Ensemble Roka Žlindra & Kalamari aus Slowenien im Halbfinale. © NDR Foto: Rolf Klatt

Slowenien: Ensemble Roka Žlindra & Kalamari

von Marco Lambrecht

Wer als Musiker beim Eurovision Song Contest ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen will, der muss sich einer ganzen Heerschar von Zahlen unterwerfen. Maximal sechs Künstler dürfen auf der Bühne stehen, 16 ist das Mindestalter für alle Interpreten und ein Song darf nicht länger als drei Minuten sein. Doch wer denkt, dass Reglement sei eindeutig, der hat die Rechnung ohne Slowenien gemacht. Das Land schickt in diesem Jahr quasi zwei Bands und zwei Songs gleichzeitig zur Endrunde nach Oslo.

Ensemble Roka Žlindra & Kalamari © RTV Slovenia Foto: Ziga Culiberg

Slowenien: Ensemble Roka Žlindra & Kalamari - Narodnozabavni Rock

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Ungefährdeter Sieg

Verantwortlich für den Coup sind die Zuschauer des slowenischen Vorentscheids EMA, der am 21. Februar 2010 in Ljubljana über die Bühne ging. Nach einer Kontroverse um das Abstimmungsverhalten der Jury im vergangenen Jahr verzichteten die Organisatoren diesmal auf die Expertenmeinung und legten das Schicksal der 14 Interpreten komplett in die Hände des Publikums. Mit mehr als viermal so vielen Stimmen wie der Zweitplatzierte ging schließlich die Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Ensemble Roka Žlindra und der Formation Kalamari als überwältigender Gewinner aus dem Televoting hervor.

Das Beste aus zwei Welten?

Ensemble Roka Žlindra & Kalamari vertreten Slovenien beim ESC 2010. © RTV Slovenia

Ensemble Roka Žlindra & Kalamari.

Was aber macht die durchaus übliche Kooperation zweier Bands in diesem Fall zu etwas Besonderem? Die Antwort gibt ihr Titel "Narodnozabavni Rock". Ins Deutsche übersetzt heißt er "Nationale Unterhaltungsrockmusik" und seine volkstümlichen Akkordeon-Passagen brächten alle Fans des Musikantenstadls zum Schunkeln. Wären da nicht die Ausreißer mit verzerrter Gitarre in Richtung Rockpalast. Beide Bands bringen unverkennbar ihren eigenen Stil ein.

Die Volksmusikanten

Für die Volksmusik bei "Narodnozabavni Rock" ist das Ensemble Roka Žlindra zuständig. Kopf und Namensgeber des im September 2005 gegründeten Quartetts ist Rok Žlindra am Akkordeon. An der akustischen Gitarre steht Nejc Drobnič und den Kontrabass spielt Rok Modic. Den Gesang der drei Herren komplettiert die weibliche Stimme von Barbara Ogrinc. Vor ihrem Sieg beim slowenischen Vorentscheid feierte das Ensemble seine Erfolge ausschließlich bei volkstümlichen Veranstaltungen. So gewann die Gruppe 2008 beim 33. Internationalen Festival der Volksmusik von Graška Gora den Publikumspreis. Besonders erwähnenswert auch ihr Sieg bei dem renommierten slowenischen Wettbewerb "Polka und Walzer" im Jahr 2009.

Die Rockmusiker

Slowenien: Ensemble Roka Žlindra & Kalamari © RTV Slovenia Foto: Ziga Culiberg

Slowenien: Ensemble Roka Žlindra & Kalamari.

Der Werdegang von Kalamari, der bereits 1993 begann, ist naturgemäß mit weniger Trophäen gepflastert. Wahre Rockbands stehen im Studio oder auf der Bühne eines Clubs anstatt an Musikwettbewerben teilzunehmen. Eine Ausnahme machten Kalamari zur Veröffentlichung ihres dritten von insgesamt sieben Alben: Mit ihrem Hit "V vetru rdečih zastav " - auf Deutsch "Rote Fahnen im Wind" - traten sie 1999 beim Slowenischen Pop Song Festival an und wurden Zweite. Für den Songtext gab es sogar den ersten Preis.

Den harten Kern von Kalamari bilden seit den Anfängen Frontmann Jože Jež Pepi und Gitarrist Matjaž Švagelj. Und diese beiden sind es auch, die zusammen mit den vier Mitgliedern des Ensembles Roka Žlindra nach Oslo fahren. Sie müssen ohne ihre aktuellen Bandkollegen Boštjan Tršar und Egon Prinčič das rockige Kontrastprogramm bei "Narodnozabavni Rock" bestreiten, denn bei einem Grand Prix Auftritt lassen sich zwar ganz legal in drei Minuten zwei Songs unterbringen, aber auf die Bühne dürfen immer nur sechs Musiker - Reglement bleibt Reglement.

Die Verlierer

Das Regelwerk in Oslo sah außerdem vor, dass nur zehn Kandidaten das zweite Halbfinale überstehen dürfen. Weder das Ensemble Roka Žlindra noch Kalamari hatten offenbar das Zeug,die europäischen ESC-Fans von ihrer Kunst zu überzeugen. Mit der "Nationalen Unterhaltungsrockmusik" gab es kein Wiedersehen im Finale.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr