Die griechischen ESC-Teilnehmer 2016 Argo © Beetroot Design/Costas Pappas Foto: Beetroot Design/Costas Pappas
Stand: 14.04.16 16:30 Uhr

Aufbruch mit Argo

von Anja Kelber

Mit dem diesjährigen ESC-Beitrag aus Griechenland ist es ein bisschen wie mit dem Gyros-Teller im griechischen Restaurant um die Ecke gewesen - beides ist keine leichte Kost. Das sechsköpfige Ensemble Argo servierte uns mit "Utopian Land" einen Mix aus dreierlei: Folklore, ein Pop-Chorus und Sprechgesang. Im Ergebnis klingt das zwar ungewohnt, doch jenen ESC-Zuschauern, die für Experimente eher schwer zu haben sind, wird eine Brücke gebaut - der mehrstimmige Refrain lockt eingängig und in leicht verständlichem Englisch: "Dance with us and have some fun - Tanzt mit uns und habt Spaß!" Da kann man schon mal mitwippen. Oder auch nicht. Argo muss sich schon nach dem ersten Halbfinale vom ESC verabschieden.

Griechenland: Argo - "Utopian Land"

Eurovision Song Contest -

Mit nacktem Oberkörper punkten? Obwohl Argo aus Griechenland alle Register bei ihrer Performance zu "Utopian Land" im ersten ESC-Halbfinale zogen, reichte es nicht, um weiterzukommen.

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Griechischer Rap trifft Folklore-Jazz

Vielleicht lag es an den griechischen Hip-Hop-Anteilen, bei denen der Zugang schon etwas schwerer war: Argo rappten zum Teil in pontischem Griechisch, einem Dialekt der Schwarzmeerküste, der in Griechenland kaum noch verstanden wird. Doch wer im Hip-Hop vor allem Spaß an der Sprachmelodie hat, wurde gut unterhalten. Eingerahmt wurde der Song schließlich von folkloristischen Elementen, zum Einsatz kamen traditionelle Instrumente wie die pontische Leier und das Tabor, eine Handtrommel. Das Ganze erinnerte in einigen Momenten ein wenig an den schrägen Folklore-Jazz der Georgier The Shin, der beim ESC 2014 leider schon im Halbfinale durchfiel.

Argo

Bandmitglieder: Vladimiros Sofianides, Christina Lachana, Konstantinos Topouzis, Alekos Papadopoulos, Maria Elbrus, Elias Kesides
Heimatstadt: Thessaloniki
Land: Griechenland
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Nominierung ohne Vorentscheid

Dasselbe Schicksal ereilte nun auch "Utopian Land": Vielleicht konnten Dynamik und Kraft des Songs das Publikum nicht überzeugen und die Scheu vor dem Schrägen sich durchsetzen. Musikalisch gab das Sextett um Vladimiros Sofianides, der den Song komponiert hat, jedenfalls alles. In der Band trafen professionelle, studierte Musiker auf leidenschaftliche Autodidakten. Das funktionierte gut. Dennoch waren viele überrascht, als der Sender ERT die Nominierung der Band erstmals nach interner Entscheidung und ohne Vorentscheid verkündete, denn so richtig bekannt ist die Band aus Thessaloniki eigentlich nicht.

Argo singen vom Aufbruch in eine bessere Welt

Aber vielleicht waren die bei ERT auch einfach vom positiven Spirit des Songs überzeugt - thematisch geht es darin, wie aus naheliegenden Gründen schon häufiger in griechischen Beiträgen, um Krisenbewältigung. Und wenn es im Text heißt "Planet Earth 2016", dann ist hier nicht nur die eigene Misere gemeint. Optimistisch singt und rappt die Band vom Aufbruch in eine bessere Welt. Vom Abheben aus der Abenddämmerung in Richtung Morgensonne. Davon, keinen Platz in der Welt zu haben und deswegen ins "Utopian Land" zu reisen. Von Spaß, Tanz und Gemeinschaft - und natürlich hebt die Band im Interview auch ihre gute Freundschaft untereinander hervor. Hoffentlich bleiben sie auch nach ihrem Ausscheiden im ersten Halbfinale des ESC 2016 weiterhin gut befreundet.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr