LaBrassBanda: "Die Vorurteile aus dem Weg räumen"

Andreas Hofmeier von LaBrassBanda spielt seine Tuba. © NDR / Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Andreas Hofmeier spielt in der Band die Tuba und gibt internationale Workshops.

Musikalisch seid ihr ja aus den USA beeinflusst: Von ursprünglichen Brass Bands aus New Orleans und neueren Projekten wie der Youngblood Brassband. Wie seid ihr auf diese Musik gestoßen?

Stefan: Das hat sich ergeben, weil wir zuerst in kleiner Besetzung in Clubs gespielt haben. Und vor sieben Jahren war Balkan und Brass Musik einfach ganz hip. Im Club in unserer Ortschaft hat es eine Weltmusik-Tanzszene gegeben, da haben wir ganz früh verrückte Musikstile gehört: palästinensischen HipHop oder Balkan-Beatbox. Tanzbare, urbane Sachen, das hat uns beeinflusst. Und so ist unser Stil entstanden.

Die Youngblood Brassband hat viel HipHop und Funk in ihre Musik integriert. Bei euch sind die Einflüsse noch etwas anders ...

Andreas: Ja, es ist europäischer bei uns: Der ganze Balkan-Einfluss war in der Anfangsphase sehr wichtig bei uns. Und dann kommt natürlich noch das bayerische Element rein. Harmonien aus der bayerischen Volksmusik, die auch ganz automatisch dabei sind. Bei unserem vielleicht bekanntesten Lied, "Autobahn", merkt man das besonders.

Stefan: Also was die Volksmusik angeht, da gab es vor so siebzig Jahren interessante Sachen. Entschuldigung, jetzt muss ich aber lachen ... dass du uns so ernsthaft fragst! Wir selber nehmen uns überhaupt nicht so ernst! (Lacht.)

Das ist das Interviewer-Pokerface!

Stefan (lacht): Ja. Top, echt.

Dann bleib ich doch nochmal ein bisschen ernst. Ihr habt noch eine ganze Reihe an Seitenprojekten: Andreas, du bist Musikprofessor am Mozarteum Salzburg, Oli hat ein Pop-Projekt namens "Weiter", Stefan eine Rockband. Manu und Manu, ihr habt auch weitere Bands, oder? Wie schafft ihr das eigentlich alles zeitlich?

Manu W.: Ja, das kostet schon viel Zeit. Ich hab vor zwei Jahren die Band Monobo Son ins Leben gerufen. Da machen wir so bläserlastige, wilde Geschichten in Richtung Afro Freejazz. Naja, und insgesamt versuchen wir eben so langfristig wie möglich zu planen, so dass jeder seinen Freiraum hat. Wir haben gemerkt, wie wichtig das ist, dass sich jeder in seinem Kontext verwirklichen kann.

Manu d.C.: Meine zweite Band heißt Pollyester, das ist mehr Clubmusik. Bei LaBrassBanda ist der Vorteil, dass wir fünf aus so extrem unterschiedlichen Ecken kommen. Stefan ist die Schnittstelle, weil er quasi in jeder dieser musikalischen Ebenen schon unterwegs war und das zusammengetragen hat. Die Unterschiede befruchten die Band sehr. Gleichzeitig impliziert das eben auch, dass man das, was man sonst noch gemacht hat, auch weitermachen möchte. Das funktioniert eigentlich ganz gut.

Ihr seid Instrumentalisten, gerade der Live-Charakter ist bei eurer Musik extrem wichtig. Nun ist es beim Eurovision Song Contest aber eigentlich nicht erlaubt, Instrumente live zu spielen ...

LaBrassBanda im Interview mit Veronika Pohl von eurovision.de © NDR / Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Die Band beim Interview mit eurovision.de

Stefan: Da haben wir Glück gehabt. NDR Unterhaltungschef Schreiber war Fan von uns und fand es gut, wenn wir mitmachen. Es sollten ja mehr Bands sein, dieses Mal. Wir haben abgestimmt und den Ansatz schön gefunden. Aber wir haben mit ihm darüber gesprochen, dass es nur Sinn macht, wenn wir live spielen. Das ist wirklich super, dass wir das jetzt trotzdem dürfen.

Manu d.C.: Das haben sie extra für uns möglich gemacht. Damit wären wir die erste Band beim Eurovision Song Contest, die live spielt.

Habt ihr schon bemerkt, dass ihr jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt?

Manu W.: Im Netz geht es gerade ziemlich rund. Da kommen viele Kommmentare ...

Oli: ... auch die ersten "Hater" sind unterwegs.

Und wie geht ihr mit diesen Reaktion um? Mit "Hatern"?

Stefan: Was sind "Hater"?

Oli: Na, jemand, dem's net g'fallt.

Manu d.C: Ach, da lachen wir drüber. Bislang hatten wir wenig damit zu tun, weil uns die Leute nur von Konzerten kannten - und dann gehen potenziell nur Menschen hin, die das auch gut finden. Durch den ESC setzen sich viele mit uns auseinander, wo es offensichtlich wird, dass es nicht ihre Musik ist. Und dann kommt halt so was. Mir gefällt dafür andere Musik nicht, das ist völlig in Ordnung.

Drehen wir den Spieß mal um: Welche Teilnehmer aus der Geschichte des Songcontest mochtet ihr besonders gern?

Manu W.: Dschingis Khan!

Manu d.C.: Und Udo Jürgens, für Österreich ...

Und welche Beziehung habt ihr zum Eurovision Song Contest? Und zu Wettbewerben allgemein?

Stefan: Damals hab ich das öfter angesehen. Wenn Leute aus ganz unterschiedlichen Flecken gespielt haben und man auf einmal Gesichter und Stimmungen dazu hatte. Das hab ich schon super spannend gefunden. Da hat Europa ein anderes Gesicht gekriegt. Früher war es sehr farbenfroh, das war die letzten zehn Jahre nicht so. Ich würde mich freuen, wenn es wieder ein bisschen mehr Gesicht bekommt.

Manu W.: Wir haben erst bei einem Wettbewerb mitgemacht: Das war bei Fritz! Radio in Berlin. Da durften die Leute buhen und pfeifen, wenn sie eine Band nicht mochten. Wir wurden sofort, vom ersten Moment an ausgepfiffen. Und dann haben wir angefangen zu spielen ... und haben gewonnen! Das war eine Wahnsinnserfahrung: Wie man mit Vorurteilen zu kämpfen hat und wie man sie mit Musik aus der Welt räumen kann.

Die Fragen stellte Veronika Pohl.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.02.2013 | 20:15 Uhr