Stand: 31.08.06 16:14 Uhr

Katrina Leskanich: "Es war toll, den ESC zu gewinnen"

Die Sängerin Katrina Leskanich auf einem Promofoto. © www.katrinasweb.com

Mit Katrina and the Waves schuf sie den All-Time-Summerhit "Walking on Sunhine". Ebenfalls mit der Band gewann Katrina Leskanich den ESC 1997 mit "Love Shine a Light", danach trennten sich die Wege der Bandmitglieder. Mit eurovision.de sprach Katrina am 31. August 2006 über ihren ESC-Auftritt und ihre Zeit in Deutschland.

eurovision.de: Was hat der ESC 1997 für Ihre Karriere bedeutet? Sie haben ihn ja nicht nur gewonnen, sondern auch die Jubiläumsfeier "Congratulations" zum 50. Geburtstag des Grand Prix in Kopenhagen co-moderiert?

Leskanich: Es hat sehr viel Spaß gemacht, vergangenes Jahr die Jubiläums-Show zu moderieren. Natürlich war es toll für mich, den ESC 1997 zu gewinnen, das bedeutete einen gewaltigen Auftrieb für meine Karriere. Du bist nur so gut wie dein letzter Hit in diesem Geschäft, und ich brauchte den mit "Love Shine a Light".

eurovision.de: Wie war Ihr ESC-Aufritt in Dublin? Im obigen Radiointerview sprachen Sie davon, dass Sie in einer Jacke mit nur einem Schulterpolster auftreten mussten ...

Leskanich: Einer der wichtigsten Aspekte beim ESC ist das Kostüm. Wir versuchten es mit fünf verschiedenen Stylisten, die mit allen möglichen Klamotten ankamen, aber wir mochten nichts davon. Das wirklich beste Outfit war mein eigenes, das mich schon die ganze Woche und durch alle Proben begleitet hatte. Es hätte alleine auf die Bühne gehen können! Die Jacke hatte nur ein Schulterpolster, so dass ich versuchen musste, während des gesamten Auftritts daran zu denken, die linke Schulter etwas höher als die rechte zu halten. Das Shirt darunter hatte ich für drei Pfund auf dem Cambridge Market gekauft. Es hängt jetzt im Eurovision Museum in Belgien. Ich hoffe, sie haben es gewaschen!

eurovision.de: Wie ging es Ihnen nach Ihrem Sieg?

Leskanich: Machen Sie Witze? Weltklasse! Meine Füße berührten wochenlang nicht den Boden. Wir waren durchgehend vier Wochen an der Spitze der Charts von "Top of the Pops" und ich genoss meinen Neubeginn als Sängerin.

eurovision.de: Ihr neues Album, ihre erste im Handel erhältliche CD "Katrina Leskanich" ist Ihrer Mutter gewidmet. Warum?

Leskanich: Meine Mutter ist vergangenes Jahr nach langer Krankheit gestorben. Daher war es für mich wichtig, sie mit einer persönlichen Widmung zu ehren. Ich bin sehr stolz auf diese CD und glaube, sie wäre es auch gewesen.

eurovision.de: Haben Sie Ihr musikalisches Talent von ihr geerbt?

Leskanich: Na ja, jedenfalls konnte sie gut singen, oft beim Kochen. Sie hatte einen großartigen Sinn für Musik. Immer wenn sie ihre Platten auflegte, hat sie lauthals mitgeschmettert und uns - meine vier Schwestern und meinen Bruder - zum Mitsingen animiert.

Katrina Leskanich, Renars Kaupers und Diva International bei der Show "Congratulations" zum 50. Jubiläum des Eurovision Song Contest. © www.katrinasweb.com

eurovision.de: Ist die Single "They Don't Know" auch jemandem gewidmet?

Leskanich: Für mich war Tracey Ullmanns Version von "They Don't Know" einer der besten Popsongs aller Zeiten. Ich wollte eine schlichtere Version machen, weil hinter der Popfassade eine sanfte Ballade schlummert. Kirsty MacColls brillanter Liedtext spricht für sich. Nach ihrem zu frühen Tod (die englische Sängerin wurde 2000 beim Schwimmen von einem Motorboot überfahren, Anm. d. Red) sehe ich meine Version als eine Hommage an eine schmerzlich vermisste Künstlerin.

eurovision.de: Es ist ein sehr stilles und emotionales Lied. Was bedeutet es für Sie?

