Stand: 29.01.2016 14:54 Uhr  | Archiv

Alex Diehl hat immer seine "First Lady" dabei

Alex Diehl auf der Bühne in München beim OGAE-Clubtreffen 2016 © NDR Foto: Patricia Batlle
Nennt seine Gitarre seine "First Lady" - der Singer-Songwriter Alex Diehl, hier beim OGAE-Fanclubtreffen in München.

Quasi über Nacht hat Alex Diehl mit dem selbst komponierten Song "Nur ein Lied" Bekanntheit erlangt. Der 28-jährige Oberbayer ist nun mit diesem Lied am 25. Februar als einer von zehn Kandidaten beim deutschen Vorentscheid dabei. Vor einigen Tagen hat eurovision.de den Singer-Songwriter im Rahmen des OGAE-Fanclubtreffens in München getroffen, wo er als Überraschungsgast auftrat.

Alex Diehl, hallo! Schön dich zu sehen - mit dir haben wir gar nicht gerechnet, du standest nicht auf dem Programm!

Alex Diehl: Ich habe selber gar nicht mit mir gerechnet. Ich hatte heute ein tolles Interview mit dem WDR, der mir erzählt hat, "Alex, du weißt schon, heute Nachmittag ist eine große ESC-Veranstaltung in München." Ich war im Tonstudio in Rosenheim, das ist eine Stunde von hier entfernt und ich habe gesagt: "Dann fahre ich da noch hin!"

Haben dich die Fans gleich erkannt?

Diehl: Ich habe ein paar Leute mit Handshake gegrüßt und habe Holländisch und Englisch gehört. Mir wurde dann erklärt, dass Leute aus halb Europa anreisen. Dann dachte ich: "Wow, dass hier so etwas stattfindet, in einem uralten Wirtshaus, das ist eine geile Sache!"

Der Musiker Alex Diehl mit seiner Gitarre auf einer Bühne. © dpa Foto: Britta Pedersen
AUDIO: Alex Diehl: "Nur ein Lied" (3 Min)

Was für Reaktionen hast du nach der Bekanntgabe deiner Nominierung zum deutschen Vorentscheid erhalten?

Diehl: Tatsächlich war das sehr krass. Das waren schon ein paar Tausend Nachrichten. Ich habe die jetzt endlich alle durchgelesen. Die Leute finden es toll wegen des Songs, mit dem ich antrete. Es ist kein Lied, das ich für den Grand Prix geschrieben habe. Es ist ein Song, den ich aus einer Emotion heraus geschrieben habe, weil es mir einfach nicht gut ging, weil ich meine Seele kundtun wollte. Er hat über Nacht viele Menschen berührt.

Es gab sogar eine Online-Petition von Fans, die dich zum ESC schicken wollten ...

Diehl: Das habe ich alles am Rande mitbekommen. Ich saß da zu Hause und dachte: "Wow, was ist da los?" Das ist alles von heute auf morgen passiert. Ich mache Musik, seit ich ganz klein bin. Und seit zehn Jahren beruflich. Jetzt geht alles sehr, sehr schnell.

Du hast dir früh selbst das Gitarre- und Klavierspielen beigebracht und schon harte Zeiten durchgemacht. Wie waren die?

Diehl: Oh ja, ich habe mit 17 Jahren das Abitur geschmissen, bin auf die Straße als Straßenmusiker, habe mit 18 Jahre als Gitarrenlehrer ein Gewerbe gegründet, habe in verschiedenen Top-40-Bands gespielt von Ballermann bis Berlin, alles abgegrast, mit Partybands, und nebenbei immer eigene Musik geschrieben. Da waren mal 30 Leute auf dem Konzert, mal 100, wenn es gut lief. Ich habe zehn Jahre lang versucht, über die Runden zu kommen, mit kleinen Wohnungen, alten Autos, so wie man das das noch hinbekommt mit selbst gemachter deutschsprachiger Musik. Dann kam auf einmal die erste Plattenfirma, das Management, ein Plattenvertrag; 2014 das erste Album, im April folgt jetzt das zweite. Nun kommt der Vorentscheid vom ESC, auf einmal sind die Konzerte ausgebucht und ich bin eigentlich nur noch am Grinsen (lacht).

Was meinst du, erwartet dich beim Vorentscheid?

Diehl: Ich habe mich damit beschäftigt, wer noch alles antritt und habe mir sogar eine Single gekauft - von Woods of Birnam. Ich finde die toll. Am allermeisten freue ich mich darauf, die anderen Künstler kennenzulernen. Ganz egal, wer es wird, für mich wäre es wichtig, wenn nicht der Popsong XY hinfährt in diesen Zeiten, sondern wenn es ein Lied wäre, das eine Botschaft hat. Eine europäische Botschaft. Es wäre schön, wenn wir ein Zeichen setzen.

Katja Ebstein ist vorhin beim Clubtreffen aufgetreten ...

Diehl: ... Ich hatte Gänsehaut bei ihrem Auftritt. Unfassbar. Die hat Texte, die sind heute noch so aktuell wie damals. Wo man wirklich dasitzt und denkt, ja klar, das gab es alles schon einmal. Ich hoffe, dass wir heute viel aus damals gelernt haben.

Überlegst du, was wäre, wenn du weiterkämest und das Ticket nach Stockholm löst?

Diehl: Ich freue mich, meinen Song vor so vielen Menschen singen zu dürfen. Ob es dann nach Stockholm geht, oder nicht: Ich fände es allerdings schön, wenn es passiert, weil ich schon immer gern nach Stockholm fahren wollte (lacht), also rein als touristisches Ziel wäre es toll. Ich freue mich auf Köln. Das wird die größte Fernsehshow, bei der ich je teilgenommen habe. Wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr nervös.

Was wirst du auf der Bühne tragen?

Diehl: Ich war einkaufen, das erste Mal, das ich mich habe vermessen lassen. Ich werde sehr dunkel auftreten, mit schwarzem Sakko und schwarzem Hemd, ganz klassisch. Es wird auch keine aufwendige Inszenierung bei mir geben, der Song und seine Botschaft werden im Vordergrund stehen. Kein Feuerzauber, keine Tänzer, keine Federboa, keine Lichtshow. Eigentlich ist es nur der Alex Diehl mit seiner Gitarre und das, was er zu sagen hat.

Erzähl doch kurz etwas über deine Gitarre.

Diehl: Meine Gitarre ist meine First Lady, mit der bin ich seit vielen Jahren verheiratet. Sie ist immer dabei, egal, wo ich hingehe. Meine Gitarre ist meine Therapie. Ich schreibe immer Songs mit ihr, wenn es mir sehr gut geht und wenn es mir nicht gut geht, ist sie auch immer da. Das ist die, auf der ich seit zehn Jahren spiele und meine Gitarrenstunden gegeben habe. Die wird auch in Köln dabei sein.

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr