3+2 singen für Weißrussland © EBU Foto: Alain Douit
Stand: 23.03.10 12:54 Uhr

Weißrussland: 3+2

von Marco Lambrecht

Beim 55. Eurovision Song Contest wurde Weißrussland von der Formation 3+2 vertreten. Die Gruppe trat am 25. Mai 2010 mit der Ballade "Butterflies" im ersten Halbfinale an und qualifizierte sich die Runde der letzten 25. Im Finale am 29. Mai bekam ihr Titel 18 Länderpunkte und somit endete das Abenteuer Grand Prix für das Quintett auf dem vorletzten Platz. Soweit die Fakten - interessanter ist das komplizierte Drama, das sich 2010 bei der weißrussischen Kandidatensuche abgespielt hatte.

Die Gruppe 3+2 © BTRC

Weißrussland: 3+2 - Butterflies

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Nach ihrem wenig erfolgreichen Ausflug in die Basisdemokratie vom vergangenen Jahr scheuten die Organisatoren des weißrussischen Staatsfernsehens BTRC das Risiko. Der beim Eurofest vom Fernsehvolk gewählte und mit hohem Erwartungen nach Moskau entsandte Petr Elfimov musste bereits nach dem Halbfinale die Koffer packen. Als die BTRC-Verantwortlichen noch ihre Optionen abwägten, erhielten überraschend die Kollegen des zweiten Staatssenders ONT aus höheren Regierungskreisen den Auftrag, einen geeigneten Kandidaten zu finden.

Kurzer Blick ins Regelwerk

Weißrussland: 3+2 © BTRC

Weißrussland: 3+2

Das Machtwort der Regierung war nicht ganz unproblematisch. Voraussetzung für die Teilnahme beim Grand Prix ist die Mitgliedschaft einer nationalen Fernsehanstalt in der European Broadcasting Union (EBU). Als ONT das Ruder übernahm, gehörte die Anstalt nicht zur EBU-Familie. Trotzdem stürzten sich die neuen Organisatoren in die Arbeit, nur um im Dezember 2009 vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Die ersten Runden des Vorentscheids "Musikgericht" waren bereits über den Bildschirm gelaufen, als die EBU dem Sender die Aufnahme verweigerte.

Das Musikgericht

Diese Entscheidung stürzte Weißrussland ins Grand Prix Chaos: Während ein Sprecher von BTRC Anfang 2010 verkündete, dass der weißrussische Kandidat intern ausgewählt werden solle, startete bei ONT die zweite Staffel des inoffiziellen Vorentscheids "Musikgericht". Als die Gruppe 3+2 dort ihren ersten Auftritt absolvierte, verdichteten sich die Gerüchte, dass die Formation das Ticket nach Oslo bereits in der Tasche habe - unabhängig von ihrem Abschneiden. Die Spekulationen sollten sich am 25. Februar 2010 bewahrheiten, als das Auswahlkomitee des Senders BTRC die Band offiziell nominierte. Zum endgültigen Abschluss kam die Kandidatensuche aber erst ein paar Wochen später, als der ursprünglich ausgewählte Song "Far Away" durch die Ballade "Butterflies" ersetzt wurde.

Fünf junge Vollblutmusiker

3+2 singen für Weißrussland © ONT

3+2 singen für Weißrussland

Somit endete das Kompetenzgerangel zweier Sender mit einem salomonischen Urteil: BTRC wählte mit 3+2 eine Formation, die von ONT nur für einen Zweck zusammengestellt worden war: um beim Grand Prix auf die Jagd nach Länderpunkten zu gehen. Und dies sind die Bandmitglieder: Alyona und Ninel Karpovich, die 1985 in Minsk als eineiige Zwillinge zur Welt gekommen sind, haben in ihrer Geburtsstadt die staatliche Musikakademie besucht und sind Mitglieder des Orchesters des weißrussischen Präsidenten. Im selben Ensemble zeichnete sich ihre Kollegin Yulia Shishk als Solistin aus. Die 21-Jährige ist außerdem Absolventin der Musikschule in Hrodna und studiert derzeit Musik an der Staatsuniversität für Kultur in Minsk.

Fehlen noch die beiden Frontmänner: Egiazar Farashyan wurde in Armenien geboren, zog aber mit fünf Jahren nach Weißrussland. Nach einem Zwischenspiel an der Kunstschule von Homel  entschied sich der 21-Jährige für ein Musikstudium an der bereits erwähnten Staatsuniversität. Zu den Minsker Studenten gehört auch Artyom Mihalenko, der mit 20 Jahren das jüngste Mitglied von 3+2 ist. Er ist ebenfalls Mitglied im Orchester des weißrussischen Präsidenten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr

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