Leskanich: Für mich geht es im Lied um eine geheime Liebe zu jemandem. Ich glaube, wir sind alle schon in Beziehungen gewesen, wo die Umwelt unseren Partner nicht akzeptierte. Die Süße des Songs liegt für mich darin, die Gefühle wirklich zu spüren und an den Text zu glauben. Kirsty MacColl konnte sich hervorragend mit Worten ausdrücken.

eurovision.de: In einem Radiointerview mit BBC haben Sie gesagt, Sie hätten Probleme, eine feste Beziehung zu führen. Dass Sie erst nach der Trennung von der Band "Katrina and the Waves" jemanden gefunden haben, der Sie nun schon lange glücklich macht. Warum?

Leskanich: Als aktives Mitglied der "Waves" war es für mich schwierig, langfristige Beziehungen zu führen, weil wir dauernd gereist sind und alle in derselben kleinen Luftblase lebten. Für mich ist es toll, dass meine Partnerin und ich jetzt überall zusammen hingehen können.

eurovision.de: Ihre Familie ist arbeitsbedingt alle zwei Jahre umgezogen, einmal auch nach Deutschland. Was erinnern Sie aus der Zeit?

Leskanich: Mein Vater, ein Colonel der US-Air-Force, war 1972 in Vaihingen bei Stuttgart stationiert. Meine Mutter hatte immer davon geträumt, nach Europa zu kommen. Da wir noch nie hier gewesen waren, wussten wir nicht genau, was uns erwartete. Aus den Filmen meiner Kindheit hatte ich Bilder von Lederhosen und Dirndl im Kopf und war überrascht, die Deutschen in modernen Klamotten zu sehen! Wir blieben drei Monate auf der Militärbasis, bevor wir in ein eigenes Haus nach Doffingen umziehen konnten, wo wir unsere Zeit damit verbrachten, die Olympiaden und die synchronisierte "Bonanza"-Serie im Fernsehen zu gucken.

eurovision.de: Ihre neue CD ist auf Ihrem eigenen Label bei Universal erschienen. Welche Pläne haben Sie für das Label?

Leskanich: Es ist sehr praktisch, das Copyright selbst zu behalten. Ich verkaufe meine CD "Katrina Leskanich" im Internet über Amazon und katrinasweb.com.

eurovision.de: Stört es Sie, immer mit dem Sommerhit "Walking on Sunshine" assoziiert zu werden?

Leskanich: Ich finde es gut, mit dem Hit verbunden zu werden, und habe immer wieder großes Vergnügen daran, ihn vor Publikum zu singen. Walking on Sunshine macht die Leute glücklich und das reicht für mich!

eurovision.de: Nach der Trennung von Ihrer Band haben Sie (unter anderem) täglich vier Jahre lang als DJ in einer stundenlangen Radiosendung für BBC gearbeitet. Wie haben Sie die Einschaltquoten verdoppelt - welches ist Ihr Geheimnis?

Leskanich: Es war eine unglaublich tolle Erfahrung, für BBC Radio 2 zu arbeiten. Ich lernte eine Menge und sah die Welt aus einem völlig anderen Blickwinkel als nach 20 Jahren Banderfahrung. Ich vermisste allerdings die körperliche Aktivität vom Singen und Auftreten, so dass ich nach einiger Zeit fühlte, ich müsste zu meiner größten Liebe zurückkehren. Aber meine tiefe Stimme hat der Einschaltquote sehr geholfen!

eurovision.de: Derzeit touren Sie mit dem "All Stars" Team Paul Young und Johnny Logan. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Leskanich: Ich war gerade in Afrika, wo ich mit The Soulmates, Chris Thompson, Cutting Crew und dann in Berlin-Wuhlheide bei Wohltätigkeitskonzerten aufgetreten bin. Es ist wunderbar, nach all diesen Jahren wieder in Deutschland zu sein und aufzutreten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 03.05.1997 | 21:00 Uhr