Kuunkuiskaajat für Finnland © NDR Foto: Rolf Klatt

Finnland: Kuunkuiskaajat

von Marco Lambrecht

Im Zentrum von Helsinki schlägt das Herz der finnischen Musikszene: die Sibelius-Akademie. Der Name prangt an einem unscheinbaren Gebäude, aber hinter der grauen Fassade aus Beton und Glas ist Finnlands einzige Musikhochschule beheimatet. Benannt nach dem finnischen Komponisten Jean Sibelius, ermöglicht die Akademie ihren Studenten eine intensive musikalische Ausbildung. Zu den Musikern, die das Gütesiegel der exklusiven Institution tragen, gehören auch Susan Aho und Johanna Virtanen.

Finnland: Kuunkuiskaajat - "Työlki ellää"

Ihr Name bedeutet Mondflüsterinnen. Ins Finale konnten sich die elfengleichen Finninen in Oslo aber nicht singen. Vielleicht hätten sie flüstern sollen.

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Siegreiche Mondflüsterinnen

Finnland: Kuunkuiskaajat © Lehtikuva Foto: Mikko Stig

Finnland: Kuunkuiskaajat.

Die Konkurrenz war also gewarnt, als die Künstlerinnen unter dem Namen Kuunkuiskaajat zum Finale des finnischen Vorentscheids in Tampere antraten. Übersetzt bedeutet der Bandname "Die Mondflüsterinnen", aber mit Leisetreten gewinnt man kein Ticket zum Eurovision Song Contest. Und so hatten Susan Aho und Johanna Virtanen in Kollaboration mit dem Komponisten Timo Kiiskinen für den Vorentscheid am 30. Januar 2010 eine ebenso schwungvolle wie siegreiche Nummer vorbereitet.

Mit dem Original nach Oslo

"Työlki ellää" ist ein Folksong, dessen Melodie abwechselnd vom zweistimmigen Gesang des Duos und Susan Ahos Akkordeon-Spiel getragen wird. Würden Kuunkuiskaajat nicht unverkennbar auf Finnisch singen, könnte der ungeschulte Zuhörer schnell dem Irrtum erliegen, der rhythmische Song stamme vom Balkan. Das birgt bei einem Länder übergreifenden Wettbewerb wie dem Eurovision Song Contest natürlich Gefahren. Um nationalen Verwechselungen bei der Punktevergabe vorzubeugen, werden Susan Aho und Johanna Virtanen "Työlki ellää" in Oslo in der Originalfassung präsentieren. Dies bestätigte der finnische Fernsehsender YLE unmittelbar nach dem Sieg von Kuunkuiskaajat in einer Pressemitteilung.

Karriere mit finnischer Weltmusik 

Kuunkuiskaajat singen für Finnland. © YLE Foto: Mikko Brandt

Kuunkuiskaajat singen für Finnland.

Ihren Erfolg verdanken Susan Aho und Johanna Virtanen aber nicht ausschließlich ihrer Ausbildung am Institut für Volksmusik an der Sibelius-Akademie. Ihre gesangliche Harmonie ist das Resultat jahrelanger Zusammenarbeit. Zwar treten die beiden Musikerinnen erst seit 2008 als Duo auf, ihre gemeinsame musikalische Karriere beginnt jedoch fast sieben Jahre früher. 2001 wird Johanna Virtanen als Sängerin bei Värttinä aufgenommen, eine finnische Folk-Gruppe, der Susan Aho bereits seit 1998 angehört. Zusammen mit Mari Kaasinen, die 1983 zu den Gründungsmitglieder von Värttinä zählte, sind sie bis heute verantwortlich für den charakteristischen, vielstimmigen Gesang der unter Freunden der Weltmusik legendären Formation.

Die Theorie wurde den Musikerinnen an der Sibelius-Akademie eingebläut, die harte Schule der Praxis haben sie bei unzähligen Live-Auftritten und Studio-Sessions für Värttinä durchlaufen. Das schweißt zusammen und so überrascht es nicht, dass Johanna Virtanen die Erfolgsformel von Kuunkuiskaajat auf einen einfachen Satz reduziert: "Wir sind praktisch wie Schwestern."

Ganz in weiß traten Kuunkuiskaajat im Osloer Halbfinale auf und brachten den Saal mit "Työlki ellää" zum Schunkeln und Mitklatschen. Weiß entpuppte sich als Farbe der Trauer, als die Finninnen bei der Bekanntgabe der zehn Finalisten völlig überraschend außen vor blieben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr