Stand: 21.11.06 11:30 Uhr

Johnny Logan: "Jeder Grand Prix hat seine Erinnerungen"

Johnny Logan, Grand Prix Sieger von 1980 und 1986, auf dem Albumcover seiner Single "Reach for me". © © Sony Music Denmark A/S Foto: Jens Rosenfeldt

Es war nicht einfach, mit Johnny Logan ein Interview zu bekommen. Der dreifache Sieger des ESC ist viel unterwegs. Doch Eurovision.de hat es geschafft und sprach am 21. November 2006 mit dem Iren über seine Siege, die irische Staatsbürgerschaft und den Grand Prix an sich. Er sei "very karaoke", sagt Logan.

eurovision.de: Sie haben vor kurzem einen Video mit einem belgischen Rapper aufgenommen, eine Coverversion von "Hold Me Now". Wie kam es dazu?

Logan: Ich habe Kaye Styles als internationaler Juror beim diesjährigen belgischen ESC-Vorentscheid getroffen, wo er ins Finale kam. Ich fand ihn richtig gut und äußerte dies im Fernsehen. Danach fragte mich sein Management, ob ich mit ihm zusammen arbeiten würde, Kaye wolle eines meiner Lieder singen. Ja klar, sagte ich. Er schickte mir ein Demotape, das ich klasse fand. Wir nahmen es zusammen auf und es wurde ein Sommerhit in Belgien. Vor kurzem ist der Titel auch in Irland erschienen und wurde ebenfalls ein Hit. Es ist schön, zu sehen, wie eine neue Generation einen Geschmack von "Hold Me Now" bekommt.

eurovision.de: Das Lied ist ja eine der ESC Hymnen…

Logan: Es ehrt mich sehr, dass ich letztes Jahr damit auf der Eurovisionsparty in Kopenhagen die Platzierung als drittbesten Song aller Eurovisionszeiten erreicht habe. Damit ist der Titel in einer Kategorie wie Waterloo. Das ist ein großes Glück.

eurovision.de: 1987 konnten Sie das Lied vor Rührung über ihren ESC-Sieg kaum zu Ende vortragen. Werden Sie oft an diesen Auftritt in Brüssel erinnert?

Logan: Ich muss nicht daran erinnert werden. Das bleibt immer in dir. Du gewinnst nicht dreimal den Grand Prix, ohne eine Menge Erinnerungen zu mitzunehmen.

Johnny Logan vertritt Irland 1980 beim Grand Prix und belegt den 1. Platz

eurovision.de: Welche Erinnerung ist denn die schönste?

Logan: Sie sind wie meine eigenen Kinder. Jeder Grand Prix hat seine eigenen Erinnerungen. Wie willst du zwischen Kindern auswählen? Das geht nicht. Jedes hat seine Besonderheiten.

eurovision.de: Haben Ihre Söhne Ihr musikalisches Talent geerbt?

Logan: Mein 14-jähriger Sohn spielt Gitarre und hat eine Band. Der Älteste arbeitet bei einer Computerfirma in Irland und der Mittlere studiert Graphikdesign.

eurovision.de: Stichwort Irland: Sie haben den irischen Pass erst nach ihrer ersten ESC-Krone beantragt…

Logan: Ich weiß nicht, woher Sie ihre Informationen haben. Meine Mutter kommt aus Kilkenny, mein Vater aus Derry. Seitdem ich drei Jahre alt bin, lebe ich in Irland. Mein Vater war Sänger, ich wurde auf Tour in Australien geboren. Bei uns gibt es ein Sprichwort: Wenn man im Stall geboren wurde, ist man nicht automatisch ein Pferd. Ich habe einen irischen Pass, bin immer Ire gewesen.

eurovision.de: Sie sagten 1981, nachdem Linda Martin den ESC gewann…

Logan: Ich habe den ESC gewonnen, nicht Linda Martin. Genauso gut könnten Sie sagen, ich hätte den ESC 1980 gewonnen und Shayle, der Komponist, nicht. Es ist ein Lied- und kein Sängerwettbewerb.

eurovision.de: Nachdem Linda mit Ihrem Song auftrat, sagten Sie, Sie würden selbst gar nicht mehr am ESC teilnehmen wollen.

Logan: So habe ich das damals empfunden.

eurovision.de: Hat sich das denn geändert?

Logan: (Zögert). Das weiß ich nicht. Jedenfalls bestimmt nicht, so wie es jetzt abläuft. Ich hätte ernste Bedenken. Der Eurovision Song Contest klingt zu sehr nach Karaoke. Das Fehlen eines kompletten Orchesters und das Verwenden voreingespielter Musik hat viel vom Reiz der Eurovision geraubt. Derzeit sieht der Wettbewerb mehr nach einer Popstar-Show aus. Die aktuelle Struktur der Punktevergabe erlaubt zuviel Missbrauch.

eurovision.de: Sie haben bislang einige TV-Film Gastrollen gespielt, auch in Deutschland. Wollen Sie in Zukunft mehr daraus machen?

Logan: Ich habe viel vor: Nächstes Frühjahr erscheint hoffentlich mein neues Album mit Akustik-Liedern, die ich derzeit komponiere. Sie sollen sehr organisch klingen, so wie damals, als ich anfing, Gitarre zu spielen. In letzter Zeit bin ich öfter in Deutschland, besonders in München, wo ich viele Freunde habe. Nächstes Jahr mache ich wahrscheinlich den irischen Mac Donald's Werbespot, und werde zum Jahresende in Irland touren.

eurovision.de: Sie haben eine besondere Verbindung zu Dänemark, wohin Sie in wenigen Tagen zur Tour aufbrechen.

Logan: Dänemark hat mich gut aufgenommen. 2001 habe ich dort das Album "Reach For Me" aufgenommen. Nach nur elf Tagen wurde die Platte vergoldet, alsdann begann ich im Land mit einer Weihnachtstour. Die geht jetzt in ihr fünftes Jahr. Sie ist immer komplett ausverkauft.

eurovision.de: Sprechen Sie denn Dänisch?

Logan: Kaum. Ich kann nur die Schimpfwörter.

eurovision.de: Zurück zum Film: Ist das etwas, was Sie gerne vertiefen würden?

Logan: Ich würde gerne wieder zum Film kommen. Vor kurzem habe ich mich darüber mit Günther Maria Halmer unterhalten, mit dem ich 1989 im TV-Film "Ein verhexter Sommer" zusammen arbeitete. Auch mit Jan Josef Liefers habe ich darüber gesprochen - ein toller Schauspieler. Ich würde gerne richtig schauspielern.

eurovision.de: Sie hatten ein Duo mit Nicole, "No One Makes Love Like You", ein Titel von Ralph Siegel. Nicole bewahrt ihre Musiktrophäen in einem eigenen Zimmer auf. Was machen Sie mit Ihren?

Logan: Ich habe viele Trophäen. Alleine der dreimalige Sieg des Grand Prix bedeutete sechs Preise. Ich habe einen Musikraum, wo ich alle meine Instrumente aufbewahre und komponiere. Dort sind meine Preise neben diversen Photos und Erinnerungen.

eurovision.de: Bedeuten die Preise eine Inspiration für Sie?

Logan: Nein, die Menschen, die mich umgeben und lieben sind meine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.

eurovision.de: Im Video zu "Hold Me Now" tragen Sie einen weißen Anzug, wie bei Ihrem legendären Auftritt in Brüssel.

Logan: Ich habe dort einen weißen Anzug an, weil Kaye ein junger R&B Künstler ist und wir das Publikum erreichen wollten, das den Titel gekauft hat. Außerdem dachte ich, wenn ich den Anzug trage, wird eine Erinnerung an 1987 in den Menschen wach. Eine Zeit, die für viele besser war als heute.

eurovision.de: Handelt es sich denn um das selbe Kleidungsstück von damals?

Logan: Nein, nein! (lacht) Dieser ist von Gucci. Das konnte ich mir damals nicht leisten!

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 09.05.1987 | 21:00 Uhr