Stand: 09.02.16 12:00 Uhr

Tobias Sammet: "Unsere Musik fliegt unterm Radar"

Der Sänger Tobias Sammet von Avantasia © Alex Kuehr Foto: Alex Kuehr

Bisher hatte Tobias Sammet keinerlei Berührungspunkte mit dem ESC, das hat sich nun geändert.

Tobias Sammet steckt hinter dem Metal-Rock-Projekt Avantasia und wird beim deutschen Vorentscheid damit für die etwas härteren Töne sorgen. Für ihn endlich mal die Chance, seine Musik, mit der er weltweit erfolgreich ist, auch in Deutschland einer breiteren Masse zu präsentieren. Er hofft, dass die Zuschauer keinen Kulturschock davontragen.

Das Metal-Festival Wacken Open Air und der ESC - das sind ja schon sehr unterschiedliche Welten. Oder siehst du da auch Parallelen?

Tobias Sammet: Da seh' ich erst mal keine Parallelen. Ich bin aber auch nicht in der Position, das abschließend beurteilen zu können, da ich bisher mit dem ESC kaum Berührungspunkte hatte. Das meine ich völlig wertfrei. Ich seh' insgesamt sehr selten fern, hab da vielleicht mal reingeschaltet, aber insgesamt ist das für mich Neuland. In Wacken geht man auf die Bühne, ist unter seinesgleichen, steht vor 80.000 Fans aus aller Herren Länder, die wissen, was man tut. Der ESC ist für mich vor allem eine Fernsehshow, von der ich nicht genau weiß, wer da warum zuguckt. Aber das macht nichts, wir machen einfach das, was wir immer machen und schauen, was dabei rauskommt.

Meinst du, du bist bei deinen Metal-Kollegen oder -Fans jetzt unten durch, weil die denken 'Was will der beim Vorentscheid zum ESC'?

Sammet: Das glaube ich nicht. Ich verbiege mich dafür ja nicht und mach nichts anders. Ich mach das Ganze jetzt seit 24 Jahren, wir haben 17 Platten und zehn Welttouren gemacht, da verändern wir uns natürlich nicht für eine einzige Show. Ich finde den Vorentscheid spannend, ich bin grundsätzlich ein neugieriger Mensch und ich glaube, unsere Fans können das einschätzen. Wir haben ja auch keinen Song für den Vorentscheid geschrieben, sondern nehmen einen, den wir eh geschrieben hatten. Wir machen einfach das, wofür die Fans uns kennen - nur, dass wir das jetzt auf einer anderen Plattform zum Besten geben.

Was findest du denn spannend daran?

Sammet: Was ich gut finde ist, dass da so viele Menschen zuhören, wenn wir unsere Art von Musik spielen. Metal hat wahnsinnig viele Fans auf der ganzen Welt und wir geben seit vielen Jahren weltweit Konzerte, verkaufen sehr viele CDs im Ausland, haben sehr viele Zuschauer überall - aber diese Musik fliegt einfach unter dem Radar. Diese Musik macht weltweit einen großen Teil des Unterhaltungsvolumens aus - und trotzdem wird sie in Deutschland von den Medien fast totgeschwiegen. Klar, man bekommt mit: Einmal im Jahr ist Wacken, aber dass eine Band wie wir in Brasilien vor 8.000 Leuten spielt oder in Arenen in Russland, das kommt in den Medien nicht vor. Darum finde ich es spannend, diese Art von Musik über dieses Medium zu präsentieren.

Ist der Vorentscheid für dich also eine Art Mission?

Sammet: Das wäre etwas hoch gegriffen. Für mich ist das einfach ein großer Spaß, eine große Unbekannte und ein Fragezeichen. Ich hab auch sehr spontan zugesagt als ich von meiner Plattenfirma gefragt wurde. Je bunter, desto besser. Es ist nicht so, dass ich mit dem Messer zwischen den Zähnen da hinfahre - aber ich hab mir für Mai auch noch nichts vorgenommen (lacht). Nein, wenn wir da hinfahren sollen, würde ich nicht kneifen. Dann wird's ja erst richtig spannend, dann dürfen die Leute in ganz Europa mit abstimmen und da glaube ich, könnten wir unsere Vorteile ausspielen. Ich war gerade auf Promotour in England, letzte Woche witzigerweise in Stockholm, in Helsinki und in Prag und überall haben mich die Radiostationen auf den ESC angesprochen. Überall haben wir schon gehört: 'Wenn ihr nach Stockholm fahrt, dann habt ihr unseren Support sicher.' Die identifizieren sich einfach mit dieser Art von Musik. In einem Sender in Großbritannien haben die Mitarbeiter gesagt, wenn wir zum ESC fahren, starten sie Aktionen zu 'Vote for Metal'. Ich hab das Gefühl, dass man europaweit viele Leute hinter sich wüsste.

