Stand: 07.03.2014 18:06 Uhr  | Archiv

"Kunst und Musik hängen für mich zusammen"

Dein erstes Album hast du mit Alex Silva, Hitproduzent von Herbert Grönemeyer, aufgenommen - und er ist damals auf dich zugekommen. War das für dich eine große Ehre?

Das Gezeichnete Ich: Ja, das war für mich auf jeden Fall der Startschuss und hat mir gezeigt, dass es richtig ist, was ich da mache. Am Anfang habe ich ja einfach rumprobiert und gesagt: Ist mir egal, ich kündige meinen Job und mach' jetzt nur noch Musik, sonst bringe ich mich um. Das war der Ausgangspunkt. Da war es natürlich toll, dass dann jemand kam und gesagt hat: Das ist gut! Das hatte mir bis dahin noch niemand gesagt. Und als es ausgerechnet Alex Silva war dachte ich, dass es ja nicht so verkehrt sein könnte. Es ist eben nicht so, dass man lieber etwas Anständiges machen sollte. Lieber etwas Unanständiges machen - das war dann meine Devise. Ich bin Alex Silva sehr dankbar, dass er das erste Album mit mir gemacht hat und mich durch das erste Ziel-Törchen gelotst hat.

Gab es denn viele Leute, die den Kopf geschüttelt haben als du gesagt hast, du machst jetzt Musik?

Das Gezeichnete Ich: Nein, ich war immer Musiker und habe in Bands gespielt, aber ich habe es eher geheimgehalten. Ich hatte immer auch Freundeskreise, die nichts davon wussten. Ich habe das einfach nirgends hingetragen, wo es meiner Meinung nach nicht hingehörte. Meine engsten Freunde wissen natürlich, dass ich noch viele andere Dinge mache. Aber Musik war schon immer ein starker Teil - und irgendwann hab ich eben gesagt: Jetzt mache ich das zu 100 Prozent.

Gibt es jemanden, mit dem du in Zukunft gerne mal zusammenarbeiten würdest, einen "Traumpartner" quasi?

Das Gezeichnete Ich: Ja, die gibt es! Aber das ist alles utopisch. Ich würde gerne mal mit Pharrell Williams oder Kanye West arbeiten, das sind Leute, die mich interessieren, die super kreativ sind. Oder auch Bon Iver. Aber das ist natürlich ein ganz anderer Markt. In Deutschland mache ich lieber mein Ding. Einen gibt es aber doch: Zedd, ein ausgezeichneter junger Musiker, gerade hat er den Grammy gewonnen. Den habe ich letztes Jahr für mich entdeckt und fand ihn sofort klasse. Als ich erfahren habe, dass er aus Deutschland kommt, war ich fast ein bisschen stolz (lacht).

Was sind deine ersten Erinnerungen an den ESC?

Das Gezeichnete Ich: Das war Nicole mit "Ein bisschen Frieden", das schlummert irgendwo. Danach hat man zwar jedes Jahr mitbekommen, dass der ESC stattfindet, aber an die ganz frühen Sachen kann ich mich kaum noch erinnern. Außer an Euphoria, das war wirklich ein super Song.

Gab es denn für dich keine Rituale rund um den ESC, habt ihr den nicht mal zusammen geguckt?

Das Gezeichnete Ich: Nein, man hat es zwar geguckt und sich dann angerufen und gefragt: Hast du das gerade gesehen? Oder: Guck dir das mal, das ist ja total bescheuert. Als Stefan Raab mitgemacht hat, habe ich das auch wahrgenommen, aber zusammen angeschaut haben wir den ESC nicht. Aber das mache ich beim Fußball auch nicht, vielleicht falle ich da ein bisschen raus.

Naja, und dieses Jahr hast du ja eh keine Zeit, es im Fernsehen zu verfolgen ...

Das Gezeichnete Ich: Nein, dieses Jahr bin ich mittendrin und dabei … (lacht)

Was sind deine Erwartungen an den Vorentscheid, hast du welche?

Das Gezeichnete Ich: Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich nüchtern an die Sache rangehe, aber ich habe auch keine großen Erwartungen. Ich freu' mich eher drauf. Freue mich, diesen Song zu singen und bin gespannt, ob ich ihn gut singe. Das ist ein unglaublich anspruchsvolles Stück, für einen ausgebildeten Tenor fast unsingbar. Das treibt mich eher um - ob ich das geil hinbekomme. Erwartungen habe ich keine, was sollte ich auch erwarten? Dass man nach Kopenhagen kommt und das schafft? Das schlummert vielleicht tief in mir, aber ich möchte nicht den ersten Schritt vor dem zweiten machen.

Du triffst da ja gleich auf einige "alte Bekannte" vom Bundesvision Song Contest. Willst du es denen jetzt mal so richtig zeigen? Vor allem Unheilig, der das Ding damals gewonnen hat?

Das Gezeichnete Ich: (lacht) Ja, dem würde ich es gerne mal so richtig zeigen. Nein, ich freue mich einfach, dass er das alles geschafft hat. Er hat mich ja auch netterweise schon mal auf Tour mitgenommen. Unheilig ist ein ganz netter Typ, der es zu recht so weit geschafft hat. Ich halte es auch nicht wirklich für eine Niederlage. Wir haben uns beide präsentiert und die Leute fanden sein Ding besser. Das ist eine demokratische Entscheidung. Und die wünsche ich mir auch vom Vorentscheid. Wir sind alle auf der gleichen Bühne, haben alle ungefähr die gleichen Bedingungen und jetzt sollen die Leute entscheiden, welchen Song sie am besten finden. Sie sollen mit dem Herzen entscheiden und der beste Song gewinnt die Olympiade - das würde mir reichen.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Kathrin Otto für eurovision.de.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.03.2014 | 20:15 Uhr