Stand: 18.01.13 14:00 Uhr

Blitzkids mvt.: "Es ist die Zeit der Minimalisten"

Blitzkids mvt. gehören zu den zwölf Künstlern, die am 14. Februar bei "Unser Song für Malmö" in Hannover beim deutschen Vorentscheid antreten. Im Interview sprechen Sängerin Nomi und Produzent Petone über ihre Liebe zur Mode, warum weniger manchmal mehr ist und wie sie sich auf der Bühne in andere Persönlichkeiten verwandeln.

Teilnehmer

Gut gelaunte Blitzkids

Nomi, von Beruf bist du Stylistin. Gerade der ESC ist für bunte Vögel und Künstler bekannt, die sich in ihren Outfits keine Grenzen setzen. Welche Teilnehmer sind für dich echte Styling-Koryphäen?

Nomi: Loreen finde ich supertoll. Die war alleine auf einer dunklen Bühne, nicht im typischen Kostüm mit 50 Tänzern - das war super umgesetzt. Abgesehen davon, dass sie eine tolle Sängerin und der Song super ist, hat das glaube ich zu ihrem Sieg beigetragen, weil das eine so andere und atemberaubende Show war. Eine Zeit lang wollten sich alle übertreffen: hier und da noch eine Explosion, Kostümwandel auf der Bühne. Ich glaube jetzt ist eine Zeit angebrochen, in der es minimalistischer wird, was man an den letzten Gewinnern gesehen hat. Klaus Nomi wäre natürlich auch ein guter Teilnehmer gewesen, aber der ist leider schon tot.

Der Opernsänger Klaus Nomi, der für seine extravaganten Outfits bekannt war, hat dich zu deinem Künstlernamen inspiriert. Auch euer Bandname bezieht sich auf einen bestimmten Modestil.

Nomi: Ja, auf die "New Romantic"-Zeit Anfang der 1980er. Da gab es in London den Blitz Club und die Blitz Kids, die dort abhingen. Das waren Musiker wie Boy George, bekannte Leute also. Die sind extrem aufgefallen, weil sie sich sehr anders angezogen und geschminkt haben, extravagant und extrovertiert. Das ist es auch, was uns inspiriert hat. Es ging uns nicht hundertprozentig um die Musik von damals, sondern um das Freigeistige dabei: Wir können aussehen wie wir wollen, machen worauf wir Bock haben. Und auch auf der Bühne haben wir etwas zu bieten.

Warum ist es für euch wichtig, euch über die Mode auszudrücken?

Petone: Bei Nomi ist das natürlich auch das persönliche Interesse per se. Es ist uns aber grundsätzlich wichtig, nicht nur Musik zu machen, sondern auch eine audiovisuelle Show. Die Leute bekommen bei unseren Konzerten und Videos auch was zu sehen, nicht nur eine schluffige Band.

Nomi: Es macht auch einfach Spaß, in Rollen zu schlüpfen. Es ist schön sich anzuziehen, in die Rolle zu schlüpfen, dann auf die Bühne zu gehen und durchzudrehen (lacht).

Da ist der Spruch "Kleider machen Leute" ja gar nicht so falsch. Ihr werdet durch eure Outfits also zu anderen Personen?

Petone: Ja, das ist so ein kleiner An-Aus-Knopf, auf die Rolle bezogen. Das gibt einem am Ende des Tages auch mehr Freiheiten. Und im Privatleben kann man dann ein bisschen anders sein - freundlicher vielleicht, als wir auf der Bühne wirken. Wenn man unsere Videos sieht, ist es ja manchmal eher kühl und unnahbar. Eine Interviewpartnerin neulich war ganz überrascht, dass wir auch lustig und nett sind. Manchmal sogar zu viel - da könnten wir einen Comedy-Preis für bekommen.

Nomi: Bei mir unterscheidet sich schon viel. Das ist so: zipp - an - Bühne - und es geht ab. Weil ich Stylistin bin, habe ich mich natürlich immer schon für Klamotten interessiert, aber privat bin ich auch ein gemütlicher Mensch. Da gehe ich auch in Schlafanzughose und grauem T-Shirt rum und fühle mich wohl. Beruf und privat - das muss einfach getrennt sein, sonst nimmt das ja kein Ende.

Ihr wohnt in verschiedenen Städten: der eine in Hamburg, die andere in Berlin. Wie funktioniert bei euch die musikalische Zusammenarbeit?

Petone: Als Produzent bin ich eher der Mann im Hintergrund.

Nomi: Ja, er ist der Boss!

Petone: Wir entwickeln das alles zusammen, aber ich bin nicht mit auf der Bühne. Meistens sind die Beats zuerst da, aber einen generellen Schlüssel gibt es nicht. Dadurch, dass wir räumlich getrennt sind, machen wir sehr viel auch übers Internet. Es gibt dann grobe Songideen, die man sich hin- und herschickt und sich dazu die Meinung sagt. Und dann entwickelt sich über einen mehrmaligen Transfer der Song. Erst mal das Grundgerüst, dann kommt die Melodie, dann der Text.

Nomi: Mit Melodien hab ich es ganz einfach, die kommen mir sofort. Mit Texten tue ich mich dafür schwer. Daher nehme ich normalerweise erst mal alles in Quatschsprache auf. Und dann baue ich später darauf einen Text.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.02.2013 | 20:15 Uhr