Stand: 21.12.14 20:05 Uhr

Merci, Udo!

Udo Jürgens am Klavier bei seinem Auftritt in Hamburg. © NDR Foto: Jan Sauerwein

Noch Ende November begeisterte Udo Jürgens während seiner "Mitten im Leben"-Tour seine Fans in Hamburg.

Für Jüngere ist er ein Alter gewesen. Ein Mann, der immer noch am Flügel saß bei Konzerten - ein Musiker, den die Eltern oder gar Großeltern hörten und schätzten. Udo Jürgens war freilich, falls man sich an diesem verstörenden Sonntagabend diese Bemerkung erlauben darf, bis in seine letzten Lebenstage so frisch, so jugendlich, so lebenszugewandt, wie es die meisten Jugendlichen von heute nie sein werden. Dieser Mann, um mal einen wichtigen Zug seines Charakters anzudeuten, wusste als Nichtgläubiger, dass das Leben keine Generalprobe auf das Jenseits ist, sondern jetzt ausgekostet werden sollte. Auf Kirchenworte hielt er ohnehin nicht viel, eigentlich gar nichts. Tröstungen auf ein Leben nach dem Tod wollte er nicht. Er wusste, nach allem, was man ahnen konnte, dass das Leben vorbei ist, wenn es verlischt.

Ein Musikant, der zum Juwel wurde

Wie ein Punk der Spätsiebziger, der wie so viele nach dem Motto "Verschwende dein Leben" einfach die Zeit vergehen ließ, hat Udo Jürgens in den 50er-Jahren ein Leben als Suche verbracht. Für das Schlagergewerbe fand er keine Verwendung, aber es fiel auf, wie gut er das Klavierspiel beherrscht. Anfang der 60er-Jahre wurde Hans R. Beierlein auf ihn aufmerksam. Der Medienmanager war auf der Suche nach einem, der ihm selbst zum Juwel wurde: Es sollte ein Musikant sein, der nicht nur üblichen deutschen Humtata-Schlagerkram singt, sondern Chansons mit internationalem Flair. Nicht in schrummeligen "Blaue Bock"-Shows sollte er auftreten, nein, da sollte mehr drin sein. In Italien und Frankreich sollte er zur Nummer werden, zum respektierten Österreicher, der dieses gewisse Flair von Leichtigkeit verströmt, welches vom Alltag erzählt, von der Liebe, vom Sehnen, vom Dahinschmelzen, ohne bleierne Sentimentalität.

Udo Jürgens begleitet sich 1966 beim Grand Prix selbst am Klavier. Er belegt für Österreich den 1. Platz. 1964 belegte er den 6. Platz, sowie 1965 den 4. Platz © Picture Alliance/dpa Foto: Heinz Ducklau

1966 gelang Jürgens in Luxemburg mit "Merci Chérie" der ESC-Sieg für Österreich.

Dreimal trat Udo Jürgens selbst beim Grand Prix Eurovision de la Chanson auf - 1964 mit "Warum nur, warum?" ein sechster Rang. "Sag' ihr, ich lass' sie grüßen" kam 1965 auf den vierten Platz, und 1966, obwohl er partout sich der Tortur des ESC, dem öffentlichen Rummel nicht mehr aussetzen wollte, ging er dennoch nach Luxemburg und sang "Merci Chérie". Es war ein frankophon angehauchter Titel, der die überwiegend französischsprachigen Juroren überzeugen sollte. Weil das so gut klappte, hauchte Udo Jürgen beim Siegesvortrag, vollkommen durchgeschwitzt, ungläubig, aber glücklich, ein "Merci Jury!" ins Mikro am Flügel.

Der wichtigste Showman hierzulande

Der Rest ist bekannt: Udo Jürgens wurde berühmt, er wurde überhaupt zum wichtigsten Showman im deutschsprachigen Raum. Er konnte als einziger aus dem erweiterten Schlagerraum die wirklich großen Hallen für Tourneen anmieten - er wusste sie zu füllen. Titel wie "Immer wieder geht die Sonne auf", "Siebzehn Jahr', blondes Haar", später "Ein ehrenwertes Haus", "Gaby wartet im Park", "Paris, einfach nur so zum Spaß" oder "Ich war noch niemals in New York" machten ihn zu Lebzeiten zur Legende.

Neulich, als sein 80. Geburtstag gefeiert wurde, sagte er, alle Lieder, die er neu schriebe, kündeten davon, dass es für ihn ein ewiges Leben geben könnte. Aber er wüsste, so sagte er in der TV-Doku über ihn, dass das nicht stimmt. Er bereue nichts, sagte er auch, er habe aus dem Leben das Beste herauszuholen versucht. Am Sonntag ist er, 80 Jahre jung, gestorben.

Udo und Conchita

Die ESC-Gewinner Udo Jürgens und Conchita Wurst (von links, Bildmontage). © dpa - Bildfunk Foto: Charisius;Punz

Anfänglich war Jürgens nicht begeistert von Österreichs ESC-Teilnehmerin Conchita Wurst. Sein Urteil revidierte er später.

Wie schade, dass er im kommenden Jahr nicht mehr in der Wiener Stadthalle zu Gast sein kann, um seine Nachfolgerin auf dem österreichischen ESC-Thron, Conchita Wurst, gebührend in die Arme zu nehmen. Anfänglich war er nicht so erfreut über diese Künstlerin - aber nach ihrem Sieg von Kopenhagen sagte er: "Es war eine großartige, überzeugende, absolut siegeswürdige Performance. Falls ich glaubte, dass sie nicht gut ist - ich bitte um Vergebung: Ich irrte mich. Sie ist eine Große."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 21:00 Uhr