Dustin the Turkey aus Irland © EBU

Irland: Dustin the Turkey

Mit sieben Siegen ist Irland die erfolgreichste Nation des Eurovision Song Contest. Als Gewinnerland streicht man aber nicht nur Ruhm und Ehre ein, sondern erbt auch das Privileg, den Contest im Folgejahr organisieren zu dürfen. Den Verantwortlichen des irischen Fernsehsenders RTE wird seit der letzten Siegesserie in den 90er Jahren nachgesagt, sie hätten keine große Lust mehr darauf, die Gastgeber zu spielen: Jede Endrunde sei für den kleinen Sender eine finanzielle Zerreißprobe gewesen. Wie auch immer: Die vielen Schlagzeilen und die große Aufmerksamkeit, die Dustin the Turkey schon Wochen vor dem ESC auf sich zog, haben nicht geholfen, der Truthahn scheiterte im ersten Halbfinale.

Wollen die Iren also nicht mehr gewinnen? Schickten sie deshalb einen jungen Mann namens Johnny Morrison zur Endrunde nach Belgrad, von dem man eigentlich nur weiß, dass er einen deftigen Dubliner Akzent hat und seine rechte Hand vorzugsweise in eine hässliche Truthahnpuppe steckt, die auf den Namen "Dustin the Turkey" hört? Und passt nicht auch das miserable Abschneiden von Derwish 2007 in Helsinki genau ins Bild? Der letzte Platz des Folksongs "They Can't Stop The Spring" war für RTE musikalisch eine Katastrophe, aber vielleicht aus buchhalterischer Sicht ein Erfolg.

Keine irische Verschwörung

"Dustin the Turkey" beim irischen Vorentscheid 2008. Die Handpuppe tritt für Irland beim Eurovision Song Contest an.

In Sachen Performance steht der Truthahn den Kandidaten der anderen Länder in nichts nach - auch wenn er lieber andere tanzen lässt.

Bei genauerer Betrachtung löst sich diese Verschwörungstheorie, wie die meisten ihrer Art, schlicht in Wohlgefallen auf. Beispielsweise schickte Irland 2006 nach einer internen Auswahl Brian Kennedy ins Rennen. Mit "Every Song Is A Cry For Love", dem tausendsten Beitrag in der Geschichte des Grand Prix, holte der renommierte Singer und Songwriter in Athen immerhin Platz zehn. Wer freiwillig verlieren will, schickt kein Schwergewicht des nationalen Showbiz in den Wettbewerb.

Seit die schräge Handpuppe 1990 zum ersten Mal im irischen Kinderprogramm "The Den" auftauchte, hat sie fast alle anderen Charaktere und Moderatoren der Sendung überlebt. In seiner 18-jährigen Karriere entwickelte sich der Truthahn in Irland zu einem Bollwerk gegen die Political Correctness. Mit der Stimme von Johnny Morrison zieht der Vogel Stars, Politiker und selbst seinen Haussender RTE genüsslich durch den Kakao. Für seine musikalischen Ausflüge sicherte sich Dustin in der Vergangenheit immer wieder prominente Schützenhilfe von musikalischen Größen wie Chris de Burgh, Bob Geldof oder Boyzone - mit enormen Erfolg. Welcher Truthahn kann sein Nest schon mit 25 Platinalben schmücken?

Sieger von sechs

Für den irischen Vorentscheid am 23. Februar war Dustin the Turkey also durchaus ein Künstler erster Wahl, wenn auch keiner aus Fleisch und Blut. Mit seinem Eurodance-Song "Irlande douze points" musste die Truthahnpuppe in der Konzerthalle der Universität von Limerick gegen fünf Konkurrenten antreten und über Sieg und Niederlage entschieden nicht etwa gebriefte Juroren, sondern die Televoter.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 24.05.2008 | 21:00 Uhr