Stand: 05.06.13 11:49 Uhr

Eine zwiespältige Geste

Natalie Horler bei den Proben auf der ESC-Bühne in Malmö. © NDR Foto: Rolf Klatt

Nimmt Stefan Raab Natalie Horler wirklich in Schutz?

Etliche Zeitungen haben diese Meldung aufgegriffen: Stefan Raab hat während einer Werbeveranstaltung in Köln für einen von ihm erfundenen, drollig geformten Duschkopf, Cascada - eher Natalie Horler – in Schutz genommen. Wörtlich heißt es in der Nachricht der Deutschen Presse-Agentur vom Montag (14.14 Uhr): “Die Künstlerin sei ‘völlig unter Wert geschlagen’ worden.” Und: Er sei sicher, dass die 31-Jährige und ihre Band Cascada beim Televoting besser abgeschnitten hätten als bei der Bewertung der Jury. ‘Plagiatsdiskussionen gibt es seit 30 Jahren. Die Jury fühlte sich offenbar motiviert dazu, zu vergleichen’, mutmaßte Raab.”

Was so freundlich klingt, könnte als halbgiftig wahrgenommen werden: Ausweislich der statistischen Aufschlüsselungen in Internetforen, etwa bei esctoday.com, unterscheidet sich der durch das Publikum zugewiesene Rang von Cascada nur gering von dem 21. Platz, auf dem der deutsche Act sich am Ende bekanntlich wiederfand. Es hätte ohne die Juroren fünf Plätze besser sein können – aber hätte dieser 16. Platz von der Beurteilung danach durch die Medien einen Unterschied ausgemacht? Ich schätze nicht.

Ein 16. Rang wäre ein weiteres Abschneiden wie 2006 bei Texas Lightning (14.), 2007 bei Roger Cicero (19.) oder 2009 bei Alex Swings Oscar Sings (20.) gewesen. Nicht ganz und gar unten, aber fast. Alle drei genannten einstigen Beiträge aus deutschen Landen wurden nach ihren ESC-Auftritten mindestens stark bedauert – insofern ist Stefan Raabs tröstlich gemeinte Aussage zwiespältig zu nehmen.

Die Worte des Erfinders von “Wadde Hadde Dudde Da” (5. Platz in Stockholm 2000) haben natürlich Gewicht. In einigen Medien stand zu lesen, was hinter den Kulissen des ESC gemurmelt wurde – und was Raab selbst auch zu Ohren gekommen sein dürfte: Ein Resultat im oberen Platzierungs-Bereich ist für Deutschland offenbar ohne den Kopf von “TV Total” nicht möglich. Bisher jedenfalls war das so. Auch vor diesem Hintergrund schmeckt das Statement in Sachen Cascada seltsam.

Bei dieser Badezimmereinrichtungsveranstaltung in Köln wies Raab, ganz Elder Statesman des ESC, auch eine Beurteilung zurück, nach der Cascadas Ergebnis auch im Zusammenhang mit dem politischen Ruf (Merkel!) Deutschlands in Europa stünde. Hierzu wiederum die Deutsche Presse-Agentur: “Dass politische Gründe wie etwa Merkels Sparkurs in Europa Schuld an dem schlechten Abschneiden sind, glaubt der Entertainer indessen nicht. ‘Musik ist Musik’, sagte Raab und wies entsprechende Spekulationen nach der ESC-Show zurück.” Eine Aussage, die das oben zitierte abrundet: Es gab keinen “Kanzlerinnenmalus”, es ging nur um puren ESC-Stoff - und der reichte, so ließe sich das weiter fantasieren, für den 21., beziehungsweise einer reinen Televotinglogik zufolge, für den 16. Platz.

Der Mann, der laut “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ Natalie Horler irgendwie als „die Dicke“ gedisst haben soll - soll ein Freund von “Glorious” und seiner Sängerin sein? Nein, das ist nicht anzunehmen. Schade bleibt es trotzdem, dass Raab nicht generöser über die Televotingsiegerin von Hannover gesprochen hat. Oder ist mal wieder alles falsch verstanden worden?

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr