Stand: 12.01.15 10:36 Uhr

Wer folgt auf Elaiza?

Die Band Elaiza, die Gewinner beim ESC Clubkonzert. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Im vergangenen Jahr lösten Elaiza nicht nur die Wildcard - sie schafften es auch auf die große ESC-Bühne in Kopenhagen.

Seit Freitag kann man sich nicht mehr um die Teilnahme am Clubkonzert bewerben. Es geht darum, wer am Donnerstag, 19. Februar, in der Großen Freiheit 36 auf St. Pauli in Hamburg darum singt, beim deutschen Vorentscheid dabei sein zu können. Andreas Bourani hatte als Superpromi der zeitgenössischen Popkultur in Deutschland zum Mitmachen aufgerufen: kein ungewichtiger Mobilisierungsfaktor, schätze ich.

Jedenfalls: Es sind in der Tat wieder viele Vorschläge eingereicht worden. Das ist für die Jury, die da jetzt zu tagen hat, eine Menge Holz. Wer schon mal für einen Wettbewerb aussieben musste, weiß, dass da sehr viele Nerven gefordert sind. Neben Geduld und Feingefühl: Bloß keinen guten Beitrag versehentlich außen vor lassen.

Karrierehilfsmittel ESC-Vorentscheid

Dass das Quantum an Vorschlägen so hoch ist, hat nach meinem Dafürhalten nur einen Grund: Alle Musiker - Sänger, Sängerinnen, Bands - wissen, dass sich das Rennen für sie lohnen könnte. Elaiza, drei Frauen von starkem Talent, schafften es nach dem Sieg beim Wildcardrennen immerhin auch ganz und gar nach Kopenhagen.

Das spornt an, muss man annehmen. Das motiviert krass. Elaiza, haben es immerhin trotz mäßiger Platzierung zu einer über den ESC-Tag hinausreichenden Bekanntheit gebracht: Selbst die talentiertesten Musiker und Musikerinnen wünschen Tag für Tag, dass sie ihre Begabung endlich einmal präsentieren können in stärkerer Öffentlichkeit. Will sagen: Selbst eine Teilnahme am Wildcard-Konzert bringt auf dem Weg zu Karriere und Ruhm einen fetten Schritt weiter.

Wer sich die Kandidatenliste genau anguckt, wird im Übrigen feststellen, dass es etliche von ihnen gibt, die schon auf anderen Wegen probiert haben, berühmt zu werden, in Castingshows vor allem. Dort kamen sie nicht ganz nach vorne - und wollen es jetzt wieder probieren. Das ist nicht allein nur hartnäckig, sondern auch ein Zeichen von gutem Ehrgeiz.

Stilistisch ist so gut wie alles vertreten in der Menge der Bewerbungen. Viel Liedermacherei, die einen Sound von Klage und Schmerz anschlagen; einiges mit Funk und Pep; etliche Lieder sind von verblüffender Mainstreamseligkeit - hier eine Prise Britney Spears, dort etwas Lady Gaga. Außerdem einige Discofox-Standardnummer, Technobeat-Light-Geschichten … sehr viel Allerlei. Aber wer auf sich hält, weiß das im momentanen Popbusiness, hitparadenfähig Angesagte und Gängige zu bedienen.

Favoriten kann es noch nicht geben

Favoriten, meine Favoriten, möchte ich hier nicht nennen: Ich finde, die nächste Arbeit liegt bei der Jury - woran mir aber läge, wäre mehr Stimmstärke als im vorigen Jahr. Und weniger Beiträge, die wie trauriges Gesusel sich anhören. Nummern, die vom Tempo her weder langsam noch besonders schnell angesiedelt sind, die hatten wir voriges Jahr jede Menge. Elaiza haben im Edelfettwerk in Hamburg auch gewonnen, weil bei ihnen Können aufschien, zugleich die Stimme von Ela durchzudringen wusste und außerdem das Arrangement professionell gefertigt war.

Mittwoch erfahren wir von sieben gesetzten Acts

Unheilig auf der Bühne beim deutschen Vorentscheid 2014. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Trotz großer Popularität konnten Unheilig beim Vorentscheid 2014 das Ticket zum ESC-Finale nicht lösen.

Wer beim deutschen Vorentscheid dann mit dem Wildcardgewinner konkurriert, erfahren wir Mittwoch. Nach Lage der Dinge - wenn es so wäre, wüssten wir es schon - wird Helene Nationale nicht dabei: Die Fischer wird sich auf dem Zenit ihrer Prominenz nicht gönnen, bei einem ESC womöglich zu verlieren. In ihrem Fall hieße das, nicht zu gewinnen. Unheilig ist das beste Beispiel aus dem vorigen Jahr, dass Monsterbekanntheit und eine krass breit aufgestellte Fanbase gegen eine Liveperformance wie die von Elaiza nicht anzukommen weiß.

Denn auf die Kraft der Livevorstellung kommt es ja an: Wer also so richtig auf Adrenalin ist, beseelt und voller Kraft, wird eher gewinnen, als jemand mit einer eventuell besseren Komposition.

Ich bin auf Mittwoch gespannt, mehr aber noch auf die Kandidaten, die die Jury für das Clubkonzert aussuchen wird. Was soll man sich wünschen? Denen ein gutes Händchen, auf dass sie wirklich starke Nummern auswählen werden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr