Stand: 13.12.16 16:18 Uhr

Ruslana: "Kommt in mein Land!"

Ruslana live auf der Bühne © Ruslana Press Office

Ruslana sieht sich als Kämpferin für die Freiheit der Ukraine.

Ruslana gewann 2004 in Istanbul mit "Wild Dances" den ESC. Die erste ukranische Eurovisionssiegerin hat ihren Triumph in den Monaten nach ihrem Siegeszug am Bosporus für die Orangene Revolution in der Ukraine genutzt. Die in Lwiw geborene Sängerin hat sich immer für die europäische Sache eingesetzt, und sie ist eine scharfe Kritikerin von Korruption und Misswirtschaft in ihrem Land. Für ein einziges Konzert in Deutschland ist Ruslana Anfang Dezember extra nach Hannover gekommen, eurovision.de hat es live übertragen. Wir sprachen mit ihr in der Garderobe des Musikzentrums in Hannover vor ihrem Auftritt. *

Ruslana: Frag' alles, ich antworte auf alles! Nichts soll ausgelassen werden.

Es ist doch zutreffend, dass deine Karriere mit dem Sieg beim ESC erheblichen Schwung bekommen hat - auch über die Ukraine hinaus, oder?

Ruslana: Mein Sieg war für mich nicht so überraschend. Ich würde sogar sagen, er war absehbar. Das ganze Land hat ja damals hinter mir gestanden - wir wollten unbedingt bei der Eurovision ein Bild der Ukraine zeigen, das in Europa überzeugt. Wir haben ja einen unermesslichen Kulturschatz in unseren Land, und da war es keine Frage, dass wir diesen zeigen und dann auch einmal gewinnen. Nehmen Sie die ukrainischen "Alpenhörner" in meinem Lied, die "Trembitas": Sie kamen zu Gehör, wie unsere Musik überhaupt - und wir wurden auch mit ihnen verstanden.

Ruslana zwischen Weihnachtssongs und Ethno-Dance

Eurovision Song Contest

Die ukrainische ESC-Gewinnerin von 2004 war für ein Konzert in Deutschland. Im Musikzentrum in Hannover hat sie ihre Fans begeistert.

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Was war, jenseits vom Lied "Wild Dances", deine Botschaft?

Ruslana: Sie war damals die gleiche, die heute immer noch gilt. Wir zeigen sie als Ukrainer bei all unseren Beiträgen beim Eurovisionsfestival: Wir gehören als Ukraine zu Europa.

Nach Istanbul warst du ein Teil der Orangenen Revolution in deinem Land. Weshalb?

Ruslana: Interessanterweise war die Eurovision so etwas wie ein Vorklang für die Orangene Revolution. Die Welt konnte dann im Jahr darauf in Kiew sehen, dass es uns gibt und wir ein eigenes Land sind - nicht allein wie früher ein Teil der Sowjetunion. Seit diesem Jahr bin ich auch mit dem heutigen Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, befreundet. Revolutionen für die Freiheit waren mir persönlich immer wichtig.

Bist du mehr Künstlerin oder soziale Aktivistin?

Ruslana: In erster Linie Künstlerin. Ein Jahr war ich Abgeordnete im ukrainischen Parlament, aber diese Arbeit dort können andere besser. Ich bleibe lieber Künstler. Mein Engagement ist politisch, aber nicht im Sinne politischer Parteien. Mit Machthabern oder der Opposition bin ich nicht direkt verbunden. Ich bin Botschafterin der freien Ukraine.

Womit hat deine Liebe zu Europa zu tun?

Ruslana: Lwiw, die Stadt, in der ich geboren wurde, hieß früher Lemberg. Sie gehörte zum habsburgischen Reich und war damit natürlich Teil von Europa. In der Ukraine war Europa immer ein Teil des Alltags, nie hat man gedacht, man sei nicht Teil dieser Kulturgemeinschaft. Wir sind ein Land mit vielen Kulturen, nicht nur einer - und die der Krimtataren gehört auch dazu.

Stichwort Krim - diesem Teil der Ukraine, inzwischen von Russland okkupiert, galt ja auch die besondere Aufmerksamkeit Jamalas, die in Stockholm 2016 mit dem Lied "1944" den ESC gewann.

Ruslana: Ich war Teil der Jury, die Jamala für das Eurovisionsfestival in Stockholm mit ausgesucht hat. Ich war sehr für diese Künstlerin, die in unserem Land sonst für Jazziges bekannt ist. Mein Herz pochte für Jamala. Und ich war sicher, dass sie in Stockholm gewinnt.

Wir hörten, dass Jamala auch in politisch nationalistischen Zusammenhängen auftritt.

Ruslana: Das glaube ich nicht. Zeig mir die Belege! Bis ich die nicht geprüft habe, traue ich solchen Behauptungen nicht. Ich weiß vielmehr, dass Jamala sehr viel Wert darauf legt, sich politisch nicht vereinnahmen zu lassen - von niemanden und von keiner Partei.

Du selbst bist besonders oft für Charity-Projekte unterwegs?

Ruslana: Ich sammle Geld für Kinder, die in den Kriegsgebieten der Ukraine kein gutes Leben haben, die Waisen sind und oft nicht wissen, wo sie ein gutes Zuhause finden können. Das habe ich auch früher schon getan, als ich mit Peter Maffay auf Tournee war.

Wirst du 2017 im Mai bei den ESC-Shows Aufgaben übernehmen?

Ruslana: Das ist offen, die Planungen sind noch längst nicht fertig. Aber ich werde mein neues Album, das bis dahin fertig sein wird, präsentieren, und ich werde wie immer für die Freiheit der Ukraine einstehen. Ich heiße alle in der Ukraine willkommen - kommt in mein Land!

* Die Fragen wurden auf Deutsch gestellt, die Antworten überwiegend auf Ukrainisch, gelegentlich auf Englisch vorgebracht. Der Übersetzer war Taras Levchenko, Mitglied des Vereins "Freie Ukraine Braunschweig e.V.". Gekürzte Version für die schriftliche Veröffentlichung.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr

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