Stand: 15.05.15 10:00 Uhr

Anti Social Media: "Das fühlt sich gut an, dort zu stehen"

Die dänischen ESC-Teilnehmer Anti Social Media im Gespräch mit Jan Feddersen. © Martin Juen Foto: Martin Juen

Newcomer meets ESC-Experten: Anti Social Media im Gespräch mit Jan Feddersen. Ob sie sich noch ein paar Tipps geben lassen?

Wir haben uns im Museumsquartier verabredet und dann sind sie pünktlich wie ein dänischer Vorortzug: die vier Jungs der Band Anti Social Media. Sie heißen: Philipp Thornhill (Gesang), Nikolaj Tøth Andersen (Gitarre), David Rønne Vang (Bass) und Emil Vissing Christensen (Schlagzeug). Sie scheinen vor Kraft kaum gehen zu können. Sänger Philipp, der Rothaarige, sagt: "Sollen wir springen?" Und Nikolay Tøth schlägt vor, gleich aufs Dach der prunkvollen Kunst- und Kulturanlage zu gehen, um von dort "auf den Boden zu jumpen“. Die Managerin guckt besorgt, deshalb posieren die Außenseiter dieses ESC nur auf den blauen Kunststoffskulpturen, die auf dem Innengelände des Museumsquartiers zum Verweilen, Liegen und Dösen einladen. Emil, der Schlagerzeuger, sagt: "Wir waren beim Melodi Grand Prix so aufgeregt, aber als wir auf der Bühne standen, waren wir locker und cool“.

So gewannen sie: mit der gewissen Frische von Unbekümmerten. Und wie ist die Bühne der Stadthalle? "Nur ein bisschen größer, das fühlt sich gut an, dort zu stehen. Wir vier brauchen ja auch nicht viel Platz", so David Rønne. Vor wenigen Monaten erst haben sie sich kennengelernt. "Als junger Musiker überlegt man nicht lange, ob man diese Chance wahrnimmt, am Melodi Grand Prix teilzunehmen", sagt Philipp. Dann siegten sie auch noch "und jetzt stehen wir international im Rampenlicht", ergänzt Nikolaj Tøth.

Angst vor dem Semifinale

Die dänischen ESC-Teilnehmer Anti Social Media © Martin Juen Foto: Martin Juen

An Lässigkeit sind die vier Jungs von Anti Social Media kaum zu überbieten. Eine gute Voraussetzung für den ESC-Marathon in Wien.

Eurovision Song Contest, das ist für alle vier eine ruhmreiche Geschichte. Sie kennen sich aus, viele dänische ESC-Beiträge sind zu Volksliedern geworden. "Stemmen i mit liv" von Kølig Kaj aus dem Jahre 1997 rappen sie jetzt ein wenig mit, auch "Dansevise" von Grethe und Jørgen Ingmann, den dänischen Siegern von 1963, kennen sie natürlich - obwohl sie alle erst in den frühen Neunzigern geboren wurden. Sie lieben, schon ihrer Eltern und Großeltern wegen, die Musik der Sechziger, und nennen als Titel, die sie besonders schätzen "House Of The Rising Sun" von den Animals, "Lola" von den Kinks, "No Milk Today" der Herman Hermit's, natürlich die Beatles, auch Instrumentals jener Jahre, auch die Beach Boys: "Wir sagen mit unserem Bandnamen, dass wir soziale Namen nicht mögen", sagt Emil, aber "wir sind natürlich bestens vernetzt und kennen uns aus", ergänzt Nikolaj. "Nur die Musik der Sixties, die macht uns an, weil sie noch so handgemacht klingt, so lebendig", fügen Philipp und David an.

Der TV-Sender Danmarks Radio hofft, dass das Jungsquartett auch beim Finale mitmacht, aber es wird schwer, sagt die Managerin, die Wetten verheißen nichts Gutes. Zuletzt war Dänemark 2007 in Helsinki nicht in der Endrunde, Leidtragende war Drama Queen mit ihrem gleichnamigen Titel. "The Way You Are" klingt womöglich schon deshalb finaltauglich, weil es aus einem Meer von Balladen in Wien hervorsticht. "Wir tun, was wir können", sagt Sänger Philipp, "mehr geht nicht."

Sixties - ein Jahrzehnt lebendiger Musik

Die dänischen ESC-Teilnehmer Anti Social Media © Martin Juen Foto: Martin Juen

Daumen hoch! Anti Social Media sind wild entschlossen, ihre große Chance beim ESC zu nutzen.

Im Übrigen zählt er "Dansevise“ der Ingmanns zu seinen Lieblingstiteln beim ESC, "schon der elektrischen Gitarre wegen, die Jørgen Ingmann gespielt hat", so David. Und "Fly On The Wings Of Love" der Olsen Brothers? "Für uns Dänen ist das ein Volkslied. Das kennt jeder, das kann jeder mitsingen. Zwei alte Männer, die auf der Bühne einfach ein Lied singen - das können wir nur bewundern“, erläutert Philipp, der Sänger mit der Stimme, die wie die einer Boygroup der Sixties klingt.

Am Ende posieren sie noch extra für uns, und das ist vielleicht das Netteste und Beste, was man über die vier jungen Männer sagen kann: Sie nehmen die Aufgabe des ESC schwer, werden unter Lampenfieber leiden und doch eine gute Figur abgeben: Weil sie es wie eine Chance nehmen, mit der sie vor einem Jahr nicht rechnen durften.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr