Gipsy.cz aus Tschechien  Foto: Rolf Klatt

Tschechien: Gipsy.cz

Balkanpop? Melodischer Rock? Hip-Hop oder Ska? Was genau Gipsy.cz bei ihrem Beitrag für Tschechien produzieren, passt in keine musikalische Schublade. Macht nichts: Die unbändige Energie, mit der das Quartett aus Prag auftritt, reisst jeden Chansonmuffel aus der Frühjahrslethargie. Der Titel "Aven Romale" (Kommt, Sinti und Roma) wirbt beherzt für mehr Verständnis für die Volksgruppe der Sinti und Roma, zu der die Bandmitglieder gehören und die in Europa die größte Minderheit stellen. Allen voran kämpft der populäre und selbstbewusste Band-Gründer Radoslav "Gipsy" Banga für mehr Stolz auf seine Herkunft. Banga hat bis zu seinem 13. Lebensjahr selbst auf den Straßen von Prag gelebt.

Tschechien: Gispsy.cz - "Aven Romale"

Eurovision Song Contest

"Listen to the song and free your frozen mind. And let the colours all behind": Für Gipsy.cz und ihren bunten Mix mit Botschaft blieb es beim Auftritt im Halbfinale in Moskau.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Freddy Mercury von der Straße

Wie im Video zu "Aven Romale" inszenierte er sich auch beim Eurovisionsauftritt ziemlich schräg und selbstironisch. Im quietschroten Supermannkostüm, mit den Initialien SG für "Supergipsy", sprang, tanzte und flatterte er über die Bühne und sang in einem Crossover aus Queens "Bohemian Rapsody" und aus Balkanpop: "Listen to the song and free your frozen mind. And let the colours all behind". Zu Deutsch in etwa: "Höre das Lied und befreie deine festgefrorenen Vorstellungen. Und lass die Farben aus dem Spiel".

gipsy.cz im ersten Halbfinale für Tschechien © NDR Foto: Rolf Klatt

Gipsy.cz im ersten Halbfinale für Tschechien.

Der Text ist auf Englisch, Romani und Tschechisch gehalten. Nebenbei persiflierte Banga augenzwinkernd sein offensichtliches Vorbild, Queens Leadsänger Freddy Mercury. Vielleicht war das für das ESC-Publikum doch ein bisschen zu viel - im Finale wollte es die Band nicht noch einmal sehen.

Zwei Anläufe auf den Grand Prix

Eurovisionsfans kennen die 2006 gegründete Formation, seitdem diese 2007 einen Anlauf auf den Eurovision Song Contest unternahm und mit "Muloland" beim tschechischen Finale unter den Top 3 landete, nur eben nicht auf Platz eins. Ein Jahr später erging es ihnen mit "Benga Beating" ebenso. In diesem Jahr repräsentierten nebst Supergipsy Banga der Violinist Vojta Lavicka und die Geschwister Peter und Jan Surmaj (Gitarre und Kontrabass) die Tschechische Republik, die im ersten Halbjahr 2009 die EU-Ratspräsidentschaft inne hat.

Keine Angst vor der großen Bühne

Gipsy.cz © Ceská televize

Gipsy.cz

Kein Finale also für Gipsy.cz. Und dabei haben die Prager zuhauf Liveerfahrung gesammelt: Die Band ist mit zwei Studioalben durch Großbritannien, Frankreich und Portugal getourt, in der MTV-Heavy-Rotation gelandet, hat Preise als Beste Newcomerband erhalten und ist mit Hits wie "Romano Hip Hop" in Deutschland ("Karneval der Kulturen") und Korea aufgetreten. Banga ist zudem häufig zu Gast beim Berliner Radiosender für Weltmusik Radio Multikulti.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 16.05.2009 | 21:00 Uhr

ESC Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.eurovision.de/teilnehmer/Tschechien-Gipsycz,gipsycz107.html