Stand: 28.01.15 13:15 Uhr

Wann und wo stimmen die ESC-Jurys ab?

ORF-Moderatoren Andi Knoll und Kati Bellowitsch vollziehen die Halbinalauslosung in Wien 2015 © ORF

Die ORF-Moderatoren Andi Knoll und Kati Bellowitsch haben die Lose für die Verteilung der Kandidaten auf die Halbfinals gezogen.

Viele ESC-Freunde fragten, weshalb die ARD vor der Auslosung in Wien am Montag darum bat, im zweiten Halbfinale abstimmen zu dürfen - quasi auf keinen Fall das erste Semi zugewiesen bekommt. Die Showverantwortlichen, also der sogenannte ESC-Leitungsausschuss mit Jan Ola Sand an der Spitze, haben in den vergangenen Jahren öfters schon solche Wünsche angetragen bekommen - etwa auch in jenen Fällen, in denen ein Land nicht in eine bestimmte Vorrunde, Dienstag oder Donnerstag, gelangen möchte, um mit einem nationalen oder religiösen Feiertag nicht zu kollidieren.

Die ARD hat in den vergangenen Jahren stets das zweite Semifinale übertragen und in diesem seine Semifinalwertung ermittelt. Zum Hintergrund: Die Big-Five-Länder (Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland) sowie das gastgebende Land sind für das Grand Final stets gesetzt. Bei den erstgenannten fünf Ländern sind es jene, die das meiste Geld zur Show beitragen, mit die größten Zuschauerzahlen ermöglichen - also jene EBU-Mitglieder, von denen die ESC-Höchstgremien möchten, dass sie auf jeden Fall im Finale dabei sind, um in diesen sinkendes Publikumsinteresse zu vermeiden.

Jurys stimmen einen Abend vorher ab

Aber: Alle sechs genannten Länder müssen in je einem der Semifinals mitstimmen! Das tut die ARD nicht im ersten Programm, sondern in einem ihrer kleineren Kanäle - im Ersten sind es erwiesenermaßen zu geringe Zuschauermengen, die zugucken und zuhören möchten. Schlecht für die Sendungen danach ist das. Wenn das eigene Land nicht mitmacht, ist es mit der Begeisterung schnell flüchtig: Lediglich echte Fans schalten ein.

Die Jurys allerdings stimmen nie an den Abenden der TV-Shows mit - weder bei den Semis noch beim Grand Final. Sie verrichten ihr Werk am Abend zuvor. Es ist jeweils die zweite von drei Generalproben. Die erste des Finales ist am Freitagnachmittag, die dritte am Nachmittag des Finaltages. Die zweite Generalprobe ist aber eigentlich gar keine, denn dann muss schon alles stimmen: Die Jurys sehen die Auftritte über Spezialleitungen, die sie mit dem Hallengeschehen verbinden.

Die ARD-ESC-Verantwortlichen haben die Mitglieder der Jury - die wir noch nicht kennen - für die Zeit von Mittwoch bis Samstag gewinnen können, nicht vorher.

Deutsche Jury tagt am Mittwoch erstmals

Am Mittwoch also kommen die Mitglieder des Expertengerichts für den ESC zusammen und bewerten die 17 Lieder des zweiten Halbfinals. Ihre Ergebnisse werden zusammengetragen und können dann nicht mehr revidiert werden. Auch nicht wenn ein Juror beim Semifinale oder beim Grand Final denkt: Oh, ich habe mich geirrt, ich bewerte dieses Lied höher oder geringer. Das ist nach den Wettbewerbsregeln untersagt.

Am Mittwoch also tagt das deutsche ESC-Gericht in Hamburg, stimmt ab - und bereitet sich auf den Flug nach Wien vor, um das zweite Semifinale vor Ort zu sehen. Doch dies nur aus Gründen des Anschauens selbst, für Interviews auch, nicht um noch zu werten. Am Freitag geht es zurück nach Deutschland, um dort am Abend wiederum das Finale als Jury zu bewerten. So jedenfalls wird es, mit der Erfahrung von Oslo bis Kopenhagen im vorigen Jahr im Blick, passieren.

In Ausnahmefällen zählt Jurywertung zu 100 Prozent

Anders formuliert: Wenn die Semifinals beginnen, das große Finale sich live im Fernsehen daran macht, die Nachfolge von Conchita Wurst zu küren, sind die Hälfte der Resultate schon zusammengetragen - denn das Televoting (Telefonanrufe, SMS, Internetklicks) macht ja lediglich die Hälfte des Gesamtergebnisses aus. Und auch dies entfällt manchmal: In Ländern, wo nicht genügend Menschen am Televoting teilnehmen, zählt deren Juryresultat zu 100 Prozent.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr

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