Jon Lilygreen & The Islanders aus Zypern im Halbfinale. © NDR Foto: Rolf Klatt

Zypern: Jon Lilygreen & The Islanders

von Marco Lambrecht

Wer den Eurovision Song Contest als einen Musikwettstreit unter vielen abstempelt, bei dem der Sieger alles und der Verlierer nichts zählt, der wird der altehrwürdigen Veranstaltung nicht gerecht. Vielmehr ist der Contest auch ein Instrument der Völkerverständigung. Und kein Kandidat für Oslo verdeutlichte dies 2010 mehr als Jon Lilygreen.

Zypern: Jon Lilygreen and The Islanders - Life Looks Better In Spring

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Musiktalent aus Newport

Die Heimat des Singer-Songwriters ist die walisische Hafenstadt Newport. Mit ein bisschen gutem Willen kann man den 22-Jährigen neben der exotischen "Transporter Bridge", einer sogenannten Schwebefähre, die von 1906 bis 2008 Mensch und Maschine über den Fluss Usk befördert hat, als eine der lokalen Sehenswürdigkeiten bezeichnen. Mit seiner Gitarre hat Jon Lilygreen unzählige Gigs in den Clubs der Stadt absolviert und mit seiner ausgefeilten Tapping-Technik die Musikfans unter den knapp 140.000 Einwohnern von Newport begeistert. Sein Talent ist somit unbestritten, aber eine solide Ausbildung hat noch keinem geschadet. Deshalb hat Jon Lilygreen seinen Abschluss am örtlichen Coleg Gwent College in den Fächern Gesang, Gitarre und Komposition gemacht.

Von Wales nach Zypern

Jon Lilygreen & The Islanders

Jon Lilygreen & The Islanders.

Wie aber verschlägt es einen Waliser zum Vorentscheid auf Zypern? Die offiziellen Quellen des zypriotischen Fernsehens gehen wenig ins Detail, aber Tatsache ist, dass Nassos Labrianidis und Melis Konstantinou auf die Kunst von Jon Lilygreen aufmerksam geworden sind. Die beiden Komponisten hatten mit der Ballade "Life Looks Better In Spring" einen viel versprechenden Song - und weil sie auf Zypern geboren sind, erfüllten sie eine wichtige Teilnahmebedingung für die zypriotische Qualifikation. Fehlte nur noch der richtige Künstler, um im Vorentscheid auf dem ersten Platz zu landen.

Erste Wahl beim Vorentscheid

Kurzerhand wurde Jon Lilygreen mitsamt seiner Gitarre für den Vorentscheid eingeflogen und enttäuschte seine Entdecker nicht. Unterstützt von einer international besetzten Begleitband mit Musikern aus Zypern, Norwegen, Wales und Schottland ließ er den Boygroup-Sound der 90er wieder auferstehen. Televoter und Juroren vergaben für "Life Looks Better In Spring" jeweils Bestnoten, und es beugte sich selbst ein ausgewiesener Grand Prix Veteran dem walisischen Import: Constantinos Christoforou hatte Zypern 1996 und 2005 als Solist sowie 2002 als Mitglied der Gruppe One beim Contest vertreten. Diesmal gab er sich mit Rang zwei zufrieden, aber was tut man nicht alles im Namen der Völkerverständigung.

Kein guter Frühling

Jon Lilygreen & The Islanders

Jon Lilygreen & The Islanders.

Wenn sich Constantinos Christoforou die Endrunde von Oslo angeschaut hat, wird er sich sicherlich gefragt haben, ob er vielleicht doch besser abgeschnitten hätte. Zwar schaffte es Jon Lilygreen gerade noch als Zehnter des zweiten Halbfinales ins Teilnehmerfeld des Finales. Dort blieb der junge Waliser in den Diensten Zyperns aber blass. Zwar gab es zwölf Punkte aus Griechenland, aber der Rest Europas hielt sich bedeckt. Platz 21 mit insgesamt 27 Punkten - mehr war für "Life Looks Better In Spring" beim 55. Eurovision Song Contest nicht zu holen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr