Noa & Mira Awad beim ESC 2009 in Moskau © NDR Foto: Rolf Klatt

Israel: Noa & Mira Awad

Unpolitisch waren die ESC-Beiträge aus Israel bisher nur sehr selten, meist handelten die Titel von dem Wunsch nach Frieden und Versöhnung. Dass dieses Thema vielen Israelis unter den Nägeln brennt, ist angesichts des täglichen Terrors zwischen Juden und Palästinensern in dem nahöstlichen Land nur allzu verständlich. Doch diesmal wollte der israelische TV-Sender IBA offenbar ein besonders deutliches Zeichen setzen und schickte mit Noa & Mira Awad erstmals ein jüdisch-arabisches Duo in den Kampf um Länderpunkte. Der ganz große Erfolg blieb allerdings aus, die beiden landeten im Finale nur auf dem 16. Platz.

Israel: Noa & Mira Awad: "There Must Be Another Way"

Eurovision Song Contest

Das arabisch-jüdische Duo setzt mit dem Titel "There Must Be Another Way" ein klares Statement. Im Moskauer Finale ernteten sie dafür aber nur Platz 16.

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Der Titel "There Must Be Another Way" mag nicht sehr originell klingen, ist aber angesichts des nicht enden wollenden Konfliktes zwischen Juden und Arabern schon ein deutliches Statement. Kein Wunder also, dass Staatspräsident Shimon Peres persönlich dem Duo nach der Wahl ihres Songs für Moskau dankte und ihren Einsatz für den Frieden in Israel lobte.

Gemeinsam ein Zeichen für den Frieden setzen

Noa und Mira Awad für Israel im Finale des ESC 2009 © NDR Foto: Rolf Klatt

Noa und Mira Awad für Israel im Finale des ESC 2009.

Mit Noa und Mira Awad griff Israel in diesem Jahr auf zwei etablierte und überaus erfolgreiche Künstlerinnen zurück, die sowohl in der jüdischen als auch in der arabischen Welt respektiert und anerkannt sind. Die dunkelhaarige Schönheit Noa ist in Israel auch unter ihrem eigentlichen Namen Achinoam Nini bekannt und gilt aufgrund ihres längjährigen internationalen Erfolges als die Stimme Israels. Sie eroberte die berühmtesten Bühnen der Welt, von der New Yorker Carnegie Hall bis zum Jazz Festival in Montreux. Die schier unendliche Liste ihrer Duettpartner liest sich wie das Who-is-Who der anspruchsvollen Musikszene, von Sting und Stevie Wonder über Sheryl Crow und George Benson bis zu Santana und Al Dimeola. In Deutschland dürfte sie dem einen oder anderen auch durch ihre Zusammenarbeit mit Peter Maffay ein Begriff sein.

Die 1969 in Tel Aviv geborene jemenitische Jüdin wuchs in New York auf und kehrte als 17-Jährige nach Israel zurück, wo sie an der Rimon School Musik studierte. Gemeinsam mit ihrem damaligen Partner, dem Jazz- und Rockmusiker Gil Dor, startete sie eine unvergleichliche Karriere, schrieb hunderte Songs und begeisterte Fans in aller Welt mit ihrem einzigartigen Sound. Inzwischen geht sie sehr erfolgreich ihre eigenen Wege. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit Jahren in der israelischen Friedensbewegung aktiv.

Gegen Vorurteile und Widerstände durchgesetzt

Mira Awad und Noa © Ronen Akerman

Mira Awad und Noa.

Weit weniger glamourös und geradlinig verlief die Karriere von Mira Anwar Awad, die als Tochter eines Palästinensers und einer Bulgarin 1975 in einem arabischen Dorf im Norden Israels geboren wurde. Zwar studierte auch sie Musik an der bekannten Rimon School und schrieb fleißig ihre eigenen Songs, doch bekam sie jahrelang als Palästinenserin mit arabischen Songs keinen Fuß in die Tür der israelischen Plattenfirmen und Radiostationen. Sie wurde zunehmend frustrierter, da die Absagen nichts mit ihrer Musik zu tun hatten, sondern ihr immer wieder erklärt wurde, dass es an der arabischen Sprache läge, die den israelischen Hörern Angst machen würde.

Entmutigt konzentrierte sie sich auf ihr zweites Standbein, die Schauspielerei. Zurzeit spielt sie die Hauptrolle in "My Fair Lady" am Hakameri Theater in Tel Aviv und wurde kürzlich für die TV-Serien "Arab work" und "Noah's Ark" engagiert. Der Durchbruch als Sängerin kam nach einem Duett mit Noa auf deren Album "Now". Gemeinsam sangen sie den Beatles-Song "We Can Work It Out" als Statement für die Friedensbewegung.

Noa & Mira Awad © Ronen Akerman

Noa und Mira beschreiten neue Wege in der israelischen ESC-Geschichte.

Doch der Traum, ihre eigene Musik zu machen, ließ ihr keine Ruhe. Sie veröffentlichte einige arabischen Songs auf ihre MySpace-Seite und war plötzlich in aller Munde. Der Erfolg ermutigte sie, weiter ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen und inzwischen steht ihr arabisches Debütalbum "Bahlawan" kurz vor der Veröffentlichung. Mira ist eine glaubwürdige und stolze Repräsentatin der palästinensischen Minderheit Israels und gemeinsam mit Noa beschreitet das Duo tatsächlich neue Wege in der israelischen ESC-Geschichte. Einen etwas größeren Erfolg als den 16. Platz hätten die beiden sich wohl schon erhofft.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 16.05.2009 | 21:00 Uhr

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