Stand: 05.03.10 19:00 Uhr

Christian Durstewitz: "Ich brauche Action auf der Bühne"

Christian Durstewitz © ProSieben Foto: Willi Weber

Christian Durstewitz freut sich auf das Viertelfinale in der ARD.

Vom Provinznest Altenlotheim auf die ganz große Bühne: Eurovision.de sprach mit Christian Durstewitz über den Schock, plötzlich vor einem Millionenpublikum zu stehen, über seinen familiären Ruhepol und über die Chancen deutscher Blasmusik beim Eurovision Song Contest.

Eurovision.de: Wie geht es dir vor dem Viertelfinale? 

Christian: Gut geht es mir. Ich bin jetzt ganz gespannt, wie das heute wird mit der ARD. Heute ist der Ablauf, der sich in unseren Köpfen eingebrannt hat, ganz anders. Es gibt keine Werbung und entsprechend können wir auch während der Werbepause nicht auf Toilette, das ist am schlimmsten. Aber ansonsten bin ich sehr ruhig und freue mich total.  

Anders ist auch, dass ihr heute jeder zwei Songs singt. Wie gehst du damit um? 

Christian: Darauf bin ich auch gespannt, und ich finde das ganz toll, weil wir jetzt in einer Sendung zwei Seiten von uns zeigen können. Bei einem Song steht man für die Kritiker ja immer sehr offen da. Sie können dann sagen, dass man immer nur das eine kann.  

Du bist der Hahn im Korb heute. Der letzte verbliebene männliche Kandidat. Wie fühlst du dich zwischen den Mädels?  

Christian: Es ist viel Stolz dabei, wir haben ja eine Schönheit neben der anderen. Das ist der Wahnsinn.  

Zeigst du heute auch unterschiedliche Seiten von dir? 

Christian: Ich übernehme heute mal Leons Part als Schmuseonkel. Nein, also ich mache zwar heute auch eine Ballade, allerdings mit Rockelementen. Aber trotzdem, es ist mal was Ruhiges und eine Seite, die ich bis jetzt noch nie gezeigt habe. Meine eigene Ballade war ja etwas härter und diesmal ist es richtig gemütlich. Ich bin mal gespannt, wie das ankommt. Und dann mache ich zum Schluss noch einen eigenen Song, der wieder rockig ist. Also ich kann heute alle Seiten zeigen und bin sehr glücklich, dass ich das darf.

Ist das hier alles gerade wie im Traum für dich?

Christian: Auf jeden Fall. Ich hab das noch lange nicht realisiert. Da brauche ich noch Monate und muss mich erst mal hinsetzen und überlegen, was da gerade an mir vorbeigerattert ist. Ja genau, wie ein Traum.

Wie ist denn die Unterstützung von deiner Familie und deinen Freunden?

Christian: Sehr, sehr gut. Allerdings müssen sie sich im Moment noch zurückhalten mit der Euphorie, weil wenn ich zu Hause bin, will ich gar nichts davon hören und sehen. Ich gucke kein Fernsehen, lese keine Zeitung. Ich will dann einfach leben wie sonst auch, damit ich noch ein bisschen abschalten kann.  

Christian Durstewitz © ProSieben Foto: Willi Weber

Dein Vater ist Tenor. Warum ist es denn bei dir nicht die Klassik, sondern mehr die Pop-Rock-Schiene?

Christian: Klassik ist toll zum Hören und Entspannen, aber ich brauche schon mehr Action auf der Bühne. Ich brauche was, womit ich Party machen kann. 

Du magst es, wenn beim Eurovision Song Contest die Länder auch ihren landestypischen Sound präsentieren. Was wäre das denn für Deutschland? Blasmusik?

Christian: Auf jeden Fall, da kann man lustige Sachen draus machen. Ich meine natürlich nicht, dass man mit einer Blaskapelle auftritt, aber es wäre schon cool, wenn man typische Elemente einbaut. Wir haben ja auch den Marsch, aber das muss ja deswegen nicht gleich total konservativ klingen. Fettes Brot haben das ja auch schon mal bei "Emanuela" gemacht. Es wäre schon interessant etwas typisch Deutsches einzubauen, das aber dann ganz anders interpretiert wird. Ich hab halt immer Spaß daran, Sachen auszuprobieren.

Wie suchst du denn deine Songs aus? 

Christian: Grundsätzlich gucke ich nicht danach, was könnte beim Publikum gut ankommen oder was ist gerade in den Charts. Ich gehe nur danach, was mir am meisten liegt und wobei ich mich auch wirklich wohl fühle.  

Der zweite wichtige Punkt auf der Bühne ist neben deiner Stimme und dem passenden Song auch die Wahl deiner Outfits. Hast du Hilfe dabei? 

Christian: Das sind immer meine Klamotten, die ich von Zuhause mitbringe. Ich laufe tatsächlich immer so rum, immer so ein bisschen abgewichst, wie Stefan sagen würde. Und gerade heute habe ich eins meiner Lieblingsoutfits an, ganz bunt und ein bisschen Farbe in die ARD bringen finde ich auch ganz lustig.

Warum glaubst du, solltest ausgerecht du "Unser Star für Oslo" sein?

Christian: Das ist eine gute Frage. Das kann ich so nicht sagen. Aber ich bin musikalisch, lebensfreudig und wahnsinnig. Ich behaupte auch nicht, ich bin der Beste und ihr müsst mich unbedingt wählen. Ich kann nur sagen, wenn mich die Zuschauer wirklich wählen sollten, dann werde ich mein Land so vertreten, wie ich es immer gemacht habe. Das ist mein Ziel: Der zu sein, der ich immer war, um dann auch mit einem guten Gewissen Deutschland vertreten zu können.

Solltest du "Unser Star für Oslo" werden, gibt es etwas, das du Europa über Deutschland gern sagen würdest?

Christian: Ich denke, Europa sieht uns Deutsche immer so als dieses Biedermeiervolk, ein bisschen zurückgezogen und streng und stur. Aber ich glaube, ich könnte zeigen, dass wir auch Lebensfreude haben und dass wir Spaß haben am Leben und an der Musik. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Europa mal zu zeigen, dass wir Deutschen auch mal auf den Putz hauen und Party machen können und nicht einfach nur eine Kunstfigur auf die Bühne zu stellen.

Wir suchen ja "Unseren Star für Oslo". Hast du schon ein bisschen Starluft geschnuppert?

Christian: Es ist natürlich gruselig, dass man auf einmal erkannt wird, egal wohin man geht. Ich bin ja einer der Künstler, der wirklich vom Aussehen etwas auffälliger ist, da wird man dann schon überall angesprochen. Es ist echt wahnsinnig, was hier gerade abgeht von einer Nacht auf die andere. Aber wie gesagt, ich versuche noch im Moment, mich da etwas rauszuziehen und versuche so wenig wie möglich rauszugehen. Ich will mich einfach nur auf die Sendung konzentrieren. Ich denke, richtig extrem wird es dann, wenn ich mich mal wieder in das Getümmel stürze.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.03.2010 | 20:15 Uhr