Album "Ghostlights" startet durch

Das neue Avantasia-Album "Ghostlights" ist Ende Januar weltweit in ca. 150 Ländern erschienen und eroberte sofort die Charts. In Deutschland schaffte "Ghostlights" auf Anhieb den Sprung auf Platz zwei. In Großbritannien erreichte das Album Platz drei der Rock-Charts. Auch in anderen Ländern stieg "Ghostlights" erfolgreich ein - wie etwa in der Tschechischen Republik auf Platz zwei, Schweden auf Platz sieben und in Finnland auf Platz elf.

Ihr seid international sehr erfolgreich. Wäre es da für dich peinlich, gegen ein "Greenhorn" zu verlieren?

Sammet: Nein, das ist ja eine Momentaufnahme dessen, was die Fernsehzuschauer interessiert und als Metal-Musiker ist man es gewohnt, ein breiteres Publikum weitestgehend kaltzulassen. Wir sind, wie gesagt, in den Medien nie sonderlich präsent gewesen, aber das hat keinen Einfluss auf unsere Fans, darum seh' ich das entspannt.

Den Song "Mystery Of A Blood Red Rose" hast du als Duett geschrieben, oder?

Sammet: Ja, Avantasia ist ja eh ein Rock-Opern-Konzept und es sind immer viele Gastmusiker involviert, mal Klaus Meine oder Alice Cooper. Auf der neuen Platte sind viele Duette und diesen Song wollte ich ursprünglich mit Meat Loaf singen. Das sah auch erst ganz gut aus, aber dann hat sich sein Management dagegen entschieden. Und plötzlich hatten wir einen Song, der total nach Meat Loaf klingt - da machen wir uns mal nichts vor - aber wir hatten keinen Meat Loaf. Aber der Song war zu gut, also haben wir ihn trotzdem aufs Album gepackt und nun sing ich den allein. Wegen seiner Eingängigkeit wird der Song als erster als Single ausgekoppelt und kommt aus dem Grund auch mit zum Vorentscheid, weil es die massentauglichste Nummer auf dem Album ist.

Ihr könntet den Song ja als Duett beim Vorentscheid singen?

Sammet: Dann müssten wir wieder jemanden aus der Band weglassen, wir dürfen ja nur zu sechst auftreten, sind eigentlich zu neunt. Nein, wir machen das ganz normal.

Habt ihr euch schon Gedanken über die Show gemacht? Gibt es Pyro? Oder Trickkleider? Die sind beim ESC ja auch immer wieder ein Renner. Reißt du dir Teile des Outfits vom Leib?

Der Sänger Tobias Sammet von Avantasia © Alex Kuehr Foto: Alex Kuehr

Tobias Sammet will sich auch beim deutschen Vorentscheid allein auf die Musik und den Song konzentrieren.

Ach, so wie die Chippendales?! Nein, über Trickkleider hab ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich vermute, das ist eine gute Idee, aber ich glaube, wir werden darauf dieses Mal noch verzichten. Live haben wir sonst keine Pyro, weil bei Avantasia schon so total viel auf der Bühne passiert, mit neun Sängern. Da muss man nicht noch zusätzlich Unruhe reinbringen. Ich finde auch: Das ist ein Song Contest und keine Stuntshow. Soll ich da jetzt mit dem Motorrad über sieben Autos springen? Es geht doch um Musik. Das spiegelt auch unsere Unterhaltungsbranche heutzutage wieder, da gibt's oft riesige Bühnen, Trapezkünstler, die von links nach rechts fliegen - manchmal hab ich das Gefühl, diese großen Shows sollen von schlechter Musik ablenken. Ich will kein großes Brimborium, ich will da hingehen und meinen Song spielen. Alles andere lenkt nur ab.

Ihr geht im März/April auf Tour und dann im Juni/Juli. Da gibt es eine Kunstpause im Mai. Das mit dem ESC scheint fest eingeplant zu sein?!

Das wird mir jetzt wahrscheinlich niemand glauben, aber wir hätten auch ohne den ESC nicht im Mai gespielt. Der Mai ist einfach zu spät für Tourneen in Hallen, aber zu früh für Festivals. Wir haben auch letztes und vorletztes Jahr keine Tour im Mai gespielt.

Die anderen Teilnehmer

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 25.02.2016 | 20:15 Uhr