal-Lösung: Dice verdankt seine Grand Prix Teilnahme einem internen Auswahlverfahren.

Der Junge mit der Gitarre

Belgien: Tom Dice © VRT Fotograf: Bart Muschoot

Tom Dice.

Was qualifiziert einen jungen Sänger, der in der belgischen Kleinstadt Eeklo aufgewachsen ist und im richtigen Leben Tom Eeckhout heißt, für die anstehende Aufgabe? Die stärkste Waffe von Tom Dice ist seine Gitarre. Seine musikalische Laufbahn begann als Chorknabe, doch bereits mit acht Jahren griff er zum ersten Mal zu seinem Lieblingsinstrument. Mit Zwölf schrieb er sein erstes eigenes Lied und mit 15 wurde er Mitglied bei der Formation The Dice.

Karrierestart bei X-Factor

Seine Feuertaufe absolvierte Tom Dice aber als Solist. Bei der belgischen Variante der Casting-Show X-Factor wurde er 2008 Zweiter. Die gewonnene Popularität konnte der Sänger für einen  beachtlichen Chart-Erfolg nutzen. Seine Cover-Version des Leona-Lewis-Hits "Bleeding Love" hielt sich 14 Wochen in der belgischen Hitparade und kletterte bis auf Platz sieben. Der Erfolg bei X-Factor führte allerdings auch zum Bruch mit seiner Band. Was freilich übrig blieb, war der Künstlername Tom Dice und eine Vorliebe für akustische Gitarren.

Der belgische Blunt

Tom Dice aus Belgien © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Tom Dice aus Belgien.

"Me And My Guitar" heißt dann auch der Titel, den Tom Dice zusammen mit dem britischen Liedermacher Ashley Hicklin und belgischen Produzenten Jeroen Swinnen für den Grand Prix geschrieben hat. Wer die Premiere des Songs am 7. März 2010 im belgischen Fernsehen verfolgte, der konnte einen angenehm dahin plätschernden Popsong genießen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ nicht so sehr der Sound der akustischen Gitarre, sondern die Stimme von Tom Dice. Ohne Übertreibung darf der Sänger als die belgische Variante von James Blunt bezeichnet werden.

Im ersten Halbfinale trug die frappante Ähnlichkeit mit dem britischen Popstar und sein eigener Mut Tom Dice und bis ins Finale. Als einziger Künstler hatte er sich auf den Laufsteg in die Mitte des Publikums getraut und dort mit seinen leisen Töne genug Stimmen fürs Finale gesammelt. Dort wurde sein Auftritt zu einem unerwarteten Triumphzug - das Publikum in der Telenor Arena empfing und verabschiedete den jungen Belgier mit einem besonders stürmischen Applaus. Und die Menschen in der Halle standen mit ihrem positiven Urteil nicht allein: Televoter und Juroren wählten Tom Dice und damit ganz Belgien auf einen hervorragenden sechsten Platz.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr

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